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Samstag, 16. Februar 2019

Software

Fit machen für die Zeit nach Windows

Von Jens D. Billerbeck | 12. April 2018 | Ausgabe 15

Microsoft-Chef Satya Nadella verordnet eine Neuausrichtung. Künftig ruht das Unternehmen auf zwei Säulen.

BU Microsoft
Foto: Ramesh Pathania/Mint/Getty Images

Der große Veränderer: Unter Satya Nadella hat sich Microsoft seit 2014 schon deutlich verändert. Jetzt wird der Konzern komplett umgebaut.

Am Gründonnerstag erhielten alle Mitarbeiter von Microsoft eine E-Mail ihres Chefs Satya Nadella, die recht harmlos begann. Doch sie beinhaltet nicht weniger als einen umfangreichen Umbau des Softwareriesen, der fast 30 Jahre im Wesentlichen mit einem Produkt identifiziert wurde: dem Betriebssystem Windows. Doch dieses wird in Zukunft keine so prominente Rolle mehr spielen. Die einst wichtigste Abteilung im Haus, die Windows and Devices Group, wird aufgelöst, deren langjähriger Chef Terry Myerson verlässt Microsoft.

Im Zentrum des Softwareriesen stehen künftig zwei Abteilungen: Der Bereich „Devices and Experience“ unter Leitung von Rajesh Jha wird sich um die Hardwareprodukte kümmern und unter John Belfiore um die „Windows-Experiences“. Der zweite Bereich, „Cloud and Artificial Intelligence“, fasst die Cloud-Plattform Azure, die verschiedenen Cloud-Services sowie die zahlreichen Aktivitäten im Bereich KI (Künstliche Intelligenz) zusammen. Das Windows-Entwicklerteam wird in der Azure-Abteilung aufgehen. Dort soll Windows laut Nadellas E-Mail weiterhin Kernstück für eine künftig zu bildende einheitliche Computerinfrastruktur sein, die sich von der Cloud bis hin zu den Edge-Devices zieht. Letztere sind kleine, intelligente Geräte im Internet der Dinge, die große Datenmengen für den Transport in die Cloud vorbereiten.

Und es wird ein drittes Team geben, das sich um technologische Weiterentwicklungen der KI und um Forschung allgemein kümmern wird. Laut Nadella soll es jene Technologien liefern, die in den produktorientierten Bereichen gebraucht werden.

Der jetzt angekündigte Konzernumbau ist der bisher letzte Schritt einer ganzen Reihe von Veränderungen, die der im indischen Hyderabad gebürtige Nadella seit seinem Amtsantritt als CEO im Jahr 2014 einleitete. Die verschiedenen Kurswechsel zeigten bereits Erfolg: Die Erlöse von Microsofts Cloud-Plattform Azure hatten sich im Schlussquartal 2017 im Jahresvergleich fast verdoppelt und das Geschäft mit der Cloud-basierten Bürosoftware Office 365 wuchs um gut 40 %. Konkrete Umsatzzahlen für die Bereiche nannte Microsoft bisher allerdings nicht. Die PC-Sparte, die neben der Computer- und Spielehardware auch Windows einschloss, legte um 2 % auf gut 12 Mrd. $ Umsatz zu – bei einem Gesamtumsatz im Quartal von fast 29 Mrd. $.

Nur wenige Tage nach Nadellas Mail formulierte Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Blogeintrag neue Grundsätze für den Umgang mit geistigem Eigentum in der IT-Entwicklung. So soll im Rahmen der Microsoft-Initiative „Shared Innovation“ das geistige Eigentum an digitalen Produkten und Dienstleistungen, die Kunden in Partnerschaft mit Microsoft entwickeln, komplett beim Kunden bleiben. Die Initiative umfasst sieben Prinzipien, die bisherige Unklarheiten im geistigen Eigentumsrecht ausräumen sollen. Für branchenspezifische Lösungen arbeiten Unternehmen diverser Branchen schon heute eng mit Microsoft zusammen: beispielsweise bei der Entwicklung eigener digitaler Innovationen auf Basis von Microsoft-Produkten.

Mit der Shared-Innovation-Initiative will das Unternehmen den Nutzern seiner Produkte die Rechte an ihren Schlüsselpatenten zusichern und einen „zeitgemäßen Rahmen für technologischen Fortschritt durch vertrauensvolle Partnerschaft“ bieten – übrigens ausdrücklich unter Einschluss von Projekten nach Regeln der Open-Source-Lizenz und der Freiheit, die gemeinsam entwickelten Applikationen auf andere Plattformen zu portieren.