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Donnerstag, 21. Februar 2019

Lebensmitteltechnologie

Frisch auf den Tisch

Von Simone Fasse | 24. Mai 2018 | Ausgabe 21

Mobile Foodscanner können helfen, die Verschwendung von Lebensmitteln erheblich einzudämmen.

BU Foodscanner
Foto: Hauke Seyfarth

Einfache Anwendung: Auf Basis von Nahinfrarotspektroskopie wird etwa der Zuckergehalt einer Tomate gemessen und der Wert in der App dargestellt.

Pro Jahr sind es insgesamt 168 000 kg Lebensmittel, die in München verschwendet werden“, sagt Günes Seyfahrth. Sie engagiert sich ehrenamtlich beim Verein Foodsharing München und rettet jeden Tag übrig gebliebene, aber verzehrfähige Lebensmittel im gesamten Stadtgebiet – mal aus dem Supermarkt, mal nach einer Veranstaltung oder auch am bekannten Viktualienmarkt.

Mehr als 500 Abholer bewahren allein in der bayerischen Metropole wertvolles Essen und verteilen es weiter, fast 35 000 Foodsaver sind es bundesweit. In Bayern liege das Vermeidungspotenzial für Lebensmittelverluste bei etwa 1,3 Mio. t/a, erläuterte Rainer Prischenk, Leiter des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn), vergangene Woche in München.

Zahlen wie diese sind es, die das KErn und andere Partner im Rahmen des Aktionsbündnisses „Wir retten Lebensmittel“ dazu gebracht hat, eine schnelle und zerstörungsfreie Messmethode zu entwickeln, um die Qualität und die verbleibende Haltbarkeit bei entsprechender Lagerung ermitteln zu können – und zwar sogar durch die Verpackung aus Plastikfolie oder Glas hindurch. Denn ca. 60 % der Verluste, so Prischenk, fallen am Ende der Wertschöpfungskette an, also im Handel und beim Verbraucher. Aber auch entlang der restlichen Supply Chain könnten innovative Messmethoden helfen, weniger Verluste zu hinterlassen.

Wie eine Messung im Supermarkt oder in der heimischen Küche aussehen könnte, demonstrierten die Projektpartner vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, von der TH Deggendorf, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung am Beispiel eines Foodscanners.

Der Prototyp, dessen Entwicklung das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert hat, ermittelt auf Basis von Nahinfrarotspektroskopie (NIR) den Zuckergehalt, das Verhältnis von Zucker und Säure, aber auch die Festigkeit. Die Ergebnisse werden über die Cloud mit bereits vorhandenen Daten abgeglichen und in einer App dargestellt.

„Die NIR-Spektroskopie ist nahezu ideal zur Lebensmittelanalyse“, meint Robin Gruna vom Fraunhofer IOSB. Die Herausforderung aber liege in der Referenzanalyse, die aufwendig sei. Heike Mempel von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sieht Vorteile in der zerstörungsfreien Messung, die keine Probenaufbereitung erfordere und im Idealfall schnell und mobil sowie smart und vernetzt ablaufe.

„Die Messung vor Ort wird kommen“, ist der promovierte Lebensmittelchemiker Yannis Weesepoel überzeugt, der im niederländischen Rikilt-Institut Foodscanner der nächsten Generation erforscht. Mehrere Verfahren würden derzeit geprüft. Mobilgeräte oder Apps, die sichere Ergebnisse liefern, erwartet er aber erst 2020.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Innovative Messmethoden könnten gar Verluste verursachen, warnte Mempel – nämlich dann, wenn Verbraucher noch genauer selektierten als zuvor und Lebensmittel verschmähten, die sie sonst gekauft hätten. Der Fokus, so Mempel, sollte deshalb auf der Optimierung des gesamten Warenflusses liegen.