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Freitag, 15. Dezember 2017

Geldanlage

Gold glänzt wieder

Von Christoph Böckmann | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Die Nordkoreakrise und der schwache Dollar treiben den Goldpreis in neue Höhen.

BU_Gold
Foto: panthermedia.net/Burghard Kripke

Das Säbelrasseln aus Nordkorea, die zahlreichen Terroranschläge in Europa sowie die schwächelnden Aktienkurse zeigen bei Anlegern Wirkung. Gold ist wieder gefragt. Der Kurs des Krisenmetalls stieg seit Jahresbeginn um über 15 % und steht heute bei 1346 $ je Feinunze (Stand: 8. 9. 17).

Goldene Regeln

„Anhaltend niedrige Zinsen, gestiegene Risiken geo- und wirtschaftspolitischer Natur sind ein guter Nährboden für einen steigenden Goldpreis“, weiß Adrian Roestel. Doch der Leiter Portfoliomanagement bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen aus München gibt zu bedenken: „Der aktuelle Goldpreisanstieg ist derzeit stark von der Nordkoreakrise geprägt, sodass uns in den nächsten Tagen und Wochen heftigere Schwankungen, je nach Entspannungslage im asiatischen Raum, bevorstehen dürften.“

Lothar Koch, Leiter Portfoliomanagement der GSAM + Spee Asset Management AG, bestätigt das: „Eine mögliche Entspannung in Nordkorea könnte die Dynamik des Aufwärtstrends beim Gold schwächen. Dieses würde aber sicher jeder Investor gerne in Kauf nehmen.“

Der Goldpreis profitiert jedoch nicht nur von dieser wachsenden Unruhe. Auch die nach wie vor niedrigen Zinsen machen eine Investition in das Edelmetall für Anleger attraktiver. Denn wer für sein Sparbuch 5 % Zinsen im Jahr bekommt, überlegt sich zweimal, ob er sein Erspartes in Gold steckt, bei dem er nur durch Kursanstiege sein Erspartes vermehrt.

Für Investoren außerhalb der USA macht zurzeit der schwache Dollar das Edelmetall zusätzlich rentabel. Denn Gold wird in Dollar gehandelt. So bekommen Anleger nicht nur mehr Dollar, sondern damit auch mehr Gold für ihre Euros.

Die Feinunze (31,1 g) hat kräftig an Wert gewonnen. Von den 1881 $, die sie im August 2011 kostete, ist sie aber weit entfernt.

Die Dollarschwäche wird noch geraume Zeit erhalten blieben, meinen die Vermögensverwalter von Huber, Reuss & Kollegen. Der Goldpreisanstieg wäre also gut abgesichert, selbst wenn eine zunehmende Gewöhnung an die geopolitische Gefahrenlage einträte.

Sollte der Dollar aber noch schwächer beziehungsweise der Euro noch stärker werden, verhagelt das Goldanlegern in Europa die Rendite. Denn verkaufen sie die Barren, bekommen sie dafür Dollar und für diese dann weniger Euro.

Die Frage, die Anleger jetzt natürlich umtreibt, ist: Lohnt es sich jetzt noch, in Gold einzusteigen? Doch genau das ist die Frage, bei der sich Analysten schwertun. Wo der Preis langfristig landet, können sie ohne Glaskugel nicht vorhersagen.

„Als strategisches Investment zur Diversifikation des Aktien-, Anleihen- und Immobilienvermögens lohnt Gold weiterhin“, sagt Titus C. Schlösser, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Portfolio Concept. Gerade weil es immer wieder unvorhersehbare Ereignisse gebe, sei eine strategische Goldquote, deren Höhe variieren könne, sinnvoll. Aber: „Die Spekulation auf einen kurzfristigen Preisanstieg kann schiefgehen“, warnt der Kölner.

Auch zu beachten ist: Bei physischem Gold (Barren und Münzen) zahlen Anleger eine teure An- und Verkaufsspanne, die Geld-Brief-Kurs genannt wird. „Diese beträgt gerne mal einige Prozent“, weiß Schlösser. Zudem seien Lagerungskosten bei der Bank oder das Verlustrisiko bei der Aufbewahrung zu Hause zu berücksichtigen.

Der Vorteil des physischen Goldes ist aber, dass Kursgewinne nicht versteuert werden müssen, wenn Anleger das Edelmetall wenigstens ein Jahr lang halten. Anders ist das bei Wertpapieren auf den Goldpreis.

Generell ist das Edelmetall bei den Bundesbürgern äußerst beliebt. Die Deutschen halten mehr als 6 % der weltweiten Goldvorräte. Das hat die Reise Bank in einer Umfrage erfahren. „Jeder Deutsche über 18 Jahren besitzt demnach im Schnitt 58 g Goldschmuck, 69 g Gold in Form von Barren oder Münzen sowie 636 € in goldbezogenen Wertpapieren“, erklärt das auf Edelmetalle spezialisierte Finanzinstitut.

Dabei ist der Goldbesitz der Deutschen vergangenes Jahr nochmals um rund 500 t auf nunmehr 8700 t angestiegen, während der Goldbesitz der Bundesbank (ca. 3380 t) unverändert geblieben ist. Würde man den kompletten Goldbesitz der deutschen Privathaushalte und der Bundesbank zusammen in einen Würfel packen, hätte dieser eine Kantenlänge von 8,5 m.

Übrigens: Die Deutsche Bundesbank hat gerade die Rückführung ihrer Goldreserven aus dem Ausland abgeschlossen – gut drei Jahre früher als geplant. Nach öffentlichem Druck hatte die Notenbank 2013 das Ziel ausgegeben, bis spätestens Ende 2020 mindestens die Hälfte der deutschen Goldreserven von derzeit knapp 3380 t in eigenen Tresoren im Inland aufzubewahren.

Nach Angaben der Bundesbank liegen jetzt 50,6 % des deutschen Goldschatzes in heimischen Tresoren. Die Kosten der Verlagerung bezifferte die Notenbank auf insgesamt 7,7 Mrd. €.

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