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Samstag, 20. Januar 2018

Automation

Industrie 4.0 rückt in Nähmaschinen vor

Von Martin Ciupek | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Hartmut Pütz von Mitsubishi Electric Europe will Vernetzungspotenziale besser nutzen.

VDI nachrichten: Als Sie 2016 Ihren neuen Bürokomplex in Ratingen bezogen, sollte das viele positive Impulse bringen. Wie sieht es heute aus?

Foto: M. Ciupek

Pütz: Allein dadurch, dass wir nun nicht mehr auf mehrere Gebäude verteilt sind, gibt es viel intensivere Diskussionen, die über die einzelnen Abteilungen hinausgehen. Um das zu unterstützen, haben wir Bereiche eingerichtet, in denen Kommunikation unabhängig von formalen Meetings stattfinden kann. Wir erleben aber auch, dass die Kommunikation innerhalb der Abteilungen deutlich besser geworden ist.

Hartmut Pütz

Dabei sind die Aufgaben z. B. in der Klimatechnik und der Fabrikautomation doch sehr unterschiedlich.

Wenn wir uns die Breite unseres Portfolios ansehen, dann ist das auf der Welt schon ziemlich einzigartig. Wir ziehen bisher nur leider viel zu wenig Nutzen daraus. Wir bieten ja nicht nur Lösungen aus der Fabrikautomatisierung und Klima/Lüftung an, sondern auch in der Mittel- und Niederspannungsverteilung sowie der Visualisierung.

Darüber hinaus gibt es Bereiche, die bisher in Deutschland nicht vertreten sind, die wir aber in Zukunft zusammenführen wollen. Ein Beispiel ist die Vernetzung von Kraftwerken und öffentlichen Netzen im Hochspannungsbereich. Das vermarkten wir in Deutschland bisher nicht. Für einen ganzheitlichen Ansatz ist das allerdings eine ganz wichtige Komponente im erweiterten Bereich der Energieversorgung und -verteilung.

In welchen Projekten ist so ein übergreifender Ansatz sinnvoll?

Unser Gebäude ist das beste Beispiel dafür. Wir haben hier unsere Steuerungssysteme, Klimaanlagen, Wärmepumpen, Aufzugtechnik und Handtrockner eingebaut und visualisieren alles auf unseren Scada-Systemen (Anm. d. Red.: den Leitsystemen). Das funktioniert so durchgängig, weil wir hier komplett auf unsere Technik gesetzt haben.

So gesehen ist unser Gebäude quasi ein Showcase, in dem wir unsere Möglichkeiten unter Beweis stellen können.

Wie machen Sie das mit den unterschiedlichen Bussystemen zur Kommunikation in der Gebäude- und der Fabrikautomation?

Wir haben dazu Schnittstellen entwickelt, um die Steuerungen aus der Fertigungstechnik auch an den KNX-Bus in der Haustechnik anbinden zu können.

Was hat sich im Bereich Factory Automation verändert?

Hier geht es um die Kommunikation zwischen der eigentlichen Automatisierung mit der Robotik und den Bereichen der CNC-Steuerungen sowie der Erodier- und Laserschneidmaschinen. Neu hinzugekommen ist der Bereich „Contact Image Sensors“. Das sind Zeilenscanner, mit denen die Qualität von Oberflächen erfasst wird. Da schließen wir den Regelkreis zwischen den Steuerungen und den Inspektionssystemen.

Einsatzbereiche, in denen wir das nun mit unseren Gesamtlösungen ausbauen, sind Druck- und Verpackungsmaschinen. Dort gibt es hohe Anforderungen in Bezug auf die Geschwindigkeit und die Oberflächengüte. Ebenfalls zur Factory Automation zählen unsere Industrienähmaschinen.

Wie passen Nähmaschinen in die Industrieautomation?

Die Frage habe ich mir anfangs auch gestellt. Aber damit werden für die Automobilindustrie beispielsweise Lederprodukte genäht, aber auch Sicherheitsprodukte wie Airbags und Sicherheitsgurte.

Klingt wichtig, aber nicht gerade spektakulär.

Kürzlich haben wir auf der Fachmesse Texprocess Beispiele für Industrie-4.0-Ansätze vorgestellt, die die Branche aufgerüttelt haben. Dabei geht es nicht mehr nur um Nähmaschinen, sondern deren Einbindung in vernetzte Prozesse. Klassische Nähmaschinenhersteller hatten das bisher nicht auf dem Schirm. Dabei hilft uns unser Automatisierungs-Know-how, aus einer Nähmaschine ein spannendes, modernes Produkt zu machen.

Das erweitern wir nun auf andere Geschäftsbereiche, insbesondere die Klima- und Lüftungstechnik. Je mehr wir uns damit in Richtung Gebäudetechnik bewegen, desto besser wird auch die Kommunikation zu diesem Bereich. Darüber hinaus haben wir im Bereich der Visualisierungstechnik die Display Walls, bei denen wir große Bildschirmflächen aus einzelnen Elementen zusammensetzen können. Das nutzen wir über unser Portfolio hinweg, besonders für die Prozessautomatisierung und entsprechende Leitstände.

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