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Freitag, 22. Februar 2019

Kommentar

Gewichtige Gründe

Von Martin Ciupek | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Kritiker und Befürworter der Elektromobilität streiten sich über deren Nutzen für die Umwelt. Meist gehen sie dabei von elektrifizierten Automobilen aus.

Martin Ciupek, Ressortleiter, erwartet neue Konzepte für die Elektromobilität.

Das ist ein Fehler. Denn längst zeichnet sich ab, dass es einen viel größeren Markt für Elektromobilität gibt, der mit dem klassischen Personenkraftwagen nichts mehr zu tun hat. Und das hat gewichtige Gründe.

Batterien sind schwer. Und selbst wenn deren Entwicklung Fortschritte macht, werden sie kaum dazu beitragen, die auf Komfort optimierten Karossen wesentlich leichter zu machen. Das gilt zwar auch für pedalelektrische Fahrräder – also Pedelecs. Doch hier sorgen batteriebetriebene Elektromotoren noch für einen deutlichen Komfortgewinn.

Zum Vergleich: Eine 80 kg schwere Person kann mit einem etwa 25 kg schweren Pedelec effizient Strecken von 10 km bis 15 km zurücklegen. Ein gleich schwerer Fahrer eines Tesla Model-S bewegt dagegen etwa 2000 kg Fahrzeug mit. Hier wird der Unsinn des Individualverkehrs mit elektrischen Automobilen deutlich. Der Tesla wiegt in der Beispielrechnung das 25zig-fache seines Fahrers, ein Pedelec nicht einmal ein Drittel.

Es sprechen aber noch weitere Gründe für Elektrofahrräder und andere leichte Elektrofahrzeuge. Pedelec dürfen auf Wegen fahren, die von Automobilen nicht genutzt werden dürfen. Darüber hinaus werden jetzt auch Fahrrad- und Fahrzeugkonzepte interessant, die rein pedalbetrieben nur etwas für Enthusiasten und Sportler waren – nämlich Lasten- und Transporträder wie auch Rikschas.

Die Potenziale sind groß, auch für Konzepte die mit klassischen Fahrrädern nichts mehr zu tun haben. Das können drei- bis vierrädrige Fahrzeuge mit Vollverkleidung sein. Diese werden bis heute eher in Manufakturen mit viel Handarbeit und zu entsprechend hohen Kosten hergestellt. Viele Automobilzulieferer und auch manche Automobilhersteller haben das erkannt. Sie entwickeln inzwischen eigene Lösungen für die leichte Elektromobilität.

 Ja, wir brauchen Elektromobilität und auch Batteriekompetenz in Deutschland. Aber: Wir sollten dabei nicht nur die Pkw im Auge haben.