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Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

Wissenschaft

Energieforschung fremdelt mit der Praxis

Von Hans-Christoph Neidlein | 24. November 2016 | Ausgabe 47

Technologieentwicklung ist für die Energiewende ein Schlüsselelement. Allein – es hapert am Einsatz der Forschungsergebnisse.

w - Energieforschung HCN BU
Foto: FVEE/DLR

Energieforschung in Deutschland: Die Projektgelder für Arbeiten wie jene am DLR-Institut für Verbrennungstechnik in Stuttgart sollen weiter steigen.

Ein noch stärkerer Systemblick, ein intensiverer Begleitprozess der Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz und die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen. Dies sind die Haupthemen für die deutsche Energieforschung unter den Rahmenbedingungen der Klimaverträge, so das Fazit der Jahrestagung des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEE) Anfang des Monats in Berlin.

Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE)

„Forschungsseitig ist Deutschland sehr gut aufgestellt. Die Hauptherausforderung nach Paris ist nicht die Forschungsförderung an sich, sondern die verbesserte Umsetzung von Ergebnissen der Energieforschung in der Praxis“, unterstrich Manfred Fischedick, FVEE-Sprecher und Vizepräsident des Wuppertal Instituts. Sei es die erfolgreiche Markteinführung von Produkten oder die politische Umsetzung.

Als aktuelles Beispiel verwies Fischedick auf die sich lange hinziehende Verabschiedung eines Klimaschutzplans durch das Bundeskabinett. Aufgrund einer wenig ambitionierten Politik drohe Deutschland seine Vorreiterrolle im Klimaschutz zu verlieren. Die Ausbau- und Innovationsdynamik bei den erneuerbaren Energien sei bereits abgeflacht und bei der Förderung der E-Mobilität gäben mittlerweile Länder wie China und Kalifornien den Ton an.

Foto: www.eventfotograf.in / ©JRF e.V./ Wuppertal Institut

„Die Hauptherausforderung nach Paris ist nicht die Forschungsförderung an sich, sondern die verbesserte Umsetzung von Ergebnissen der Energieforschung in der Praxis.“ Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts und Sprecher des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien.

Dringend erforderlich sei auch ein sozial verträglicher Ausstiegsfahrplan für die Kohle, appellierte der FVEE-Sprecher an die Politik. „Das Thema brennt unter den Nägeln“, sagte Fischedick. Nötig sei, sich jetzt beispielsweise im Rahmen einer Kommission zusammenzusetzen und über einen sinnvollen Weg eines sukzessiven Ausstiegs aus der Kohleverstromung zu verständigen. Dieser müsste auch Prozesse in Gang setzen, um für die betroffenen Regionen Jobalternativen zu schaffen.

 „Wir brauchen einen viel stärkeren gesellschaftlichen Begleitprozess bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, hierbei spielt die Wissenschaft eine wichtige Rolle“, so Christoph Rövekamp, Leiter des Referats Grundlagenforschung Energie beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin.

Für entscheidend hält Rövekamp auch die Technologieoffenheit bei der Förderung der Energieforschung. „Verfrühte technologische Vorfestlegungen sind nicht gut für den Klimaschutz, denn niemand kann vorhersagen, was in den kommenden Jahrzehnten passiert“, sagte er. Deshalb verfolgten die vier in diesem Frühjahr gestarteten „Kopernikus-Projekte für die Energiewende“ einen breiten Ansatz.

Die Kopernikus-Projekte, an deren Umsetzung 230 Institutionen beteiligt sind, haben eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren. In einer ersten Förderphase bis 2018 unterstützt sie das BMBF mit bis zu 120 Mio. €. Bis 2025 sollen weitere 280 Mio. € hinzukommen. Schwerpunktthemen sind neue Netzstrukturen, Speicherung von Überschussstrom (Power-to-X), Industrieprozesse sowie Systemintegration.

Der Etat der Bundesregierung für die Energieforschung wächst in den nächsten Jahren, die Förderung ist breit und über die Ministerien hinweg verteilt aufgestellt. Allein 2015 standen seitens des Bundes 863 Mio. € für die Energieforschung bereit, im Vorjahr waren es noch 819 Mio. €. In diesem Jahr stehen im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms rund 1 Mrd. € zur Verfügung.

Das federführende Bundeswirtschafts- und -energieministerium (BMWi) bereitet derzeit in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsnetzwerk Energie das 7. Energieforschungsprogramm vor. Hier soll ein noch stärkerer Schwerpunkt auf der anwendungsorientierten Systemintegration liegen, kündigte der zuständige BMWi-Referent Alexander Folz an. „Wir müssen noch besser den Systemblick hinbekommen“, unterstrich er. Beteiligt an dem Energieforschungsprogramm ist zudem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Bereich Biomasseforschung. Ergänzend läuft die Förderung des Bundesumweltministeriums und die des Bundesverkehrsministeriums innerhalb des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

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