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Mittwoch, 20. Februar 2019

PC-Markt

„Ein kompliziertes Geschäft“

Von Jens D. Billerbeck | 1. November 2018 | Ausgabe 44

Über die Herausforderungen im schwierigen Umfeld und über Chancen außerhalb des klassischen PC-Geschäfts sprachen die VDI nachrichten mit Emmanuel Fromont, President EMEA bei Acer.

Bildartikel zu Acer Digital Signage_Outdoor.jpg
Foto: Acer

Gut versteckt: In solchen Anzeige- und Werbetafeln im öffentlichen Raum steckt viel PC-Technologie.

VDI nachrichten: Wie stellt sich aus Ihrer Sicht derzeit der PC-Markt in Europa dar?

Foto: Acer

Fromont: Das laufende Jahr gestaltet sich schwierig, denn speziell der Consumer-Markt ist überraschend schwach. In Deutschland ist er laut GfK zweistellig rückläufig. Daher versuchen wir generell, stärker auch Umsatz außerhalb des Kern-PC-Segments zu generieren. Es wird die große Herausforderung der nächsten zwei Jahre werden, das verloren gegangene Wachstum beim PC an anderer Stelle zu kompensieren.

Emmanuel Fromont

Das Marktforschungsunternehmen IDC meint, dass PC-Hersteller, die nicht stark im Firmenkundengeschäft sind, langfristig keine Chancen haben.

Acer Inc.

Das glaube ich nicht. Man muss nicht stark im Firmenkundengeschäft sein, um stark bei Gaming-PCs zu sein. Wir wachsen sehr gut in diesem Segment und sind in etlichen Ländern die Nummer eins. Man muss auch nicht stark im Firmenkundenmarkt sein, um stark bei Chromebooks (Anm. d. Red.: auf Googles Chrome-OS basierende Notebooks) zu sein oder generell im Bildungsbereich. Ich denke, es geht generell darum, früh genug in die richtigen Wachstumssegmente zu investieren.

Aber es ist doch eine Tatsache, dass PCs länger genutzt oder durch Tablets ersetzt werden.

Aussagen wie „Die Leute brauchen keinen PC oder kein Notebook mehr“ sind nicht wahr. Zumindest, wenn das alte Gerät kaputt ist, wird in aller Regel ein neues gekauft. Beim Smartphone geht das heute wesentlich schneller, da muss es immer das Neueste und Größte sein. Diese Attitüde haben wir leider im PC-Markt verloren, aber da sollten wir wieder hinkommen. Nur: Dafür bedarf es wirklich aufregender Produkte.

Aber es kochen doch alle mit Wasser, sprich, alle nutzen die gleichen Komponenten von Intel, Nvidia oder AMD.

Ja, aber wir differenzieren uns durch Innovationen, die in unseren Entwicklungslabors entstehen. Beispielsweise bei den Formfaktoren, im thermischen Design – Stichworte: schlank, flach und ohne Lüfter – und beim Einsatz von Touch-Technologien. Am wichtigsten aus Nutzersicht ist aber die Akkulaufzeit für die mobilen Geräte. Das alles müssen wir entwickeln und liefern. Und wir müssen damit schnell auf dem Markt sein. Nur so sind Notebooks und andere mobile Geräte wie Convertibles und 2-in-1-Geräte aufregende Produkte, die der Kunde gerne kauft.

Der Umstieg auf einen neuen Computer ist allerdings oft ein zeitraubendes Geschäft für den Kunden, das geht heute beim Smartphone wesentlich einfacher.

Es wird aber auch beim PC bzw. Notebook immer einfacher dank der Cloud und Windows 10. Aber es kann durchaus ein Mittel zur Differenzierung der Händler bei wenig technikaffinen Kunden sein, als Service anzubieten, alles vom alten auf einen neuen PC zu transferieren.

Was passiert mit den alten PCs?

