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Mittwoch, 17. Januar 2018

Fahrzeugelektronik

IT-Sicherheit auf Rädern

Von Christoph Hammerschmidt | 27. Oktober 2016 | Ausgabe 43

Informationsflüsse vom und zum Fahrzeug spielen im Auto der Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle.

BU Eliv
Foto: R. Bönsch

Datenflut: Mit der Digitalisierung stellen sich auch für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer zunehmend Fragen der IT-Sicherheit.

Mit der Digitalisierung kommen von allen Seiten neue Herausforderungen auf die automobile Wertschöpfungskette zu: Vernetzte Autos müssen gegen Hackerangriffe und Datenspionage geschützt werden, automatisierte Fahrfunktionen verlangen eine sichere Rückfallebene, die Verlagerung von Funktionen auf die Softwareebene erfordert neue Herangehensweisen zur Aktualisierung. Mehr noch, sie öffnet die Tür zu neuen Wegen für die Modellpflege und sogar für alternative Geschäftsmodelle. Die Fahrzeugentwickler müssen sich dabei keineswegs nur mit Fragen der Technik befassen: Autos, die zumindest teilweise selbsttätig Fahrentscheidungen treffen, benötigen so etwas wie ethische Richtlinien für ihr Handeln.

Alles in allem also eine sehr dynamische Themenmixtur für die Vordenker und Gestalter der Autobranche. An diesem Mix orientierte sich demnach auch das Themenspektrum der Eliv 2016, des Treffens der Elektronik- und Softwareentwickler in dieser Branche, die das VDI Wissensforum letzte Woche in Baden-Baden veranstaltete. „Ich habe noch nie so viele parallele Entwicklungssprünge gesehen wie jetzt gerade“, sagte Wolfgang Runge, Co-Vorsitzender der Konferenz und so etwas wie ein Elder Statesman der Fahrzeugelektronik.

Einen prominenten Platz nahm das Thema IT-Security ein. Das ist nicht ganz überraschend, denn ohne Sicherungsmaßnahmen funktioniert weltweit kein IT-System. Die Autoindustrie hatte sich dem Thema bislang jedoch nur sehr zögernd geöffnet, offenbar befürchtete sie negative Auswirkungen auf ihr Image. „Das Thema wurde früher abgeblockt“, sagte Runge. „Mittlerweile ist es so drängend geworden, dass man einfach darüber reden muss.“

Der Halbleiterhersteller NXP, ein wichtiger Anbieter chipgestützter Sicherheitstechnik, entwarf in Baden-Baden ein Szenario für eine sichere Elektronikarchitektur in Fahrzeugen. Per Einbindung in die Cloud-Strukturen von Fahrzeugherstellern und Dienstleistern holen sich Autos in Zukunft von außen nicht nur Daten in ihre Navigations- und Unterhaltungssysteme, sondern auch Rechenleistung.

Dabei gilt es, die Datenwege und Kommunikationsstrukturen gegen jeglichen Angriff zu stählen. Das gibt es auch in der kommerziellen Alltags-IT – bis auf die nicht ganz unwesentliche Tatsache, dass die IT Fahrzeuge bei hoher Geschwindigkeit steuert. Damit geht es nicht nur um den Schutz vor Hackerangriffen (Security), sondern auch um die funktionale Sicherheit des Fahrzeugs bei Computerfehlern (Safety).

„Wir benötigen eine Functional Security als Ergänzung der Functional Safety“, sagte Lars Reger, CTO Automotive bei dem niederländischen Chiphersteller NXP. Sein Vorschlag: Absicherung der Fahrzeugelektronik durch sichere Authentifizierung auf der Ebene der Schnittstellen und der Datenbusse, durch eine Erkennung von Eindringlingen und durch eine Härtung der bordeigenen Datenverarbeitung. Letzteres könne z. B. durch Sicherung der Bootvorgänge und der Datenintegrität mit den Mitteln der Kryptografie und der Zugangssicherung erfolgen.

Das dynamische Umfeld der Gadgets und Apps, die künftig auch im Auto laufen sollen, verlangt von der Branche eine flexiblere Haltung als bisher. „Niemand wird mehr ein Auto vom Produktionsstart bis zum Lebensende in gleicher Form produzieren“, konstatierte Rolf Zöller, Leiter der Entwicklung Car Connect und Infotainment bei Porsche.

Hier liegt noch ein weitgehend unbeackertes Feld für die Autoindustrie. Zwar ist das Instrument klar – Softwareupdates über Mobilfunk. Doch angesichts der vielen Möglichkeiten, die damit verbunden sind – von der Fehlerbeseitigung bis zum Verkauf nachträglich installierter Funktionen – muss die Branche noch einige Hausaufgaben machen. „Wir brauchen ganz neue Freigabeprozesse“, forderte Zöller daher.

Bei der Entwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen müssen die Ingenieure aber nicht nur ihr technisches Rüstzeug beherrschen. In dem Maße, wie Algorithmen den Fahrer unterstützen und ihm zunehmend Entscheidungen abnehmen, kommen auch Fragen der Ethik ins Spiel. Etwa dann, wenn ein selbstfahrendes Auto vor der Entscheidung steht, entweder einem Hindernis auszuweichen oder einen Passanten umzufahren.

Das mag keine Frage sein, die sich mit den Bordmitteln der Technik lösen ließe, beschäftigen dürfte sie die Programmierer dennoch. Und nicht nur diese – die Frage nach der Verantwortlichkeit treibt gegenwärtig sogar eine Ethikkommission des Bundestags um. Klar scheint bisher nur, dass derzeit in diesem Umfeld nichts klar ist. „Wer geht in den Knast, wenn etwas passiert – der Fahrer, der Hersteller oder das Auto?“, fragte Runge. Antworten darauf wollen die Vordenker aus Politik und Industrie erst noch finden.  rb

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