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Donnerstag, 21. Februar 2019

Vermögen

Die Folgen der Fehler

Von Manfred Godek | 5. April 2018 | Ausgabe 14

Eine D&O-Versicherung schützt Manager vor Schadensersatzansprüchen der eigenen Firma – und damit vor dem Ruin.

BU D&O
Foto: imago/Jochen Tack

Vor Gericht trifft mancher Manager seinen Arbeitgeber wieder. Da ist es wichtig, vor persönlicher Haftung geschützt zu sein.

D&O“ steht für „Directors & Officers“. Eine solche Manager-Haftpflichtversicherung wird von den Unternehmen für ihre Vorstände oder Geschäftsführer abgeschlossen und gehört heute zum Standard eines ordentlichen Arbeitsvertrags auf der ersten Führungsebene.

Die Versicherung reguliert Schadensersatzansprüche wegen einer Pflichtverletzung gegenüber dem eigenen Unternehmen oder einem Dritten sowie die Rechtskosten zur Abwehr der Forderungen. Vorsätzliche Pflichtverletzungen sind in der Regel nicht versichert.

„Derzeit wird auch diskutiert, ob eine Haftung des Geschäftsleiters aus Insolvenzverschleppung einen Schadensersatzanspruch im Sinne der D&O-Policen oder gar einen Ersatzanspruch eigener Art darstellt, mit der Folge, dass die Versicherung nicht regulierungspflichtig ist“, so Kathrin Rosenberg, Rechtsanwältin bei Rödl & Partner und Spezialistin für das Thema Geschäftsführerhaftung und D&O-Versicherungen.

Lukas Nazaruk, Leiter des deutschen Geschäftsbereichs Financial & Professional Services des Industrieversicherungsmaklers Marsh, beobachtet, dass „immer häufiger Manager mit Schadensersatzforderungen ihrer Gesellschaften konfrontiert werden; die Zahl der D&O-Fälle wird nur in den USA übertroffen“.

Auffällig sei, dass die Summen immer höher ausfielen und Fehlentwicklungen immer öfter den Managern erst nach ihrem Ausscheiden angelastet würden. Insolvenzverwalter seien besonders klagefreudig. Statt ihre ganze Energie in neue Aufgaben zu investieren oder den Ruhestand genießen zu können, seien die Betroffenen womöglich jahrelang mit der Abwehr existenzbedrohender Regressansprüche beschäftigt.

Vorstände und Geschäftsführungen bewegen sich auf einem schmalen Grat. Laut § 43 des GmbH-Gesetzes und § 93 des Aktiengesetzes haften sie bereits für einfache Pflichtverletzungen unbegrenzt mit ihrem Privatvermögen, wobei die sogenannte Beweislastumkehr die Situation noch erschwert: Sie müssen im Fall eines Falles nachweisen, dass sie nichts falsch gemacht haben. Zweistellige Millionen-Streitwerte sind keine Seltenheit. Und man braucht gute Anwälte. Stundenhonorare von 500 € bis 600 € seien heutzutage keine Seltenheit, weiß Nazaruk.

Die nach Unternehmensgröße und wirtschaftlicher Situation variierenden Prämien liegen im Mittelstand zwischen 800 € und 1000 € im Jahr für eine Deckungssumme von 1 Mio. €. „Vorausgesetzt, die Firmen sind finanziell nicht angeschlagen“, betont Niels Joehnk, Head of Financial Lines beim Industrieversicherungsmakler Schunck. Große Unternehmen zahlen zwischen 900 € und 1800 €.

Im Schadensfall schreibt das Aktiengesetz einen Selbstbehalt von mindestens 10 % des Schadens vor – begrenzt auf maximal 150 % der jährlichen Festvergütung. Denn Selbstbehalt kann ebenfalls versichert werden. Die Prämie dafür muss allerdings jeder Vorstand selbst zahlen. Das ursprünglich rein angloamerikanische Versicherungsprodukt gehört heute zum Standard der größeren Industrieversicherer. Nicht nur bei Dax- und MDax Firmen ist der Schutz – mit Deckungssummen bis in den Milliardenbereich – inzwischen obligatorisch. Im Mittelstand schätzt Nazaruk von Marsh die Verbreitung auf 70 % bis 80 % der Unternehmen. Eine Deckung von 1 Mio. € sei inzwischen auch bei kleineren Unternehmen üblich und da seien 15 Mio. € keine Seltenheit.

Die Versicherung endet mit dem Ausscheiden des Managers aus dem Unternehmen. Allerdings haftet der Vorstand einer börsennotierten AG noch weitere zehn und der Geschäftsführer einer GmbH weitere fünf Jahre. „Deshalb sollte die Police möglichst lange Nachmeldefristen beinhalten. Darauf sollte der Manager bereits achten, wenn er seinen Vertrag aushandelt“, rät Kathrin Rosenberg. Zudem besteht die Möglichkeit, den D&O-Schutz auch im Nachhinein noch individuell zu ergänzen oder Klarstellungen zu treffen.

Neben der Selbstbehaltsversicherung gilt dies insbesondere für den Fall einer Insolvenz. Denn nach einem aktuellen BGH-Urteil kann der Insolvenzverwalter einer GmbH eine zugunsten der Geschäftsführer abgeschlossene D&O-Versicherung kündigen.