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Sonntag, 24. Februar 2019

Digitale Transformation

Digitale Lösungen mit den Kunden gemeinsam entwickeln

Von Ariane Rüdiger | 24. Mai 2018 | Ausgabe 21

In München entwickelt Fujitsu, basierend auf Erfahrungen aus Japan, neue Lösungen für die digitale Wirtschaft – mit dem Menschen im Mittelpunkt.

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Foto: Fujitsu

Entwicklungshilfe: Ideenkarten aus über 800 Workshops in Japan, geben künftig auch bei Fujitsu in München Anregungen, wie ein Problem zu lösen sein könnte.

Kürzlich eröffnete der japanische IT-Konzern Fujitsu in München sein erstes Digital Transformation Center (DTC) außerhalb Japans und das bislang einzige in Kontinentaleuropa geplante. Weitere derartige Einrichtungen sollen in London und New York folgen. Damit wird der Münchener Norden zu einem Zentrum der Digitalisierung im Allgemein und des Internets der Dinge (IoT) und künstlicher Intelligenz (KI) im Speziellen: In unmittelbarer Nachbarschaft zu Fujitsus DTC unterhält IBM seit rund zwei Jahren sein weltweites Watson-IoT-Center, und die neue Microsoft-Deutschland-Zentrale ist nur einen Steinwurf entfernt.

Erste Fujitsu-DTC entstanden 2016 in Tokio und Osaka. Dort erprobte der Konzern eigene Methoden wie das Human Centered Experience Design (HXD), um neuartige Anwendungsszenarien und Lösungen im Dialog mit Kunden zu entwickeln. Mehr als 800 Workshops seien dort bisher durchgeführt worden, berichtet Yoshiteru Yanada, Fujitsus weltweiter Marketingleiter. Jetzt gehe man damit erstmals ins Ausland. „Es entspricht dem Stil von Fujitsu, Produkte oder Verfahren erst dann weltweit zugänglich zu machen, wenn sie wirklich reif sind“, so Pressesprecher Michael Erhard.

Laut Fujitsu haben sich die Prinzipien, die dieser Methode zugrunde liegen, in Japan als ausgesprochen erfolgreich erwiesen und zu innovativen Lösungen geführt. Im Kern geht es darum, Kunden, aber auch deren Kunden und Partner, in kritische Entwicklungsprozesse einzubeziehen und damit zu Co-Designern zu machen. Unterstützt wird dieser Prozess von über 800 sogenannten „Digital Inspiration Cards“. Auf diesen Karten finden sich die gesammelten Ideen, die in früheren Co-Creating-Prozessen entstanden sind.

Mit dieser Methode sollen nun auch in München Entwicklungsprojekte durchgeführt werden. In halbtägigen „Define-Workshops“ wird gemeinsam mit Kunden eine Vision und eine erste grobe Ideenskizze für eine Lösung entwickelt. Ganztägige „Explore-Workshops“ sollen zu einem konkreten Plan nebst ersten definierten Umsetzungsschritten führen.

Als Pilotkunde schon ausprobiert hat die Methode die Deutsche Leasing. Deren Direktor Organisation und IT, Thomas Remmel, nahm an einem Workshop teil, um den Angebotsprozess für Produkte des Unternehmens an kleine und mittlere Unternehmen beim Vertrieb über die Sparkassenorganisation zu verbessern, zu der die Deutsche Leasing gehört. Remmel: „Wir haben das Thema aus allen möglichen Blickwinkeln betrachtet und sind mit einer langen Liste von Folgeschritten nach Hause gegangen.“

In seinem Münchener DTC präsentierte Fujitsu zum Auftakt verschiedene Technologien, die in gemeinsame Entwicklungsprozesse eingebracht werden können. So z. B. ein mit einem Greifarm gekoppeltes Bildanalysesystem. Es basiert auf einem Algorithmus für maschinelles Lernen für den Einsatz im IoT. Das System wurde darauf trainiert, nach einer vorgegebenen Liste aus einem ungeordneten Haufen die richtigen Schraubentypen in der richtigen Folge auszuwählen. Das im Hintergrund arbeitende neuronale Netz hat über 100 Ebenen und seine Auswahl soll im Endstadium mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 % richtig sein. Zum Anlernen reichten relativ wenige Bilder aus, erläuterte Andreas Rhonfelder, Leiter des Competence Center 4.0.

IntelliEdge heißt ein Gerät, das in sensorgespickten, vernetzten Produktionsumgebungen eingesetzt werden kann. Es trennt den lokalen Bereich, Edge genannt, von den weiter außen gelegenen Elementen eines IoT-Systems, z. B. einer zentralen Cloud. Solch ein System kann etwa die von Sensoren erzeugten Datenmassen in unterschiedliche Datenströme teilen. Diese können dann vor Ort analysiert und danach gelöscht werden. Oder sie werden an eine zentrale Cloud-Instanz zur weitergehenden Analyse geschickt. An ähnlichen Lösungen arbeiten heute alle großen Anbieter, die im IoT-Markt punkten wollen, wie Cisco, HP oder Dell EMC.

Am Büro der Zukunft arbeitet Fujitsu seit Jahren zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitsorganisation (IAO) und Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand im Projekt Office 21. Das Fraunhofer-Institut geht ohnehin davon aus, dass Digitalisierung die Arbeitswelt umkrempeln werde. Sehr wahrscheinlich wird nahezu zu jedem Arbeitsplatz der Zukunft viel digitales Equipment gehören.

Ein Beispiel sind Handvenenscanner, entweder als Teil von Geräten oder separat. Fujitsi-Sprecher Erhard: „Dabei interagiert Infrarotlicht mit spezifischen, personenindividuellen Molekülen im Blut und berechnet aus den Daten einen Hash-Wert, ohne dass man die Hand mit einer Oberfläche in Berührung bringen muss.“ Bisher sei dieses Verfahren unkorrumpierbar.

Auch das Lichtdesign soll intelligent werden: Das Beleuchtungssystem am Arbeitsplatz merkt sich die individuellen Einstellungen des Anwenders und passt sie tageszeit- und situationsbezogen automatisiert an. Den Trend zum mobilen Arbeiten unterstützen in die Büromöbel integrierte Ladefolien. Damit wird das drahtlose Laden möglich, sobald ein Mobilgerät an der richtigen Stelle abgestellt wird.

Gepaart mit der Expertise und den Ideen der Kunden, sollen diese und andere Technologien nun bei der zielgerichteten Entwicklung neuer Konzepte und Lösungen helfen.