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Samstag, 16. Februar 2019

Informationstechnik

Industrie verlangt nach flexibler Standardsoftware

Von Michael Matzer | 31. Mai 2018 | Ausgabe 22

Individuell anpassbare Business-Software unterstützt innovative Serviceangebote und ist die Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle.

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Foto: IFS

Nutzerfreundlich: Informationen aus betrieblichen Prozessen stellt IFS Applications 10 auf jedem mobilen Endgerät zur Verfügung.

Weltweit sind Industrieunternehmen nicht mehr bereit, ihre Prozesse an die jeweilige Standard- oder Vertriebssoftware anzupassen oder sich gar auf ein einziges Betriebsmodell beschränken zu lassen.

Treiber für diese neuen Anforderungen sind nicht nur der hohe Wettbewerbsdruck und der zunehmende Mangel an Fachkräften, sondern auch die einfachere Bereitstellung von betriebswirtschaftlicher Software (ERP: Enterprise Resource Planning) aus der Public Cloud. Dadurch ist es mittlerweile obligatorisch geworden, eine neue ERP- oder CRM-Lösung (CRM: Customer Relationship Management) sowohl im eigenen Hause (On-Premise) als auch in der Managed Cloud sowie, soweit möglich, als Software as a Service bereitzustellen. CRM wird im Vertrieb und im Kundenservice eingesetzt, ERP für die Steuerung betrieblicher Prozesse.

„Unsere Kunden wollen schneller Wertschöpfung mit ihrer Standardsoftware erzielen“, sagt Darren Roos, der neue CEO des schwedischen Softwareherstellers IFS. „Sie wollen Risiken in ihren Projekten vermeiden und erwarten von uns eine Wertschöpfungszusicherung, die ihren schnellen Kapitalrückfluss sicherstellt.“ Sie könnten sich keine gescheiterten Projekte leisten, ergänzt Roos. „Vielmehr wollen sie eine optimal und mühelos anpassbare Lösung, die sich in ihre Prozesse einfügt und neue Geschäftsfelder wie die Digitalisierung fördert.“

Dem stimmt Alexander Arnold, bei SAP in Mittel- und Osteuropa für die Organisation Global Partner zuständig, prinzipiell zu: „Auch wenn sich ihre spezifischen Anforderungen im Einzelfall unterscheiden können, erwarten unsere Kunden generell eine zeitgemäße ‚User Experience‘, Skalierbarkeit der Lösungen sowie den Bezug aus der Cloud.“ Zudem sei für Firmen kleinerer und mittlerer Größe eine zügige, einfache Implementierung wichtig. Diese kann durch speziell entwickelte Migrationspakete realisiert werden.

Unter dem Begriff „User Experience“ ist in erster Linie eine intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche zu verstehen, die die Nutzer produktiver macht. IFS stellte vor Kurzem die Version 10 seiner ERP-Suite IFS Applications vor, die eine solche Oberfläche aufweist. Damit Endbenutzer sie schneller akzeptieren, verwendet der neue Frontend-Client Aurena das Konzept eines virtuellen Arbeitsplatzes und liefert diverse Funktionen sowohl für den B2B-Bereich, etwa Kunden- und Lieferantencockpits, als auch an Mitarbeiter gerichtete Funktionen wie Urlaubs- und Reisekostenmanagement auch auf mobilen Endgeräten.

Um zusätzliche Effizienz durch Automatisierung zu erlangen, spielt die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) eine zunehmende Rolle. So wurde Aurena um einen Chatbot erweitert, der Sprach- und Texteingabe automatisiert bewältigt. Die Version 10 lässt sich wahlweise im eigenen Haus, als Abo oder als Managed Cloud betreiben.

