Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Dienstag, 23. Januar 2018

Druck

„Es gibt Bereiche, die sich ganz neu auftun“

Von Stephan W. Eder | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Jacqueline Fechner, Deutschlandchefin des Kopierererfinders Xerox, sieht im Marktsegment „Manufacturing“ einen neuen Wachstumssektor.

w - Fechner BU
Foto: Xerox

Direct-to-Object-Printing ist eine der Zukunftsanwendungen, die Xerox derzeit entwickelt.

VDI nachrichten: Frau Fechner, 2009 kaufte Xerox den Dienstleister ACS, um sich breiter aufzustellen, letztes Jahr hat Ihr Unternehmen diesen Merger durch die Abspaltung des Business-Process-Outsourcing-Geschäfts unter dem Namen Conduent größtenteils wieder rückabgewickelt. Warum?

Foto: Xerox

Fechner: Man hat über die Jahre nicht die Synergie durch diesen Merger bekommen, den man sich erhofft hat. Wir besinnen uns jetzt wieder auf die Xerox-Kernkompetenzen. Auf die Entwicklung und Vermarktung digitaler Drucktechnologien und ergänzender Services sowie auf die Bereitstellung zukunftsweisender Geräte und Lösungen für die Arbeitsplätze von heute und morgen. Dort werden wir in den nächsten Monaten und Jahren stark investieren.

Jacqueline Fechner

Wo ist der Unterschied zwischen Xerox vor ACS und Xerox heute?

Wir haben heute ein sehr viel umfassenderes Lösungsportfolio als früher. Zukünftig geht es immer mehr um den Informationsfluss der Dokumente. Drucker und Multifunktionsgeräte werden zu intelligenten Arbeitsplatzassistenten als Schnittstelle zwischen der analogen und der digitalen Welt.

Warum hat Xerox sich von dem Labor in Grenoble getrennt?

Das war eine strategische Entscheidung, die bereits im Rahmen der Separation getroffen wurde, da in Grenoble zu 75 % für die jetzige Conduent geforscht wurde. Insgesamt werden wir das hohe Niveau unseres F&E-Budgets auch in diesem Jahr beibehalten. Um den Standort Europa zu stärken, wollen wir hier F&E-Leute aufbauen.

Wo sitzen die?

Sie werden in Uxbridge in England sitzen.

Xerox wird nachgesagt, es sei ein Technologieunternehmen. Aber das versteckt es ziemlich gut. Warum eigentlich?

Ja, vielleicht muss sich Xerox vorwerfen lassen, dieses Know-how schlecht zu vermarkten. Der Branchenanalyst Gartner hat das mal „das am besten behütete Geheimnis von Xerox“ genannt. Wir arbeiten derzeit an innovativen Technologien wie Direct-to-Object-Printing oder Printed Memory. Wir sind in intensiven Diskussionen mit ausgewählten Kunden, um diese Technologien zur Marktreife zu bringen.

Inwieweit kauft Xerox Technologie-Know-how strategisch zu?

In den letzten Jahren haben wir das sehr, sehr wenig gemacht. Aber wir haben eine Akquisitionspipeline; wir wollen dezidiert und gezielt kleinere Technologieakquisitionen tätigen. Und auch für Europa gibt es entsprechende Investitionspläne.

Einige Analysten sehen für Xerox in den nächsten Jahren einen eher sinkenden Umsatz. Das heißt, Xerox müsste die Margen nachhaltig nach oben fahren. Wie soll das passieren?

Bewahren, wo wir gut sind, dort nicht zu stark verlieren, wo der Markt an sich verliert, und überproportional in den Wachstumsmärkten zulegen – das ist die Strategie. Es gibt Bereiche, wo der allgemeine Markt schrumpft und in denen Xerox sehr gut vertreten ist. In diesen Bereichen, das ist die Hälfte unseres Geschäfts oder etwas mehr, müssen wir unsere Marktposition verteidigen. Selbst wenn uns das gelingt, dürfte dort der Umsatz sinken, weil wir mit sinkenden Preisen rechnen müssen.

Es gibt aber andere Bereiche, die sich ganz neu auftun, zum Beispiel die Verschiebung vom Offset- zum Digitaldruck. Das hat bis heute erst 2 % bis 3 % des Marktes erfasst. Zweites Beispiel ist der Verpackungsdruck, hinzu kommt der High-End-Farbproduktionsdruck, der weiter wächst.

