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Donnerstag, 21. Februar 2019

Werkzeuge

Drehmomente fest im Griff

Von Hans Schürmann | 7. Juni 2018 | Ausgabe 23

Für professionelle Schrauber sind die Produkte von Hazet aus Remscheid kaum wegzudenken. Digitalisierung hilft bei der Einhaltung hoher Qualitätsanforderungen.

Hazet BU 1
Foto: Hazet

Qualitätssicherung: Drehmomentschlüssel werden bei Hazet in einem eigenen Labor kalibriert. 80 % seiner Produkte fertigt das Unternehmen selbst.

Der Platz im Motorraum heutiger Automobile ist knapp. Immer mehr Bauteile müssen hier sicher untergebracht und möglichst leicht zugänglich verschraubt und befestigt werden. Das gelingt oft nur noch mit Spezialverschraubungen, -verbindungen und -werkzeugen. Diese entwickeln die Autobauer gemeinsam mit Experten von Werkzeugherstellern bereits früh während der Entwicklung der Fahrzeuge. Bereits beim virtuellen Zusammenbau der Motoren am Computer testen die Entwickler nicht nur, mit welchen Werkzeugen Montageabläufe am besten funktionieren, sondern auch, wie einfach sich die Bauteile bei Reparaturen wieder ausbauen lassen.

Hazet

„Nicht selten entstehen in diesen gemeinsamen Projekten Ideen, mit denen wir unseren Kunden in der Automobilindustrie im After-Sales-Geschäft Vorteile durch schnelle und günstige Wartungen und Reparaturen ermöglichen“, sagt Matthias Hoffmann, der als Geschäftsführender Gesellschafter bei Hazet für die kaufmännischen Belange des Unternehmens verantwortlich ist. Das Unternehmen wurde vor 150 Jahren von dem Kleinschmied Herrmann Zerver in Remscheid gegründet und ist inzwischen in fünfter Generation im Familienbesitz. Der Markenname entstand in Anlehnung an die Initialien des Gründers. Seit den 1950er-Jahren ist Hazet – als einer der führenden Werkzeughersteller – in die frühe Entwicklung von Spezialwerkzeugen für mehrere Automobilbauer in Deutschland involviert. „Die aktuelle Herausforderung besteht heute darin, diese Partnerschaften im Umbruch zu neuen Antriebskonzepten zu festigen und auszubauen“, erläutert Hoffmann.

Foto: Hazet

Die Geschäftsführer Guido Schmidt (links) und Matthias J. Hoffmann teilen sich die Aufgaben beim Werkzeugspezialisten Hazet.

Neben Lösungen für die Serienfertigung entwickelt der Werkzeugbauer aus Remscheid Innovationen für Firmen, die sich im Motorsport engagieren. Hazet hat über 5500 verschiedene Werkzeuge in seinem Programm – vom Abzieher bis zur Zange, über Spezial- und Drehmomentwerkzeuge bis hin zu Werkzeugwagen. Das Unternehmen beschäftigt in vier Werken – drei in Remscheid und eins in Heinsberg – über 550 Mitarbeiter. Mit 80 % ist der Anteil an selbst gefertigten Produkten außerordentlich hoch. „Unsere Produkte werden in über 100 Ländern der Welt vertrieben“, sagt Hoffmann.

Um sich im wachsenden internationalen Wettbewerb zu behaupten, setzt das Unternehmen aus Remscheid neben der Konstruktion von innovativen Sonderwerkzeugen auf eine konsequente Weiterentwicklung der bestehenden etablierten Produkte. Ein Beispiel dafür ist der kommunizierende Drehmomentschlüssel SmartTAC. Dieser kann per WLAN oder Bluetooth mit einem PC, Tablet oder Smartphone gekoppelt werden und Daten für eine anstehende Verschraubung empfangen sowie nach erfolgter Verschraubung Daten zur Dokumentation zurücksenden.

Mithilfe einer speziellen App für Smartphone oder Tablet und der Anbindung an ein ERP-System können Kunden die Daten auswerten und die Schraubergebnisse dokumentieren. „Durch die bidirektionale Kommunikation ist es erstmals möglich, handgeführte Schraubfälle sicher zu planen und zu dokumentieren“, sagt Guido Schmidt, der als Geschäftsführer die Technik verantwortet. Dies sei eine wesentliche Voraussetzung, um vollautomatische Prozesse, auch bei notwendigen Handeingriffen, zu stabilisieren. „Mit dieser Weiterentwicklung bieten wir unseren Kunden eine Lösung für die Anforderungen im Kontext von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Arbeitswelt“, erläutert Guido Schmidt.

Alle Drehmomentschlüssel ab dem Herstelldatum 1.  4.  2018 sind nach DIN ISO 6789 zu prüfen. Die erfolgreiche Prüfung ist dabei durch ein beizulegendes Zeugnis zu dokumentieren. Damit die Drehmomentschlüssel auch nach längerem Gebrauch weiterhin exakt die für die Verschraubungen vorgeschriebenen Werte liefern, müssen die Werkzeuge regelmäßig überprüft und nachkalibriert werden. Hazet hat dafür einen Prüfservice entwickelt, der Kunden neben der Justierung und Kalibrierung auch die Reparatur der empfindlichen Werkzeuge bietet. Dieser Service zur Instandhaltung sei ein wesentliches Differenzierungsmerkmal zu den Wettbewerbern aus Asien, so der Geschäftsführer.

Hazet erfinde aber immer wieder auch bewährte und alltägliche Werkzeuge neu, so Schmidt. Damit meint er eine neue Umschaltknarre, die im Frühjahr mit dem Eisen-Innovation-Award ausgezeichnet wurde.

Das Werkzeug hat der Werkzeughersteller zusammen mit der Universität Wuppertal weiterentwickelt und optimiert. Das Geheimnis dieser Entwicklung liege in einer Kombination aus modernster Werkstofftechnologie, hochpräzisen Fertigungs- und ausgereiften Wärmebehandlungsverfahren, sagt Schmidt. Ein Drehmoment von 1000 Nm und ein Betätigungswinkel von 4 Grad seien nun ein Benchmark in der Branche.