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Donnerstag, 21. März 2019

Internet der Dinge

Die Herren der Dinge

Von Jens D. Billerbeck | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Das Düsseldorfer Start-up IOX Lab hilft Unternehmen mit Prototypen ins IoT. Zur Cebit im vergangenen Sommer startete eine Kooperation mit Vodafone.

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Foto: IOX/Jakob Wagner

Bob, der Roboter: Mit diesem Humanoiden demonstrieren die Gründer, was sie in Sachen 3-D-Druck, Elektronik, Sensorik und Software anzubieten haben.

Sicher kann man das Internet der Dinge, das Internet of Things kurz IoT, theoretisch betrachten. Doch geht es um den konkreten, nutzbringenden Einsatz der Technik in einem Unternehmen, dann braucht es „Dinge“. Davon ist Robert Jänisch überzeugt. Ende 2015 gründete er im Düsseldorfer Gründerzentrum „Startplatz“ das Unternehmen IOX Lab, das sich genau dieses zum Ziel gesetzt hat: seinen Kunden ins IoT zu helfen, indem binnen 30 Tagen Prototypen von „Dingen“ hergestellt werden, an denen der praktische Nutzen demonstriert werden kann.

IOX Lab, Düsseldorf

Jänisch, der aus der klassischen Informatik stammt und seine Karriere bei verschiedenen IT-Dienstleistern begann, hatte in einem ersten Start-up erlebt, wie wichtig es ist, die Phase der Theorie zu verlassen und an konkreten Produkten zu arbeiten. „Die spannendste Erkenntnis war, dass wir irgendwann gesagt haben, jetzt bauen wir das mal. Damit konnten wir viel konkreter zeigen, was wir wollen, als nur mit irgendwelchen Slides.“

Diese Erkenntnis übertrug er dann kurze Zeit später auf sein eigenes Unternehmen: „Wir müssen mehr haptisch arbeiten. Die Begeisterung, die dabei entsteht, können wir nutzen, um alle Beteiligten mehr in ein Projekt zu involvieren.“ Das einzige Problem in der Anfangsphase: Es gab noch keine Kundenprojekte und damit hatten Jänisch und sein kurz nach Gründung dazugestoßener Mitstreiter Andreas Bell noch nichts praktisch vorzuweisen. Jänisch: „Und da haben wir Bob gebaut.“

Foto: IOX/Jakob Wagner

Die Chefs von IOX Lab: Robert Jänisch (li., CEO) und Andreas Bell (COO).

Bob ist ein humanoider Roboter. Die mechanischen Komponenten fertigte IOX im 3-D-Druck, Elektronik, Sensorik und Software kamen hinzu. Es entstand etwas Anfassbares, getreu dem Firmenmotto „Make things, not slides“. Jänisch: „Jetzt konnten wir zeigen, was wir alles auf dem Kasten haben.“ Auf Veranstaltungen warb Bob um Kunden und das erfolgreich. Für Henkel entwickelten die Jungunternehmer ein Gerät zur Mückenbekämpfung, das per Smartphone-App zu steuern ist.

Seitdem wurden etliche Kundenprojekte erfolgreich abgeschlossen. Das Spektrum dabei ist groß: Es reicht von einer interaktiven Werbe- und Anzeigetafel über eine vernetzte CO2-Waage, die in Wasserspendern den Füllstand der Kohlensäurebehälter misst, bis hin zum C-Ring, einer modularen Sensorplattform für den Aufbau smarter Städte.

