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Sonntag, 24. Februar 2019

Kooperation

Gemeinsam ins Internet der Dinge

Von Ariane Rüdiger | 22. Februar 2018 | Ausgabe 08

Der Spezialist für IT-Infrastruktur HPE und der Schweizer Elektrogigant ABB werden den Markt gemeinsam angehen. Ein Verwaltungstool für Multi-Cloud-Umgebungen integriert auch IT-Systeme anderer Hersteller.

HPE IoT BU
Foto: ABB

An der Quelle: Roboter und andere Komponenten einer modernen Fabrik liefern die Daten für das Internet der Dinge.

Internet der Dinge (IoT) bedeutet, die Ausstattung aller möglichen Endgeräte mit zumindest rudimentären digitalen Speicher-, Verarbeitungs- und Kommunikationsfunktionen. Für die Industrie bedeutet das eine weitgehende Vernetzung in Produktionsumgebungen und betriebsübergreifenden Fertigungs- und Logistikketten. Eine eigene klare IoT-Strategie zu haben, ist deshalb für jedes IT- und für große Elektrounternehmen essenziell. Hier waren HPE und ABB bisher nicht gerade Vorreiter. Ende vergangenen Jahres schlossen beide eine strategische Kooperationsvereinbarung ab. ABB-CEO Ulrich Spiesshofer kam dafür eigens zum Shakehands mit der damaligen HPE-Chefin Meg Whitman nach Madrid zur Europakonferenz des IT-Herstellers, auf der die Vereinbarung verkündet wurde.

Im Detail sieht die Kooperation so aus: ABBs wesentlicher Beitrag sind seine nach eigenen Angaben rund 70 Mio. Steuerungen und andere Komponenten, die in etwa 70 000 Anlagen im industriellen Umfeld eingebaut sind. Dazu kommt die IoT-Plattform ABB Ability sowie das intensive Know-how der diversen Industriebranchen und -kunden.

HPE steuert das IT-Wissen bei, das ABB benötigt, um IoT-Umgebungen insgesamt aufzubauen und am Laufen zu halten. Derzeit sind das vor allem drei Komponenten: erstens UIP (Universal IoT Platform), die Zugangs- und Vernetzungsebene der Endgeräte inklusive der sogenannten Edge-Computer, der endgerätenahen Datensammler und -verarbeiter. Zweitens ein vor einigen Monaten präsentiertes, zusammen mit Rittal gebautes Mikrorechenzentrum, das ABB nun als Secure Edge Data Center selbst mit anbietet, sowie drittens Integrations- und Beratungsleistungen von HPE Pointnext, dem Servicezweig von HPE mit 25 000 Mitarbeitern.

Zum Kunden will man gemeinsam gehen, mit Drittanbietern wenn nötig kooperieren. Weitere strategische Kooperationen dieses Ausmaßes seien aber, so betonten beide Unternehmen, ausgeschlossen. Joint Ventures für Spezialthemen halten ABB und HPE aber durchaus für möglich. Mit dieser engen Bindung an HPE geht ABB einen anderen Weg als Wettbewerber wie GE und Siemens mit ihren jeweiligen Plattformen Predix bzw. Mindsphere, die entsprechenden Festlegungen ausweichen und eher die Leistungsfähigkeit ihrer Plattformen betonen.

Wahrscheinlich wird auch HPEs ebenfalls in Madrid präsentiertes Multi-Cloud-Managementsystem OneSphere später in diesen IoT-Umgebungen eine Rolle spielen. Solche Systeme verteilen Arbeitspakete und Anwendungen auf die verschiedenen Anteile einer hybriden Cloud, und zwar so, dass die Kosten und die Leistung optimiert werden. Mit OneSphere ist HPE zumindest auf dem Papier durchaus einen Schritt voraus. Denn anders als viele Konkurrenten verwaltet die Lösung schon jetzt Systeme anderer IT-Hersteller. Nur die Edge-Rechner, die Infrastruktur nahe der IoT-Endgeräte, ist derzeit noch nicht in die Lösung eingebunden.

In diesem Punkt sind andere weiter. Beispielsweise konnte Nutanix auf seiner Europakonferenz Ende letzten Jahres schon Edge-Funktionen seines Multi-Cloud-Managementsystems Calm zeigen. Allerdings kann Calm heute lediglich Applikationen in eine Cloud verschieben, sie aber nicht nahtlos von einer in eine andere Cloud verlagern.

Mit OneSphere wildert HPE auch im Revier seiner großen Beratungspartner wie Accenture, Cap Gemini und Atos. Die hatten in den vergangenen Jahren mangels anderer Angebote selbst hoch professionelle Multi-Cloud-Verwaltungssysteme entwickelt, die sie Kunden im Rahmen ihrer Outsourcing-Verträge anboten. Dieses Geschäft ist nun gefährdet.

HPE scheint mit der Ankündigung von OneSphere und der ABB-Kooperation seinen jahrelangen Umstrukturierungsprozess für weitgehend abgeschlossen zu halten. Meg Whitman in Madrid: „Wir werden uns in Zukunft auf drei Gebiete konzentrieren: die hybride IT so einfach wie möglich zu machen, ein intelligentes Edge und die dazu gehörigen Services.“ Die konsequente Saniererin Whitman wechselte Anfang Februar in den Aufsichtsrat von HPE und übergab die CEO-Rolle an Antonio Neri. Dieser arbeitet bereits seit 22 Jahren für HP bzw. HPE.  jdb