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Samstag, 20. Januar 2018

Immobilien

Immobilienmarkt im Dauerboom

Von Peter Schwarz | 27. Oktober 2016 | Ausgabe 43

Mieten und Wohnungspreise klettern immer weiter – trotz Mietpreisbremse und steigender Baugenehmigungen.

Immobilienmarkt BU
Foto: panthermedia.net/kurhan

Glückliche Eigenheimbesitzer: Wer in einer Großstadt oder ihrem Umland ein Häuschen sein eigen nennt, kann mit weiter steigenden Preisen rechnen.

Mietpreisbremse, Baugenehmigungen auf einem 16-Jahres-Hoch, immer mehr fertiggestellte Wohnungen – doch den Aufwärtstrend am deutschen Immobilienmarkt dämpft all das nicht: Im dritten Quartal erhöhten sich die Mieten nochmals, wie neue Daten des Analyseunternehmens Empirica zeigen. Es stützt sich auf 2 Mio. Immobilieninserate. So legte der Mietindex der Firma für alle Baujahre um 0,9 % im Vergleich zum Vorquartal zu, das Barometer für Neubauten kletterte um 1,2 %.

Deutsche werden immer reicher

„Es ist jedes Quartal dieselbe Prozedur“, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer von Empirica. Seit Jahren stiegen die Mieten. Bei Neubauten etwa seien sie seit 2004 im Schnitt um fast 24 % geklettert. „Ein Ende ist nicht absehbar.“

Den jüngsten Anstieg dämpfen kann offenbar auch nicht die vor gut einem Jahr eingeführte Mietpreisbremse. Sie schreibt vor, dass die Miete in Kommunen mit angespannten Wohnungsmärkten bei Neuvermietungen die „ortsübliche Vergleichsmiete“ um nicht mehr als 10 % übersteigen soll. Doch Mieter in Boom-Städten nutzen nur ganz vereinzelt ihr Klagerecht, wie jüngst eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Amtsgerichten in Großstädten ergab.

Von steigenden Mieten betroffen seien mittlerweile alle Segmente, sagt Braun. „Es fehlt an Wohnraum jeglicher Preisklasse.“ Dabei sei die Lösung einfach: Man müsse einfach mehr bauen.

Tatsächlich gibt es auf dem deutschen Wohnungsmarkt eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Zwar stiegen die Baugenehmigungen kürzlich auf ein 16-Jahres-Hoch, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Doch genehmigt ist nicht gleich gebaut. Jährlich gebe es einen Bedarf von 350 000 bis 400 000 Wohneinheiten, sagt Stefan Mitropoulos von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zwar würde mehr gebaut, doch die Marke von 300 000 fertiggestellten Einheiten werde vermutlich erst 2017 überschritten. Es bleibt also beim Mangel.

Das treibt auch die Kaufpreise für Immobilien. So ist der Index von Empirica für Eigentumswohnungen um 2,2 % im Vergleich zum Vorquartal gestiegen und jener für Ein- und Zweifamilienhäuser um 1,8 %. Die Raten für Neubauten sind auch hier höher. Für zusätzlichen Druck auf den Wohnungsmarkt sorgt die Zuwanderung von Flüchtlingen – gerade in Großstädten. Denn die meisten Neuankömmlinge zieht es in die wirtschaftlich starken Metropolen. „Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einwohner in Berlin um rund 50 000, in Hamburg um fast 25 000 und in Frankfurt um fast 15 000 gestiegen“, sagt Mitropoulos.

Den Immobilienboom befeuert zudem das billige Geld der EZB, das Kredite historisch günstig macht. Investoren finden wegen der Niedrigzinsen kaum einträgliche Renditen – umso mehr Geld stecken sie in Immobilien.

Inzwischen warnen Experten vor einer Überhitzung. „Der Immobilienboom nimmt immer mehr Züge einer Blase an“, sagt Ralph Solveen von der Commerzbank. Problematisch sei, dass die Preise sich von anderen wichtigen Faktoren abkoppelten. „Seit 2010 steigen die Preise schneller als Mieten, Verbraucherpreise und das Einkommen der privaten Haushalte.“ Am billigen Geld der EZB werde sich sobald nichts ändern. Da aber die Zinsen für Hypothekenkredite kaum noch fallen könnten, nehme bei weiter steigenden Preisen die Gefahr einer Korrektur zu.

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