Foto: Xerox

Erste Geräte mit Direct-to-Object-Printing stellte Xerox im September auf der Messe Pack Expo in Las Vegas vor.

Sehr stark wollen wir beim „Document Outsourcing“ zulegen. Darunter ist mehr als nur „Managed Print Services“ zu verstehen; hier geht es um Systeme, die helfen, die Arbeits- und Prozessabläufe in Unternehmen zu optimieren bzw. zu digitalisieren.

Was sind im klassischen Büroumfeld die Wachstumsmärkte für Xerox?

Dort sehen wir Wachstumsmärkte in zwei Bereichen. Zum Ersten sind wir in einzelnen Regionen noch nicht so weit, dass wir dort unsere Potenziale im DIN-A3- und DIN-A4-Druckerbereich gehoben haben. Zum Zweiten sehen wir Wachstumschancen im Bereich Document Outsourcing.

Wir sind der größte Anbieter für Managed Print Services weltweit, stark durch das Geschäft mit großen Unternehmenskunden getrieben. Beim Document Outsourcing haben wir im Jahresschnitt bei den größeren Unternehmenskunden ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich – bei den kleinen und mittelgroßen Unternehmen aber wächst dieses Segment zweistellig. Da sehen wir eine große Wachstumschance für uns.

Hat Xerox bestimmte vertikale Märkte im Auge?

Ein großer Sektor ist definitiv der Gesundheitsbereich. Im Großkundenbereich entwickeln wir derzeit Lösungspakete für ganz bestimmte Zielgruppen, wie den Bereich „Manufacturing“. Bei diesen Anwendern geht es um den Bereich der Workflow-Automatisierung in den Unternehmen. Das fängt damit an, den Rechnungseingang automatisiert zu scannen, zur Bearbeitung weiterzuleiten und abzulegen.

Aber das ist doch ein uralter Hut?

Ja, in den Anfängen mag das ein alter Hut sein. Aber in diesem Marktsegment machen kleinere Unternehmen und selbst der Mittelstand oft nicht den entscheidenden Schritt. Es geht ja nicht nur um das Scannen, sondern darum, was dann an automatisierter Weiterverarbeitung und Digitalisierung in den Unternehmen passiert. Da gibt es noch große Unterschiede.

Wir haben Vorreiter bei dieser Anwendung, wie im Scanbereich die Allianz, die ein eigenes riesiges Scanzentrum aufgebaut hat. Dann geht es uns darum, dieses Lösungs-Know-how ganz oder teilweise auch für andere Kunden verfügbar zu machen. Spannend für uns wird es, wenn die Kunden dann weltweit ausrollbare Lösungen suchen.

Professioneller Druck ist ein hart umkämpfter Bereich, dort will Xerox aber wachsen. Wo ist da die spezielle Perspektive für Ihr Unternehmen?

Im Farbproduktionsdruck sind wir im Bereich Einzelblatt weltweit Marktführer. Der am stärksten wachsende Markt wird in den nächsten Jahren der Inkjet-Produktionsdruck sein. Daher ist das für uns auch ein Fokus. Wir verfügen hier über ein umfassendes Portfolio sowohl mit Einzelblatt als auch mit Continuous Feed. Wir sind hier in Deutschland bei den Neuinstallationen mit einem Fünftel der Geräte die Nummer zwei. Da bewegt sich unheimlich viel, da wollen die Kunden auch mal etwas ausprobieren – das ist unsere Chance.

Wie erhöht Xerox intern die Effizienz?

Wir haben ein großes Restrukturierungsprogramm. Zum einen vereinfachen wir die Organisationsstruktur, u. a. nehmen wir Managementebenen heraus und verringern damit die Komplexität. Dabei nutzen wir die natürliche Fluktuation und achten sehr darauf, die Basis nicht zu schwächen. Zum anderen optimieren wir unsere Kostenstrukturen durch Programme wie Rightshoring und Prozessoptimierung. Das Transformationsprogramm läuft seit Anfang 2016 und wird insgesamt drei Jahre dauern. Wir sind aktuell mehr als im Plan. Generell haben wir schon in der Vergangenheit unabhängig vom laufenden Restrukturierungsprogramm zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, um produktiver zu arbeiten und die Anforderungen unserer Kunden noch besser erfüllen zu können.

stellenangebote

mehr