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Samstag, 17. Februar 2018

Gründer

Geld kommt vermehrt von Etablierten

Von Christoph Böckmann | 5. Oktober 2017 | Ausgabe 40

Immer weniger Start-ups müssen sich allein aus Eigenmitteln finanzieren.

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Foto: panthermedia.net/Rawpixel

Jedes zweite deutsche Start-up arbeitet mit mindestens einem etablierten Unternehmen zusammen. Von diesen Firmen kommt häufig auch Risikokapital.

Start-ups werden bei der Finanzierung immer innovativer. 5 % der jungen Unternehmer nutzen mittlerweile Kapitalquellen wie Crowdfunding und Kreditplattformen. Die wichtigste Finanzierungsquelle bleiben allerdings mit 84 % die Eigenmittel. Wer also seine Idee zum Fliegen bringen will, der greift meist auch in die eigene Tasche oder pumpt sich Geld von Freunden. Aber auch Bankkredite (61 %) und öffentliche Fördermittel (25 %) spülen Geld in die Kassen der Gründer. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung PwC in einer Umfrage unter 450 deutschen Start-ups herausgefunden.

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Die Kapitalgeber sind zurzeit spendabel. Ausschließlich aus Eigenmitteln müssen sich dieses Jahr nur 19 % der befragten Start-ups finanzieren. 2016 waren es noch 27 %. Es zeigt sich: „Eine gute Geschäftsidee hat bessere Chancen auf eine Finanzierung“, schlussfolgern die Studienautoren der PwC.

Von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind die meisten (65 %) der Befragten. Rund die Hälfte gab allerdings an, dass die Überzeugungsarbeit sehr oder eher schwierig gewesen sei – vor allem deshalb, weil das Geschäftsmodell nicht richtig vermittelt werden konnte oder weil die Unternehmensplanung zu kurzfristig war.

Die zu überzeugenden Geldgeber sind längst nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen: Das Risikokapital stammt in vielen Fällen gar nicht von Venture-Capital-Fonds, sondern von anderen Unternehmen. Der Umfrage zufolge arbeitet bereits jedes zweite deutsche Start-up mit mindestens einem etablierten Unternehmen zusammen. 16 % unterhalten Arbeitsverbindungen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, 13 % mit anderen Start-ups aus dem gleichen Geschäftsbereich. Leicht gestiegen ist die Zahl der Kooperationen mit Beratungsgesellschaften (13 %, nach 9 % im Vorjahr), strategischen Investoren (11 % statt 8 %) sowie der öffentlichen Hand (6 % statt 4 %).

„Ich kann Gründern nur empfehlen, Kooperationen einzugehen. Die Zusammenarbeit vor allem mit etablierten Unternehmen ermöglicht es Start-ups, sich auf ihr Kerngeschäft, ihre Kunden und ihre Produkt- oder Geschäftsidee zu konzentrieren und für andere Aufgaben auf bereits bestehende Infrastrukturen zuzugreifen“, meint Philipp Medrow, Leiter der PwC-Start-up-Initiative NextLevel.

Nur 28 % der befragten Start-ups verzichten komplett auf Kooperationen. Rund 90 % lassen sich bei Themen wie Steuern, Gründung, Finanzierung oder Rechtsberatung extern beraten.

Insgesamt sind die befragten Start-ups „sehr zufrieden“ mit dem Gründungsklima an ihrem jeweiligen Standort. 68 % beurteilten die Rahmenbedingungen als „eher gut“, 18 % bezeichneten sie sogar als „sehr gut“.

Doch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die meisten Befragten (29 %) sehen das größte volkswirtschaftliche Risiko für ihr eigenes Geschäftsmodell im Fachkräftemangel. Auf Platz zwei liegt die europäische Schuldenkrise (26 %), Platz drei belegt mit 22 % der Aspekt „Strengere Vorgaben beim Datenschutz“. Auch Cyberattacken spielen eine Rolle: Rund jedes siebte Start-up war in den letzten drei Jahren schon mindestens einmal Opfer eines solchen Angriffs.

Außerdem schätzt beinahe die Hälfte der Befragten das Risiko als hoch ein, zukünftig selbst Opfer eines Cyberangriffs zu werden. Dazu passt, dass viele Befragten Geld für ihre eigene IT-Sicherheit in die Hand nehmen möchten: Den Spitzenplatz mit 37 % haben Schulungen zur Informationssicherheit und entsprechende Investitionen in den nächsten 12 Monaten. 34 % haben die Verantwortung für das Thema auf der höchsten Führungsebene etabliert.

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