Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Mittwoch, 24. Januar 2018

Gebäudetechnik

„In zehn Jahren werden wir nur noch vernetzte Geräte verkaufen“

Von Fabian Kurmann | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Die Zukunft gehöre der smarten, effizienten Heizung, sagt Carsten Voigtländer, CEO der Vaillant Group.

BU IV Voigtländer
Foto: Vaillant

Carsten Voigtländerleitet als CEO die Vaillant Group und glaubt an die Zukunftstrends der Vernetzung und Elektrifizierung des Heizungskellers.

VDI nachrichten: Die LED hat die Glühbirne größtenteils verdrängt. Wie steht es in der Heizungsbranche um die Effizienztechnologien?

Voigtländer: Wir holen mit den Brennwertgeräten fast 100 % dessen aus dem Brennstoff heraus, was man physikalisch herausholen kann. Beim Brennwertkessel wird den Abgasen noch Wärme zum Heizen entzogen. Die sind mit um die 40 °C nicht wirklich heiß. In alten Gebäuden haben sie zum Teil mehr als 100 °C. Die neuen Geräte sparen so bis zu 30 % Energie.

Carsten Voigländer

Kann man den Kamin bei einer Umstellung von einem Heizwertgerät dabei einfach behalten?

Nein, in den bestehenden Schornsteinen muss eine neue Abgasführung mit geringerem Querschnitt und aus feuchteresistentem Werkstoff wie Kunststoff oder Metall eingebracht werden. Da die Abgase bei der Brennwerttechnik kühler sind, bildet sich schneller Kondenswasser in der Abgasführung.

Und wie verbreitet sind die neuen Geräte?

Leider wird noch in 70 % des Bestands wenig effiziente Heizwerttechnik eingesetzt. Denn erfahrungsgemäß tauscht ein Bürger sein Gerät erst aus, wenn es kaputt ist. Neue Geräte werden so erst nach 20 bis 25 Jahren angeschafft, wenn der Handwerker sagt, dass beim alten Schluss sei.

Ist man in anderen Ländern in diesem Punkt weniger träge?

Nein, das ist in Europa so und auch in China. Die wenigsten Menschen denken wie Ingenieure, rechnen den Energiebedarf aus und investieren, wenn bei der Kalkulation unter dem Strich ein Gewinn übrig bleibt.

Wie viel wird denn in deutschen Heizkellern modernisiert?

Bei etwa 3 % des Bestands werden jedes Jahr die Geräte ausgetauscht, bei 1 % des Bestands wird die komplette Wohnung saniert. Wenn wir die politischen Ziele der Energiewende erreichen wollen, müssen wir aber die Sanierungsquote auf mindestens 2 % verdoppeln.

Die Forderung ist nicht ganz neu. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wirbt sogar bereits für Sanierung im Heizungskeller.

Stimmt, aber Kampagnen wie „Deutschland macht‘s effizient“ sind bisher nicht messbar, die Austauschquoten sind wie gehabt. In der Politik ist die Notwendigkeit einer Wärmewende zwar endlich angekommen, aber noch nicht beim Verbraucher. Wir setzen uns daher für eine steuerliche Absetzbarkeit von Renovierungen ein.

Sie haben dieses Jahr eine neue Produktion für Wärmepumpen eröffnet. Warum setzen Sie gerade auf dieses Segment?

Der Absatz von Wärmepumpen wächst aktuell mit etwa 20 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist für die Heizungsbranche ein sehr starkes Wachstum. Durch größere Geräte und längere Montagezeit ist hier auch die Wertschöpfung für uns gestiegen. Die Wärmepumpe ist eine Zukunftstechnologie, deshalb investieren wir dort viel in die Entwicklung. In absehbarer Zeit wird hier die Effizienz steigen und die Herstellungskosten werden sinken.

Wächst der Heizungsmarkt so stark?

Nein, die Wärmepumpe kannibalisiert Anteile von anderen Produktgruppen, so dass es zu einer Verschiebung zwischen den Technologien kommt. Das war bei Brennwert- und Heizwertgeräten ebenfalls so. Nun wächst der Anteil an Wärmepumpen.

Sollte man alle Heizkeller auf Wärmepumpen umstellen, um den CO2-Ausstoß zu senken?

In vielen Szenarien gilt es als unmöglich, kurzfristig komplett auf elektrisch angetriebene Wärmepumpen umzustellen. Das Stromnetz würde das nicht mitmachen. Eine Heizung hat bis zu 20-mal mehr Betriebsstunden als ein Elektroauto. Das steht die meiste Zeit nur herum, während eine Heizung den Winter durchläuft. Was häufig unterschätzt wird, ist, dass der Energiebedarf im Heiztechnikbereich in der Summe ähnlich hoch ist wie im Bereich Mobilität.

