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Sonntag, 24. Februar 2019

Parkettnotizen

Es droht Geldpolitik nach Gutsherrenart

Von Stefan Wolff | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Wenn sich Notenbanker zur Tagespolitik äußern, dann geschieht das meist auf dezente Art und Weise. So gesehen kann man die Reden von EZB-Chef Mario Draghi und US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen als klare Kampfansage an das Weiße Haus interpretieren.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Draghi kritisierte die protektionistischen Tendenzen in vielen Ländern. Angesichts neuer Vorstöße in Richtung Mauerbau an der mexikanischen Grenze ist dies eine klare Kritik an Donald Trump.

Der US-Präsident hatte erst vor kurzem damit gedroht, die Regierung lahmzulegen, falls nicht die Mittel für den Bau der Grenzbefestigung bewilligt würden. Dieser „Government Shutdown” ist eigentlich ein Druckmittel, mit dem die Opposition der Regierung die Daumenschrauben anlegt. Somit zeigt die Drohung, wie zerrüttet das Verhältnis der republikanischen Abgeordneten zu ihrem Präsidenten ist. Noch deutlichere Kritik äußerte Janet Yellen. Sie kritisierte die Steuerpläne Trumps und warnte davor, die Banken zu deregulieren. In Zeiten niedriger Zinsen sei weniger Kontrolle umso gefährlicher, sagt die Notenbankchefin, die nun umso mehr um ihren Job bangen darf.

Dabei hat Yellen zu Recht darauf hingewiesen, dass die 2010 vorgenommenen Regulierungen weder das Wirtschaftswachstum noch die Versorgung mit Liquidität gebremst hätten. Die große Sorge ist, dass entfesselte Finanzmärkte – wie im Jahr 2008 – eine erneute Krise auslösen könnten. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler hatte seinerzeit mit der Aussage: „Das Monster ist von der Kette” ein die Krise bezeichnendes Zitat geprägt.

Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn könnte im kommenden März nach Ablauf der Amtszeit Yellens die Geschäfte in der Fed übernehmen. Sollte das Amt nicht den Mann formen, wie das ja auch bei Trump nicht der Fall gewesen ist, droht eine Geldpolitik nach Gutsherrenart. So langsam entwickelt sich das Weiße Haus zu einer Gefahr für die Märkte.

Der Kardinalfehler von Alan Greenspan, des einstigen Fed-Chefs, zum Ende der Krise in den „Nullerjahren“ war es, viel zu spät und dann zu schnell die Zinsen wieder angehoben zu haben. Ähnliches könnte sich nun ereignen, falls unangebracht niedrige Zinsen auf wieder deregulierte Banken treffen sollten.

Schade nur, dass weder Yellen noch Draghi sich zu ihrer eigenen Strategie äußerten. Denn darauf hatten die Beobachter am meisten gehofft. Doch keiner von ihnen ergriff die Gelegenheit beim Schopf, seinen zukünftigen geldpolitischen Kurs zu skizzieren. Dabei wollen die Anleger vornehmlich wissen, wie denn nun der Ausstieg der EZB aus der Politik des billigen Geldes gestaltet werden soll. Nun setzen die Märkte auf die kommende EZB-Sitzung am 7. September. Dann soll Mario Draghi erklären, wann das Anleiheaufkaufprogramm zurückgefahren wird. Dabei ist noch gar nicht abgemacht, ob dies in der aktuellen Situation überhaupt der Fall sein wird. Die Kursentwicklungen bei italienischen Anleihen lassen Probleme erahnen. Die Zweifel, dass das Land von seinem Schuldenberg runterkommen kann, werden lauter. pst