Parallel zur Zahl der Kundenaufträge wuchs das Team, das mittlerweile im „Startplatz“ im Medienhafen Düsseldorf fast eine Etage mit Leben füllt. Jänisch erinnert sich: „Es ist spannend, wie man so ein Team zusammensetzt.“ So heterogen das Produktspektrum, so vielseitig die Fähigkeiten der mittlerweile 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir haben Industriedesigner, Elektrotechniker, Softwareentwickler und Spezialisten für die Innovationsberatung“, so Jänisch. Denn es reiche ja nicht, „dem Kunden einen Prototypen über den Zaun zu werfen. Innovationen haben Auswirkungen auf sein Portfolio und seine Geschäftsprozesse. Das bedarf ganz verschiedener Fähigkeiten, so etwas zu managen.“

Der Erfolg blieb nicht aus. „Im vergangenen Jahr sind wir beim Umsatz um 130 % gewachsen. Damit sind wir absolut zufrieden und gehen unseren Weg.“ Auch für 2018 erwartet der Gründer wieder mindestens 100 % Zuwachs. Damit wächst das Team weiter. Jänisch: „Wir werden jetzt zum ersten Mal einen Geologen einstellen.“ Er weiß genau, welche Fähigkeiten er damit gewinnt. „Die kennen sich sehr gut mit großen Datenmengen aus, mit Statistik.“ Zum unternehmerischen Erfolg gesellte sich ein weiterer: IOX Lab wurde mit dem Gründerpreis des Landes NRW für 2017 ausgezeichnet. „Es ist schön, wenn man in einer frühen Unternehmensphase diese Wertschätzung erfährt“, bilanziert Jänisch. Die Preisverleihung erinnert er als sehr spannend. Denn das Ganze läuft in einem Ausschlussverfahren. „Da ist man plötzlich unter den ersten zehn, dann sind es noch drei und plötzlich sind wir die Nummer eins. Das hat uns gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Und die damit verbundene PR ist natürlich für die Kundenakquise auch nicht verkehrt.“

Zur Cebit 2018 kam dann die Ankündigung einer Kooperation mit dem Telekommunikationskonzern Vodafone hinzu. Erst Kontakte bestanden schon länger, die bereits erwähnte CO2-Waage kommuniziert über Vodafones Netz. In der Kooperation fungiert IOX als Ideenschmiede für das Produkt, Vodafone zeichnet verantwortlich für die Vernetzung und die Beratung der Kunden. So sollen Vodafones Geschäftskunden auf den Leib geschneiderte IoT-Produkte erhalten. Der Bedarf ist groß, denn vielen Unternehmen fehlt laut Vodafone immer noch Know-how, um Prozesse und Anwendungen zu digitalisieren und durch konkrete technische Lösungen zu optimieren. Für Jänisch ein guter Deal: „Vodafone hat eine große Verkaufsmannschaft und wir können die perfekt unterstützen, wenn es um IoT-Themen geht. Denn das ist kein Geschäft von der Stange, da sind sehr individuelle Lösungen gefragt.“

Solche maßgeschneiderten Lösungen verspricht auch ein weiteres Produkt, das IOX in seinem Portfolio hat: den IOX Bot. Damit adressiert das Start-up die immer wichtiger werdende Schnittstelle zwischen den Maschinen und dem Menschen. IOX Bot ist ein Cloud-basiertes Managementsystem, mit dem Anwender schnell individuelle Chatbots zusammenstellen können. So sollen laut Jänisch nicht nur Smart-Home- oder Smart-City-Lösungen im IoT nutzerfreundlich gemacht werden. „Wir liefern Intelligenz für jedermann zum kleinen Einstiegspreis. Das ist auch für Webseitenbetreiber oder kleine Einzelhändler ohne großes Risiko erschwinglich.“

Der Gründer hält es für wichtig, solche Kompetenzen auch hierzulande aufzubauen. Er rät Unternehmen, mehr Raum für kreative Ideen zu schaffen, etwas Neues einfach mal auszuprobieren. „Man muss doch nicht immer gleich am offenen Herzen operieren, man kann auch einfach mal Sandburgen bauen.“ In Konzernen, so seine Beobachtung, passiere da schon ziemlich viel. Aber der Mittelstand könnte davon auch profitieren. Sein Rat: „Augen öffnen, Kontakt zu Start-ups suchen und Ideen sammeln.“