Vaillant hat Anfang des Jahres verkündet, die Entwicklungen für Brennstoffzellenheizungen auf Eis zu legen. Unter welchen Rahmenbedingungen würden Sie wieder in die Technik einsteigen?

Die Kosten für Endkunden sind momentan unattraktiv. Darum stecken wir unsere Entwicklungsinvestitionen lieber in den Bereich Wärmepumpe. Man hatte damals gehofft, dass Entwicklungen der Brennstoffzelle durch den Automobilbereich angeschoben werden, aber das ist nicht passiert. Daimler ist auch gerade ausgestiegen. Man setzt dort nun auch auf Elektro. Wir würden wieder einsteigen, wenn ein Hersteller oder eine neue Technologie Brennstoffzellen deutlich günstiger macht. Außerdem ist die Gastechnologie in der Regel nicht CO2-neutral.

Thema Smart Home: Wie schätzen Sie diesen Trend ein?

Der Trend ist unumkehrbar. Die Verbindung der Heizung mit der Jalousie oder dem Terminkalender wird so einfach, dass die Vernetzung meiner Einschätzung nach alle Komponenten einbeziehen wird. Nicht alle Kunden werden das gleich nutzen, aber die Hersteller werden es flächendeckend anbieten.

Das heißt, Sie verkaufen künftig nur noch vernetzte Heizungen?

In zehn Jahren werden wir nur noch vernetzte Geräte verkaufen. Zumindest in Deutschland. Auch in der Türkei sind die Menschen sehr technikinteressiert. Wie schnell sich der Trend in Russland durchsetzt, ist dagegen noch nicht absehbar.

Welche Veränderungen ergeben sich daraus für Sie als Hersteller?

Wir werden unsere 600-köpfige Entwicklungsabteilung allein bis Jahresende mit mehr als 20 neuen Elektroingenieuren für den Bereich Smart Home aufstocken. In der Produktion ändert sich nur wenig. Es wird einfach ein Chip mehr eingebaut. 30 % des Aufwands an den Geräten sind heute schon Elektrotechnik durch Steuerungs- und Sicherheitstechnik.

Auch große Internetkonzerne bieten Heimautomation an. Sehen Sie Google, Apple und Co. als Konkurrenten?

Da sie keine Geräte verkaufen, würde ich sie nicht als Wettbewerber bezeichnen. Wir sind weiterhin überzeugt, dass Kommunikationssysteme offen sein müssen, so dass Kunden unterschiedliche Lösungen kombinieren können.

Was ist mit dem Datenschutz? Sieht der Techniker dann immer, wann jemand im Urlaub ist, weil die Heizung aus bleibt?

Kein Techniker kann die Heizung einsehen und fernwarten, ohne dass der Kunde zustimmt. Zudem werden nur Maschinendaten erhoben. Als Hersteller sind wir vom VDE in der Sicherheit zertifiziert und wollen, dass sich die Kunden hier ebenso auf uns verlassen können wie auf die Qualität unserer Geräte.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung für Vaillant?

Kunden fragen häufiger komplette Systeme nach. Das heißt, es wird komplexer und die Wertschöpfung steigt. Die Digitalisierung bietet die Chance, dem Kunden zusätzliche Dienste anzubieten, wie eine Effizienzoptimierung oder ein mehrjähriges Wartungspaket zur Heizung zu einem Festbetrag. Wichtig ist, dass die Lösungen möglichst einfach sind.

Können Sie sich vorstellen, dem Kunden nur noch Wärme zu liefern, statt Heizgeräten?

Selbst bieten wir kein Wärme-Contracting an. Wir haben aber Produkte, damit große Kunden wie Energieversorger solche Lösungen verkaufen können.

Kürzlich waren bei Ihnen Politiker der Grünen und der CDU zu Gast. Wie sieht Ihre favorisierte Regierung aus und was sollte sie umsetzen?

Wir sprechen mit allen Parteien. Wichtig ist uns, dass Politiker zwar gerne Ziele setzen können, aber die Wahl der idealen Technologie bitte den Ingenieuren überlassen sollen. Die Gesetzgebung und Förderung sollte man einfach halten. Lieber wenige Veränderungen langfristig beschließen, als viele Änderungen ankündigen und nichts umsetzen. Dauernde Diskussionen über die Veränderung von Rahmenbedingungen verunsichern nur die Verbraucher.

stellenangebote

mehr