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Mittwoch, 17. Januar 2018

Luftfahrt

Elektrische Flugzeuge verlassen die Nische

Von Rolf Müller-Wondorf | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Strat-ups geben bei der Elektrifizierung von Fluggeräten den Takt vor.

S18 Elektroflugzeuge (2)
Foto: Airbus

Vision: Werden die Verkehrsnetze der Großstädte künftig durch fliegende Elektrotaxis ergänzt? Zahlreiche Unternehmen jedenfalls entwickeln in diese Richtung.

Lautlos kreist der zweisitzige Hubschrauber vor der Skyline von Dubai Stadt. Das senkrechtstartende und rein elektrobetriebene Fluggerät der Volocopter GmbH, einem Start-up aus Bruchsal, hat seinen ersten unbemannten Flug im urbanen Raum fehlerlos gemeistert. Wenige Wochen zuvor bestritt das Lilium-Elektroflugzeug seinen Jungfernflug. Das Fluggerät wurde von einem Münchner Gründerunternehmen entwickelt. Tatsächlich sind es nicht die großen traditionellen Flugzeugbauer, die bei der Elektrifizierung des Flugzeugbaus den Ton angeben, sondern Jungunternehmen. Doch die Industrie darf die Entwicklung nicht unterschätzen und sollte sich auf diesen Wandel vorbereiten, so ein Ergebnis der aktuellen Roland-Berger-Studie „Aircraft Electrical Propulsion – The Next Chapter of Aviation?“.

„In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Luftfahrt stark verändern“, bekräftigt Manfred Hader, Partner des Beratungsunternehmens. Dabei kämen immer neue Akteure ins Spiel. Innerhalb der Marktuntersuchung seien 70 Elektromodellprojekte unter die Lupe genommen worden: Fast die Hälfte (46 %) davon wird von Start-ups oder unabhängigen Entwicklern betrieben. Nur in 18 % der Fälle sind die großen Flugzeughersteller beteiligt. Ein Fehler, meint Hader: „Die traditionelle Luftfahrtindustrie sollte die Entwicklung nicht nur genau beobachten, sondern sich aktiv einbringen und frühzeitig geeignete Partnerschaften, zum Beispiel mit Start-ups, eingehen.“

Boeing muss sich das nicht vorwerfen lassen. Der US-Luftfahrtkonzern investierte in den Drohnen- und Roboterflugzeugbauer Aurora Flight Sciences aus dem US-Bundesstaat Virginia. Langfristiges Ziel ist der Aufbau einer Flotte fliegender Taxis. Marktbegleiter Airbus hat gemeinsam mit HAX, einem Frühinvestor in Hardware-Start-ups, ein viermonatiges Accelerator-Programm im chinesischen Shenzhen aufgelegt, um die urbane Mobilität der Zukunft zu gestalten. Beide Unternehmen werden sich gemeinsam dafür einsetzen, die Ideen aus den Prototypen schneller auf den Markt zu bringen und das Tempo bei der Vermarktung innovativer Ideen zu erhöhen, um die Zukunft der urbanen Mobilität zu gestalten. Ihr Aufruf richtet sich an junge Start-up-Unternehmen, die Technologien zur Bewältigung der neuen Herausforderungen entwickeln.

Laut der Roland-Berger-Untersuchung muss für den breiten Einsatz voll- und hybridelektrischer Systeme im Flugzeugbau vor allem die Speicherdichte der Batterien deutlich steigen. Zudem sind leichte und gleichzeitig leistungsstarke Motoren nötig, die auch völlig neue Bauweisen, zum Beispiel mit mehreren Propellern, erlauben. Denn: „Für das elektrische Fliegen reicht es nicht, einfach heutige Flugzeugmodelle auf Elektromotoren umzustellen“, sagt Hader. „Das gesamte Flugzeugdesign muss energieeffizienter werden.“

Doch der Fortschritt geht bereits in die richtige Richtung. So erwarten die Roland-Berger-Experten, dass die Speicherdichte von Batterien ab 2025 den Wert von 0,5 kWh/kg erreicht. Ab diesem Wert sei ein sinnvoller Eins atz in der Luftfahrt möglich. „Bei den langen Entwicklungszeiträumen im Flugzeugbau ist das nicht mehr so weit entfernt“, sagt Hader. „Das zeigt, dass die Flugzeugbauer sich schon jetzt mit diesem Trend befassen sollten, sonst kommen sie möglicherweise zu spät.“

Wie schnell die Luftfahrt elektrifiziert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Berater von Roland Berger halten deshalb mehrere Szenarien für möglich: von der langsamen Evolution bis hin zur Revolution durch die schnelle Entwicklung neuer Technologien, die auch für große Flugzeuge hybridelektrische oder sogar vollelektrische Antriebe ermöglichen. „Auch wenn noch offen ist, welches davon letztendlich eintritt: Tatsache ist, dass die Luftfahrt sich wandeln wird. Darauf muss sich die Industrie einstellen, je früher desto besser“, empfiehlt Hader.

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