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Donnerstag, 21. März 2019

Versicherung

Frachtschäden auf der Spur

Von Michael Matzer | 21. Februar 2019 | Ausgabe 08

In der globalen Transportlogistik können jederzeit Verluste und Schäden entstehen. Indikatoren und Datenlogger erfassen solche Schadensereignisse und geben wichtige Hinweise in der Haftungsfrage.

Datenlogger BU
Foto: panthermedia.net/DesignPicsInc

Seegang, Temperaturen und Nässe können dem Inhalt von Frachtcontainern mitunter übel zusetzen.

Ein Großteil des Welthandels verläuft über die Seewege. Der Container hat sich dabei zum universellen Frachtbehälter entwickelt. Zwar überwachen Reeder und Spediteure ihre Schiffe per GPS, doch erst Indikatoren und Informationen aus Datenloggern erlauben Einblicke in den Zustand der Ladung und helfen im Schadensfall bei der Ermittlung von haftbaren Schadensverursachern.

Frachtgut ist auf allen Transportmitteln unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt, von der dreidimensionalen Beschleunigung über Temperatur, Luftdruck, Helligkeit und Feuchtigkeit bis hin zu Vibrationen und zum Kippwinkel, den manches Frachtgut nicht überschreiten darf. Mithilfe von Indikatoren, die an den Frachtbehältern und an der Ladung innerhalb der Behälter angebracht werden sollten, lassen sich Überschreitungen bestimmter Grenzwerte sichtbar machen.

Je nach Frachtgut und dessen spezifischen Grenzwerten gibt es unterschiedliche Indikatoren. Wenn etwa das kleine Röhrchen an einem Sturzindikator wegen einer Belastung von 5g (Sturz, Beschleunigung) zerbricht und sich rot verfärbt, weiß der Empfänger ebenso wie der Transporteur, dass an der Fracht ein Schaden aufgetreten sein könnte. Anbieter wie Transport Control (TCI) bieten für fast jede Belastungsstärke Indikatoren an.

Da die Aufkleber oder auch Kugelindikatoren relativ preiswert sind – der Preis liegt im ein- bis zweistelligen Eurobereich –, finden sie schnell Verbreitung. „Mitunter gehen jedoch Indikatoren verloren“, weiß Nico Nöldner, Sachverständiger beim Havariekommissariat Battermann und Tillery in Bremen. Er weiß jedoch auch: „Mitunter wird ein Indikator einfach abgerissen, um die Haftbarkeit abzuwenden.“ Nöldner rät dazu, einen Datenlogger im Packstück selbst innerhalb des Containers zu positionieren, um im Schadensfall dem Verursacher dennoch auf die Spur zu kommen.

Ein Indikator hat jedoch nicht nur Vorteile: Er liefert weder Anhaltspunkte darüber, wann genau das Schadensereignis eintrat, noch darüber, ob es mögliche weitere kritische oder gar schadensrelevante Ereignisse im Transportverlauf gab. Das leistet hingegen ein elektronischer Datenlogger. Im Falle des Parameters „Beschleunigung“ spricht man von einem „Schockrekorder“. Diese kleinen Geräte, die über eine langlebige Batterie verfügen, zeichnen mit hoher Frequenz alle relevanten Ereignisse auf, für die sie vorab konfiguriert wurden. Ob das aufgezeichnete Schockereignis 20 ms oder 100 ms andauerte, kann einen erheblichen Unterschied bedeuten und muss folglich berücksichtigt werden.

Einfache Datenlogger kosten ab etwa 70 € aufwärts. Die Daten werden i.d.R. per Smartphone ausgelesen. Hochwertigere und bis zu 5000 € teure Geräte können mehrfach benutzt werden, besitzen GPS, ein Alugehäuse, sind wasserdicht und passwortgeschützt sowie mit Start-&-Stopp-Indikator versehen. Allerdings schlägt eine Kalibrierung mit 750 € und ein Geräteservice mit weiteren 750 € zu Buche.

Doch die Investition kann sich lohnen: Werden die Daten nach der Reise analysiert und mit den Transportpapieren abgeglichen, lassen sich schadensverursachende Ereignisse nach Zeit, Ort und Streckenabschnitt ermitteln und die Beteiligten zur Klärung einbeziehen.

„Es entstehen im globalen Warenverkehr so viele Schäden durch grobe Handhabung, dass eine digitale Transportüberwachung beispielsweise beim Export empfindlicher Maschinen und Anlagen zur Grundausstattung gehört und nicht dem Zufall überlassen werden kann“, meint Martina Wöhr, Geschäftsführerin des Sensorherstellers Aspion. „Bereits beim ersten Schaden hat sich die Investition amortisiert, und unliebsame Diskussionen werden vermieden“, berichtet sie über die Erfahrungen ihrer Kunden.