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Samstag, 20. Januar 2018

Konjunktur

Globaler Metallbedarf steigt rasant

Von Rolf Müller-Wondorf | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Während des diesjährigen globalen Gipfeltreffen der Metallindustrie an der London Metal Exchange wurde deutlich: Die Elektromobilität lässt die Nachfrage nach bestimmten Metallen in ungeahnte Höhen schnellen.

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Foto: Reuters/Regis Duvignau

Nachfragehoch: Vor allem die Hersteller von Batterien sind für die rasant steigende Nachfrage nach bestimmten Metallen verantwortlich.

Spätestens mit der diesjährigen Jahrestreffen an der London Metal Exchange (LME), der weltweit größten Metallbörse, wurde in der Branche eine Kehrtwende eingeläutet. Ausgelöst durch die immer bedeutender werdende Elektromobilität hat der Run auf bestimmte Metalle eingesetzt. Zwar bietet die LME bereits seit langem Kontrakte für die dafür benötigten Metalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel und Kobalt. Jetzt jedoch arbeitet sie gemeinsam mit Batterieherstellern und Produzenten von Elektro- und Hybridfahrzeugen auch an neuen Kontrakten für Lithium und Kobaltsulfat.

Wer nun glaubt, dass dadurch die Bleinachfrage zurückgeht, irrt. Mindestens bis 2019 bleiben die Bedarfsaussichten für das Schwermetall sehr positiv. Laut Ryan Cochrane, Leiter Blei, Zink und Edelmetalle bei den führenden Londoner Metall-Consultants CRU, ist anstelle des riesigen Überschusses von 2015 inzwischen ein nahezu ebenso grosses Bleidefizit getreten, das angesichts des nach wie vor weiter steigenden Bleibedarfs der Batteriehersteller so schnell nicht zu füllen sei. Denn vorerst bleibe Blei noch das dominante Batteriemetall. Doch könnte vor allem Nickel künftig nach Ansicht von Guy Wolf, Leiter Marktanalyse bei Marex Spectron, schon bald eine größere Rolle bei Batterien spielen. Die seit 2015 herrschende Flaute am Nickelmarkt sei vorbei und das Metall stehe am Anfang eines „bullenfesten” Marktes.

Um welche Art von Batterien es künftig auch immer geht, klar ist, dass der Bedarf durch die Elektrifizierung des Verkehrs erheblich steigt. Wood Mackenzie, die Consultants für Energie und Rohstoffe, schätzen, dass der Nickelbedarf der Batterieproduzenten von rund 40 000 t im Jahr 2016 auf 220 000 t bis 2025 steigt. Der bisherige Weltmarkt für Nickel beträgt insgesamt nur 2,1 Mio. t per anno.

Der junge neue CEO der LME, Matthew Chamberlain, freut sich über die durchweg positive Stimmung: „Es ist gut für die Metallgemeinschaft, eine wirklich aufregende Wachstumsstory zu erleben”, betont er. Dies ist zum großen Teil auch sein Verdienst. Seine deutliche Kürzung der Gebühren nahm vielen Kritikern den Wind aus den Segeln und seine Entwicklung einer Zukunftsvision für die nun schon 140 Jahre alte LME trifft auf Zustimmung. Dass er sie nicht im stillen Kämmerlein ausheckte und dann versuchte, sie von oben herab zu diktieren, sondern sie mit Börsenmitgliedern, Kunden und Tradern gemeinsam entwickelt, könnte der Kern seines Erfolgs sein. Chamberlain, mit nur 35 Jahren der weltweit jüngste Vorstandschef einer großen Börse, kann diesen Erfolg nicht nur an der Aufbruchstimmung ablesen, sondern auch an dem öffentlich verteilten Lob von Charles Li, als Vorstandschef der Hong Kong Exchange & Clearing-Gruppe (HKEx) eigentlich der Hausherr in London. Li hatte die LME vor fünf Jahren für 1,3 Mrd. Pfund gekauft und dann nach einer Stillhaltefrist die Gebühren so kräftig erhöhen lassen, dass Geschäft abwanderte und einige gar mit der Gründung einer Konkurrenzbörse geliebäugelt hatten. Mit der Berufung von Chamberlain hat Li das Problem offenbar gelöst.

Die kommenden neuen Produkte an der LME, wie etwa Kontrakte für Kobaltsulfat und Lithium, setzen allerdings bis zu ihrer Einführung noch einiges an Vorarbeiten voraus, wie in London klar zum Ausdruck kam. Die kommenden Benchmarkpreise müssen von der zuständigen International Organization of Securities Commission (IOSCO) abgesegnet werden. Rein technisch kommt als Problem hinzu, dass Lithium hochgradig feuergefährdet ist. Es kann also nicht einfach bei den bei der LME akkreditierten Lagerhäusern eingelagert werden.  

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