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Freitag, 22. Februar 2019

Maschinenbau

Finden statt Suchen

Von Martin Ciupek | 8. November 2018 | Ausgabe 45

Wo große Internet-Datenbanken und Suchmaschinen scheitern, bringen findige Unternehmer ihr spezifisches Know-how ein – drei Beispiele.

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Foto: mauritius images/imageBROKER/Olaf Döring

Fachwissen hilft bei der Suche nach speziellen Prüflaboren. Inzwischen gibt es eine eigene Suchmaschine dafür.

Spezialmaschinen zu finden, kann sehr schwer sein. Diese Erfahrung machte sich der Diplomingenieur Lars Kobialka zunutze. Ein Freund des Automatisierungsspezialisten benötigte eine Maschine, die Gummibänder durch ein Etikett zieht und verknotet. Bei der Suche nach geeigneten Lösungen im Internet war er erfolglos geblieben. Kobialka fand dagegen eine Maschine, die Spargelstangen bündeln und mit Gummibändern umwickeln kann. Diese musste letztlich nur modifiziert werden.

„Meine Suche war erfolgreich, weil ich die richtigen Fragen in der Sprache der Maschinenbauer stellen konnte“, fasst Kobialka sein Erfolgsrezept zusammen. Das war der Beginn einer Geschäftsidee. 2011 gründete er in Uetersen im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein mit dem erfahrenen IT-Unternehmer Sebastian Dröber das Start-up mworks. Das Konzept: Bevor die Ingenieure bei mworks eine neue Maschine entwickeln, machen sie sich auf die Suche. Mit hoher Wahrscheinlichkeit findet Kobialkas Team Lösungen für ähnliche Anforderungen, die bereits auf dem Markt sind. Statt einer kompletten Neuentwicklung ist dann oft nur eine Anpassung nötig. Auch die Kombination aus Standard- und Individuallösungen kann ein Ergebnis sein.

Die Maschinensuche ist für mwoks dabei die Grundlage für das eigene Geschäft. „Eigentlich optimieren wir Produktionsprozesse, indem wir nach Standardlösungen suchen, die wir individuell anpassen und einsetzen können“, sagt der Unternehmer. Es gehe um den gesamten Produktionsprozess und nicht um einzelne Maschinen. Datenbanken wie Wer-liefert-was sieht Kobialka deshalb nicht als Wettbewerber. „Dort werden Standardmaschinen angeboten. Wir finden individuelle Sonderlösungen“, verdeutlicht er. Ist eine passende Maschine identifiziert, werden Angebote eingeholt und verglichen. Auf dieser Basis erhalten die mworks-Kunden eine Empfehlung. Insbesondere dann, wenn die Zeit drängt, erweist sich die professionelle Maschinensuche laut Kobialka deshalb als vorteilhaft. Nach Angaben von mworks nutzen Industriekonzerne wie BASF, Siemens und VW die Kompetenz der Maschinenfinder ebenso wie namhafte Mittelständler.

Immer öfter möchten Unternehmen auch Roboter einsetzen. Das freut darauf spezialisierte Dienstleister und Fachleute. Für die Nachfrager wird es dagegen zunehmend zum Problem, Experten zu finden. Thomas Janke, selbst Geschäftsführer des Robotikdienstleisters Faster Solutions aus Düsseldorf, wollte das nicht einfach hinnehmen. Er hat deshalb eine Vermittlungsplattform für Roboterspezialisten geschaffen.

Janke kennt die Nachfragesituation aus seiner eigenen Tätigkeit und hatte vor der Plattformgründung bereits ein Partnernetzwerk rund um den Einsatz von Robotertechnologien etabliert. Darüber hinaus hat er weiterer Fachleute für seine Vermittlungsplattform RobExp hinzugewinnen können. Anders als bei der Fachkräftevermittlung sonst üblich verlangt er eine einmalige Gebühr von 1900 € vom suchenden Unternehmen. „Der Stundensatz bleibt komplett beim Experten“, beschreibt er den Ansatz. Alle weiteren Vereinbarungen treffen die Marktteilnehmer dann untereinander. Nach seiner Erfahrung kommen bei Projekten üblicherweise etwa 300 Stunden zusammen. Oft dauerten solche Aufträge ein halbes Jahr.

Die Plattform RobExp listet Roboter- und Steuerungsexperten auf. Diese können nach speziellen fachlichen Fähigkeiten ausgesucht werden. Beispiele dafür sind Planung, Programmierung, Inbetriebnahme, Wartung und Schulung.

Aufwendig kann auch die Suche nach Prüflaboren sein, die für die Sicherheit von Maschinen und vielen industriell gefertigten Produkten zuständig sind. Denn: Labore gibt es viele, doch welches Labor nutzt welches Prüfverfahren? Und welche Preise werden für die Prüfung aufgerufen? Auch hier liefern die großen Suchmaschinen kaum befriedigende Antworten. Die Erfahrung machte Malte Zur. Als ehemaliger Mitarbeiter der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) gründete er 2012 ein Prüflabor für Faserverbundwerkstoffe und kennt die Branche. Zusammen mit seinem Bruder Tim, der bei einem Familienkonzern als Einkaufschef arbeitete, erkannte er das Potenzial einer Prüflabor-Suchmaschine.

„Einerseits gab es eine enorme Nachfrage und andererseits auch das entsprechende Angebot. Was es brauchte, war ein Matchmaker“, beschreibt Zur die Ausgangssituation, die zur Gründung von testXchange in Berlin führte. 2016 ging die Plattform schließlich an den Start. Sie kategorisiert Prüflabore nach Normen und technischen Kompetenzen.

Um an die Ergebnisse zu kommen, müssen sich Anwender im Gegensatz zu öffentlichen Suchmaschinen zunächst mit Name, Firma und E-Mail-Adresse anmelden. Dann haben sie laut testXchange Zugriff auf rund 10 000 Prüflabore aus ganz Europa – darunter quasi alle deutschen Labore. Das junge Unternehmen finanziert sich über Provisionen, die es von den Prüflaboren erhält. Für Nutzer ist der Dienst kostenfrei.