In einigen Ländern ist das Recycling gesetzlich geregelt. In anderen Märkten realisieren wir das in Kooperation mit den Händlern oder über Aktionen auf unserer eigenen Webseite: Bring deinen alten PC und kauf einen neuen. Die nachhaltige und umweltfreundliche Entsorgung ist ein Versprechen, an dem wir konsequent arbeiten.

Wie bleibt man bei den schnellen Innovationszyklen profitabel?

Wir haben keine eigenen Fabriken wie auch die meisten unserer Wettbewerber in unserer Industrie. Aber wir sorgen für die Logistik unserer Lieferkette. Das ist ein sehr kompliziertes Geschäft angesichts kurzer Innovationszyklen und großer Modellvielfalt. Wir haben über 40 Jahre Erfahrung damit, diese Lieferkette zu optimieren, und das hat unmittelbaren Einfluss auf unsere Marge.

Wenn Sie mehr Umsatz außerhalb des Kerngeschäfts PC anpeilen, was sind das für Bereiche?

Wir arbeiten beispielsweise an einem ganzen Portfolio an Gaming-Zubehör. Da soll ein komplettes Ökosystem aus Keyboards, Controllern und anderer Gaming-Hardware entstehen. 

Ein ganz wichtiges Feld für uns ist auch der Bereich Digital-Signage z. B. für Out-of-Home-Werbung oder Informationen für Kunden im Laden. Da steckt eine ganze Menge Intelligenz drin – von der Installation über das Management der Inhalte bis zur Auswertung von Kundeninteraktionen. Da arbeiten wir auch mit künstlicher Intelligenz und können analysieren: Wie viele sind vorbeigegangen oder wer hat wann wohin geschaut. Das sind interessante Anwendungen, die natürlich in Sachen Datenschutz jeweils genau geprüft werden müssen. 

Als drittes Feld ist der Service ganz wichtig. Wir haben unsere eigenen Reparaturzentren, insgesamt zehn über ganz Europa verteilt. Da werden dann durchaus auch Geräte von Wettbewerbern repariert.

Stichwort Chromebook, das führt ja hier eher ein Schattendasein.

Das Chromebook ist ein Hit in all den Märkten, in denen es groß angelegte Rollouts für Computer in der Schule und in der Ausbildung gibt. Das ist in Deutschland vergleichsweise schwach, weil es hier keine Regierungsinitiative gibt, die einen PC für jeden Schüler fordert. Neben den weltweit führenden USA sind in Europa UK, Benelux und Skandinavien schon sehr stark, Spanien fängt an.

Was spricht für das Chromebook?

Im Bildungssektor ist das Chromebook vom Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Es gibt ausreichend Android-Applikationen und das System ist sicher. In Schulen funktioniert es einfach gut, weil dort beispielsweise 10 000 Geräte mit zwei IT-Leuten zu verwalten sind. Wir waren da Pioniere und führen weltweit. Und Google arbeitet hart daran, es auch in den Ländern zu etablieren, die derzeit noch schwächeln.

Was erwarten Sie in Zukunft für Innovationen? 

Das nächste große Innovationsfeld ist wieder die Akkulaufzeit: Schaffen wir die 24 Stunden? Da kann man dann getrost das Netzteil auch mal zu Hause lassen. 

Geht das nur mit mehr Energiesparen oder braucht es neue Batterietechnologien? 

Man braucht beides. Neue Batterietechnologien werden kommen, aber auch die Komponenten werden immer sparsamer. Wir sind jetzt mit vielen Produkten bereits im zweistelligen Bereich bei den Betriebsstunden. Dünn und leicht wird die Norm. Und die nächste Generation ist dann komplett drahtlos. Ein Leben ohne Kabel – oder bestenfalls mit einem: USB Type C. Das wandert aus dem Consumer-Bereich auch zunehmend in den professionellen Markt. Der Trend heißt auch da künftig: leicht und bunt.