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Donnerstag, 21. März 2019

Kommentar

Eine Frage der Verteilung

Von Martin Ciupek | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Der Erfolg der Güterverkehrsbranche wird zum Problem. Zwar freuen sich die Unternehmen über die Zuwachsraten, doch gleichzeitig wächst der Druck durch steigende Umweltregelungen.

Foto: VDIn/Zillmann

Martin Ciupek, Ressortleiter, erwartet Wettbewerb um „saubere“ Energiequellen.

Fakt ist: Immer mehr Fracht wird über die Straße transportiert und immer weniger über die Schiene.

Das merken nicht nur Autofahrer, wenn sie auf Langstrecken zahlreichen schweren Lkw begegnen. Onlinemarktplätze und lokale Lieferdienste sorgen auch dafür, dass immer mehr Waren in Wohngebiete geliefert werden. Weil die Transportfahrzeuge zumeist mit Verbrennungsmotoren ausgerüstet sind, steigen damit die Emissionen an den Verkehrswegen.

Jetzt stehen die Speditionen und Lieferdienste vor einem Dilemma. Sie müssen immer mehr Waren in Wohngebiete liefern und sollen gleichzeitig weniger Schadstoffe emittieren. Kunden erwarten die komfortabele, zeitnahe Lieferung direkt an die Haustür. Gleichzeitig wird dort lauter und stickiger Verkehr als Übel empfunden.

Für kleine Lieferfahrzeuge und kurze Wege scheint die Lösung naheliegend: Elektromobilität. Strom lässt die Fahrzeuge zumindest lokal ohne Abgasemissionen fahren. Tatsächlich muss der Strom auch erst erzeugt werden – teilweise in herkömmlichen Kraftwerken. Für größere Lkw mit hohen Reichweiten rücken Erdgasantriebe in den Fokus.

Das alles ist zwar schön und gut, aber zu sehr auf die eigene Branche gerichtet. Denn auch die Schifffahrt möchte künftig mehr Strom und Erdgas nutzen, um in Häfen und auf See weniger schmutzige Verbrennungsprodukte der Dieselmotoren zu emittieren. Stahlwerke möchten von der Kokskohle loskommen und brauchen dafür Strom. So scheint ein Wettbewerb um „saubere“ Energieformen und leistungsfähige Versorgungsnetze vorprogrammiert.

Da hilft es wenig, wenn nun alle auf die gleichen Energiequellen schauen. Wichtig scheinen Lösungen, die auf unterschiedlichen Technologien beruhen. Und am Ende kann der Konsument vielleicht auch noch etwas beitragen – indem er das Päckchen selbst von einer Packstation abholt, anstatt es liefern zu lassen und dann mit dem Auto ins Fitnessstudio zu fahren. Auch das ist eine Frage der Ressourcenverteilung.