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Samstag, 16. Februar 2019

Industrie

Hochvolttechnik bringt Impulse für mobile Maschinen

Von Martin Ciupek | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Rolf Najork, seit 2016 Vorstandsvorsitzender von Bosch Rexroth in Lohr am Main, will die Gunst der Stunde nutzen und den Schwung aus dem vorigen Jahr mitnehmen: „2016 war für uns ein Jahr des Turnarounds“, sagte er im Gespräch mit den VDI nachrichten. So wurde ein Umsatz von fast 5 Mrd.

 € erreicht. Nach schwächeren Jahren sei der Auftragseingang voriges Jahr wieder um 3,7 % gestiegen und „für 2017 läuft es bisher noch besser“. Während die Geschäfte bei mobilen Anwendungen – beispielsweise Land- und Baumaschinen – sowie der Fabrikautomation wieder gut liefen, bleibe es beim Engineering im Anlagenbau schwierig, bedingt durch eine geringe Nachfrage aus der Öl- und Gasbranche.

Künftig will Najork auf die Stärke seines Unternehmens bei hochwertigen Hydraulikprodukten sowie Synergien mit der Bosch-Gruppe setzen. Zukunftsthemen sind für ihn dabei Industrie 4.0, die vorausschauende Instandhaltung sowie die autonome Robotik. Dazu hat sich Bosch Rexroth zum 1. Juli neu strukturiert, die Unternehmensbereiche Industrial Applications sowie Mobile Applications aufgelöst und deren Aufgaben in neun kleinere Geschäftseinheiten aufgeteilt.

„Bei mobilen Automatisierungslösungen wollen wir künftig auch die Erfahrungen der Automobilsparte bei Bosch stärker nutzen“, machte er deutlich. Und: „Bei der Entwicklung der ersten Generation unserer autonomen Transportvehikel, die zunächst in der Logistik in Bosch-Werken eingesetzt werden, hilft uns das Know-how aus dem Konzern“, so Najork.

Synergien sieht er auch innerhalb von Bosch Rexroth, z. B. bei der 700-V-Technik für mobile Anwendungen. „Wir adaptieren die vorhandenen elektrischen Komponenten und arbeiten als Systempartner mit den Herstellern mobiler Arbeitsmaschinen für eine vollständige Elektrifizierung der Fahrantriebe eng zusammen“, erklärte er. So sei es möglich, das gesamte Portfolio der industriellen Hochvolttechnik seines Unternehmens für kleinere Stückzahlen in der mobilen Technik zu nutzen. Interessant seien elektrisch betriebene Bagger z.B. für Baustellen in Umweltzonen. Zusammen mit einem Baumaschinenhersteller werde die unter anderem in Kunststoffspritzgussmaschinen eingesetzte 700-Volt-Technik nun in einer mobilen Maschine erprobt.

Bereichsübergreifend erwartet Najork deutliche Verbesserungen durch vernetzte Komponenten und vorausschauende Wartung. So überwache das Online-Diagnose-Netz (Odin) von Bosch Rexroth sowohl elektrische als auch hydraulische Anlagenteile, erfasse Trenddaten und ermittle den Servicebedarf.

Entscheidend sei aber, dass daraus neue Geschäftsmodelle entstünden. Najork dazu: „Zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten können sich z. B. durch neue Verleih- und Betreibermodelle für großvolumige Produkte ergeben.“ Solche Modelle seien zunehmend gefragt. Mehr und mehr Finanzdienstleister versuchten ins Leasinggeschäft für Industrieanlagen einzusteigen. „Wir sind in diesem Bereich in der Vergangenheit einige Partnerschaften eingegangen und gehören zu den Vorreitern der Branche“, machte er deutlich.

Überwunden scheinen die Anlaufschwierigkeiten mit der offenen Softwareplattform „Open Core Engineering“, die 2013 als Vorreiter der industriellen Digitalisierung den Technologiepreis Hermes Award der Hannover Messe erhielt. Najork dazu: „Mit Open Core Engineering haben wir unsere Industrie-4.0-Strategie von Anfang an auf Offenheit ausgerichtet.“ Im Maschinenbau dauere es aber Jahre, bis neue Technologien in der Serie ankämen. „Wir waren mit Open Core Engineering dem Markt einen Schritt voraus, zur Marktreife haben wir es in der intensiven Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden gebracht“, zeigte er sich überzeugt. Sein Unternehmen könne mit solchen Neuentwicklungen vorangehen, weil es den langen Atem und die breite Aufstellung habe, um solche Zeiträume zu überbrücken.