Das Internet der Dinge (IoT) ist ein Wachstumsmarkt, den der in IFS 10 integrierte „IoT Discovery Manager“ unterstützt. Er erlaubt die Nutzung mobiler Geräte und Sensoren z. B. in der Logistik und ihre betriebliche Wertschöpfung in der ERP-Software. Die erforderliche IoT-Plattform kommt von Microsofts Cloud-Plattform Azure. Das Nutzungspotenzial ist vielfältig. „Unser eigener ‚IoT Business Connector‘ wurde bereits von Kyocera pilotiert“, sagt Wilfried Gschneidinger, der CEO von IFS Europe Central. Der global tätige japanische Druckerhersteller bemüht sich, seinen Kunden zusätzliche Services anzubieten und sie dadurch weiterhin an sich zu binden. Dazu gehört etwa die vorausschauende Wartung, aber auch umfassender Support.

Der finnische Schädlingsbekämpfer Anticimex nutzt ebenfalls IoT-Funktionen. Er überwacht alle seine Fallen mit Sensoren, sammelt deren Daten in einer großen Datenbank und verbessert seinen Service kontinuierlich durch Analysen. Die Firma konnte nach Angaben ihres CEOs Jussi Ylinen nicht nur so die Fangquote steigern, sondern auch das Modell der Fallen verbessern. Ihre Kunden können in Echtzeit Berichte über die Schädlingslage – die sich wegen des Klimawandels laufend ändert – abrufen und erkennen, ob die Investitionen in den Anticimex-Einsatz gerechtfertigt sind.

In der umfassenden „Servitization“ von Unternehmenssoftware sieht IFS-CEO Darren Roos – neben der Individualisierung – einen weiteren strategischen Orientierungspunkt: „Alles wird zum Service.“ Denn nur wenn alle Softwaremodule sowie alle Endgeräte und Nutzer digital mit solchen Services vernetzt seien, können die generierten Daten einen wirklich umfassenden Überblick hinsichtlich Steuerung und Analyse liefern.

Der deutsche Kunde Eickhoff, ein Spezialist für Bergbau- und Antriebstechnik in Bochum, setzt auf die Servicefunktionen einer IFS-Lösung, um seine Kernkompetenz zu einem Differenzierungsmerkmal zu machen: „Wir müssen mehr als 6,5 Mio. Bauteile in komplexen Teilelisten für über 15 000 kundenspezifische Einheiten verwalten“, sagt Dietmar Schmitz, Leiter Produktentwicklung Service bei Eickhoff. „Das ‚IFS Field Service Management‘ eröffnet uns einen effizienten Weg dazu.“

„Bau dir deine Software selbst.“ So lautet das Motto bei der Karlsruher CAS Software AG. Sie kommt mit ihrem CRM-Hauptprodukt genesisWorld eigentlich aus der On-Premise-Welt, wagte sich aber schon vor ein paar Jahren in die Cloud, um KMU besser anzusprechen und in weitere Einsatzbereiche vorzustoßen. Mit dem neuen Produkt SmartWe geht CAS einen ganz neuen Weg: Jeder Nutzer kann sich nach dem Baukastenprinzip seine eigene individuelle ERP-Suite zusammensetzen, und das in kürzester Zeit.

Diverse Bausteine werden in Kürze im App-Store bei CAS abrufbar sein. Von der Termin- und Kontaktplanung in Teams bis hin zur Projektverwaltung. KI hält ebenfalls Einzug: Assistenten übernehmen Adressen, erstellen Serien-Mailings, machen auf Chancen und Risiken aufmerksam oder denken bei der intelligenten Suche voraus und erhöhen so die Produktivität der Mitarbeiter.

„Künstliche Intelligenz und Automation machen CRM-Nutzer im Aftersales und Kundenservice effizienter“, erläutert Kate Leggett, Analystin bei der Forrester Group. „KI-Bots übernehmen repetitive Aufgaben, damit die Mitarbeiter in den Fachbereichen sich darauf konzentrieren können, die Kundenkontakte des Unternehmens zu pflegen.“ Sie sagt voraus: „Unternehmen, die es verstehen, das Zusammenspiel von KI, Automation und Kundenbeziehungen optimal zu gestalten, werden ihre jeweilige Branche dominieren.“