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Freitag, 22. Februar 2019

Fernsehen

Durchbruch bei UHD-Inhalten in Sicht

Von Wilfried Urbe | 8. November 2018 | Ausgabe 45

Die TV-Bildschirme in den Wohnzimmern werden immer größer. Damit ist UHD – also die vierfache Auflösung von HDTV – mittlerweile gut verbreitet. Jetzt ziehen auch die Inhalteanbieter daraus die Konsequenzen.

BU Mipcom
Foto: S. d‘Halloy Image & Co

Besser Fernsehen: Auf der Messe Mipcom in Cannes drehte sich alles um das Fernsehprogramm der Zukunft.

Wie sehr das heimische Wohnzimmer auch von der technischen Ausstattung her zum Kino geworden ist, machte Mitte Oktober die größte Fernsehmesse der Welt, die Mipcom in Cannes, deutlich. Dort stellte Paul Gray vom Londoner Marktforschungsinstitut IHS Markit aktuelle Zahlen vor: Laut dessen Untersuchung beträgt die Durchschnittsgröße von Fernsehbildschirmen in Westeuropa aktuell 45 Zoll. Und allein in diesem Jahr werden voraussichtlich 60 % aller in Westeuropa verkauften TV-Geräte UHD-bzw. 4K-fähig sein, also die vierfache Bildauflösung des bisherigen HDTV präsentieren können.

Immer mehr Inhalte werden folglich im hochauflösenden Standard UHD/4K produziert. Kein Wunder also, dass die Mipcom dem in ihrem Konferenzprogramm einen Themenschwerpunkt widmete. Dort betonte Yoshiaki „Joe“ Nakata aus der Sony-Geschäftsführung: „Global gesehen, ist Europa der Markt, der am schnellsten wächst, wenn es um das Angebot von 4K-Kanälen geht.“

Wie zum Beweis bestätigte der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat den Start des neuen UHD-Senders 4KUniverse für November. Dann sollen Millionen von Abonnenten in Kabel- und IPTV-Netzen erreicht werden. „Das reichhaltige Angebot an UHD-Serien, Filmen und Dokumentationen sowie Live-Sport wird das Publikum in Europa, im Mittelmeerraum und in Nordafrika begeistern“, kündigte Gerry O’Sullivan von Eutelsat an.

„Europa verfügt inzwischen über die höchste Anzahl von UHD-Kanälen“, versicherte auch Eutelsats Vize-Präsident „new TV formats“, Michael Chabrol. 76 Sender in 46 Staaten seien mittlerweile etabliert. Marktforscher Gray schließlich ging davon aus, dass 40 % aller westeuropäischen Haushalte im Jahr 2022 in der Lage sein werden, UHD zu empfangen.

In Deutschland sind UHD-Sender noch rar gesät, aber sie werden mehr. ProSiebenSat.1 sendete einige Formate in UHD, auch das ZDF hat erste Schritte gewagt – beide Sender bedienen sich dafür aber eines Tricks: Sie nutzten den Internetstandard HbbTV zur Verbreitung. Dieser ist für jeden UHD- oder 4K-Fernseher mit Internetanschluss empfangbar.

ARD und ZDF wollen mit der Fußball-WM 2022 in die regelmäßige UHD-Ausstrahlung einsteigen, ein programmweiter Umstieg mit komplettem Ersatz der Ausstrahlung in Standard- und HD-Auflösung zugunsten UHD ist aber nicht absehbar. RTL sendet einige Highlights wie Formel-1- und Fußball-Übertragungen in UHD. Den Kanal UHD1 unterhält der Satellitenbetreiber Astra, tagsüber mit UHD-Demos in Endlosschleifen, abends verschlüsselt für HD+-Abonnenten.

Mit großem Interesse wurden in Cannes die Aktivitäten von ZDF Enterprises verfolgt. Der Weltvertrieb des Mainzer Senders zeigte im Rahmen des UHD-/4K-Themenschwerpunkts verschiedene Produktionen in dem höchstauflösenden Standard. Etwa erste Ausschnitte der internationalen Koproduktion „Volcano“ oder Szenen aus der kanadisch-französisch-britischen Dokureihe „A Day in the Life of Earth“. „Es ist interessant, dass jetzt eine Reihe neuer UHD-Sender gestartet ist, die im Regelbetrieb senden, etwa in Australien Foxtel“, erklärte Ralf Rückauer, der beim Weltvertrieb den Bereich „unscripted“ verantwortet. Bisher habe es zwar eine Reihe von Testkanälen gegeben, aber diese neuen Sender seien „Meilensteine“, was die Verbreitung ins Wohnzimmer angehe.

„Bei uns brauchen wir noch ein bisschen Geduld“, relativierte der Medienmanager die Aussichten auf einen zeitnahen Durchbruch von UHD in Deutschland, „weil enorme Investitionen in die Technik notwendig sind und sinnvolle Inhalte in ausreichender Anzahl erst noch produziert werden müssen.“

Der Kölner Produzent Wolfgang Link, Geschäftsführer von Unique Media Entertainment, ergänzte in diesem Zusammenhang: „Bei UHD muss man als Produzent beide Seiten der Medaille sehen: Zum einen macht es die Produktion wertiger, visuell brillanter, länger haltbar und damit auch wertvoller für eine lang andauernde Auswertung. Andererseits macht der UHD-Standard eine Produktion erkennbar teurer – durch die speziellen Kameratypen, den wesentlich höheren Datendurchsatz und die dadurch verursachten Mehrkosten bei Datenträgern, Postproduktion und Personal.“ Link jedenfalls wird auf Wunsch von Sat.1 die nächste Staffel seiner Sketch-Comedy „Rabenmütter“ in UHD-Qualität produzieren.

ZDF Enterprises verfügt zurzeit über einen Katalog von rund 50 UHD-/4K-Programmen. Das Ziel: noch viele weitere Inhalte dort zu versammeln. Zurzeit stehen für die Vertriebsorganisation besonders die ausländischen Märkte im Fokus. So konnte ZDF Enterprises während der Messe „Volcano“ und „A Day in the Life of Earth“ an Sender in Japan sowie Australien verkaufen.

Die Expertenrunde war sich einig: Trotz der verschiedenen internationalen Übertragungsstandards dürfte die Anzahl der Konsumenten rund um den Globus steigen, die künftig UHD/4K mit HDR (High Dynamic Range) in bester Qualität empfangen können.