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Samstag, 20. Januar 2018

IAA 2017

Funken für Menschenleben

Von Regine Bönsch | 21. September 2017 | Ausgabe 38

WLAN oder Mobilfunktechnik? Das ist eine entscheidende Frage, wenn es um die Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur geht.

BU 5GAA
Foto: Panthermedia.net/Karsten Neglia

Vernetzung von einem Auto zum nächsten, aber auch von Ampeln zu Fahrzeugen soll helfen, Verkehrstote zu vermeiden.

Mobilfunktechnik ist der Schlüssel, um intelligente Mobilität auf die Straße zu bringen. Davon ist der Industrieverband 5GAA überzeugt. Doch die Überzeugung allein bringt noch kein Frequenzspektrum. Das musste auch die starke Allianz, in der branchenübergreifend 50 Automobil-, Chip- und Telekommunikationsunternehmen organisiert sind, erkennen.

Fest steht: Für Automobile untereinander ebenso wie in Kommunikation mit der Infrastruktur funkt es sich am besten im lizenzfreien Bereich rund um 5,9 GHz. „Dieses ‚Lebensblut‘ der drahtlosen Fahrzeugkommunikation kann effizient mit der fünften Mobilfunkgeneration für technologische Evolution, Verkehrssicherheit und mehr eingesetzt werden“, erklärte Dino Flore, General Director der 5GAA und zugleich Qualcomm-Mobilfunkexperte, auf der diesjährigen IAA.

Glaubt man Flore und seinen Kollegen, dann geht es um nichts weniger als Menschenleben. Vernetzung von einem Auto zum nächsten, aber auch von Ampeln u. a. zu Fahrzeugen soll Verkehrstote vermeiden helfen.

Klar gehe es um eine Reduktion von Umweltbelastungen, um Verkehrsflüsse in Städten, aber zugleich auch um eine ganzheitliche Optimierung des Fahrens, betonte Flore. „Wir suchen jetzt die Technik, die selbstfahrende Fahrzeuge zur Realität werden lässt“, so formulierte es Thierry Klein, stellvertretender Vorsitzender der 5GAA und Innovationsmanager bei Nokia. Und natürlich sind beide der Ansicht, dass die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) die beste Technik dafür ist – „vor allem langfristig“

Pech nur, dass Mobilfunk nicht die einzige Lösung ist, um beispielsweise Automobile mit Infrastruktur – also Ampeln oder Straßenschildern – sprechen zu lassen. Vor rund zehn Jahren wurde ein WLAN-Standard entwickelt, der auch diese Funktion erfüllt und im Frequenzspektrum rund um 5,9 GHz funkt. Sein Name ist IEEE 802.11p oder irritierenderweise ITS-G5.

Die WLAN-Technik hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber 5G: Sie ist zwar schon ein älteres Schätzchen, aber dafür etabliert. Die Technik steht fest, Standards sind gesetzt. Volkswagen habe bereits angekündigt, WLAN-Techniken ab 2019 einzuführen, erklärte Thierry.

Ganz anders dagegen 5G. Hier ist die Standardisierung noch in den Kinderschuhen. Erst im nächsten und im übernächsten Jahr dürften wesentliche Teile der 5G-Technik festgezurrt werden. Dennoch, schon heute steht fest: Die Mobilfunktechnik kann beispielsweise das Frequenzspektrum effizienter ausnutzen. Außerdem steht 5G immer wieder für geringe Latenzzeiten – also Datenübertragung in beinahe Echtzeit.

Was soll nun Automobile miteinander verbinden? Das scheint sich auch die EU-Kommission zu fragen. Grund genug für die 5GAA, sich in der vorletzten Woche direkt an Brüssel zu wenden und deutlich zu werden. Der Industrieverband warnt vor einer „vorzeitigen und umständlichen legislativen Entscheidung“ für eine der beiden Techniken.

Und er fordert die Europäische Kommission auf, den Stakeholdern – also den Protagonisten beider Techniken – die Möglichkeit zu geben, gemeinsam an einer Vereinbarung über die Technologie zu arbeiten.

„Das entscheidet über die Zukunft von vernetzten und autonomen Fahrzeugen“, mahnt Thierry und ergänzt etwas pathetisch: Es gehe um künftige Sicherheit auf der Straße, es gehe um Menschenleben. Auf die Reaktion der EU-Kommission, die immer wieder gerne alles geregelt haben will, darf man gespannt sein.

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