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Mittwoch, 20. Februar 2019

Künstliche Intelligenz

KI zwischen Politik und Pragmatismus

Von Jens D. Billerbeck | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Bundesregierung beschließt ihre KI-Strategie und will Entwicklung und Anwendung bis 2025 mit 3 Mrd. € fördern.

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Foto: panthermedia.net/Kittipong Jirasukhanont

Künstliche Intelligenz wird in praktisch alle Lebensbereiche des Menschen einziehen. Dem will auch die KI-Strategie der Bundesregierung Rechnung tragen.

Was haben die Münchener Fachmesse Electronica und die Digitalklausur des Bundeskabinetts gemeinsam? Die künstliche Intelligenz, kurz KI. Die Messe für Baugruppen und Bauelemente der Elektronik stand vom 13. bis 16. November unter dem Motto „Connecting everything – smart, safe and secure“. Und so diskutierten sechs hochrangige Industrievertreter auf dem traditionellen CEO-Panel am ersten Messetag über Einsatz, Förderung und Regulierung von KI. Nur zwei Tage später beschloss das Bundeskabinett in Potsdam die KI-Strategie der Bundesregierung und kündigte 3 Mrd. € Fördergelder für die Jahre bis 2025 an.

„In der akademischen KI-Forschung ist Europa führend – vor den USA und China.“ Mit dieser Überzeugung verblüffte Dean Ding, CTO der IoT-Sparte des chinesischen Internetriesen Alibaba, seine Kollegen in München. Auch bei den Forschungsinstituten gibt er den Europäern Spitzennoten. Und im industriellen Umfeld sieht er Siemens und Bosch in der Spitzengruppe in Sachen KI. Das hängt für den Chinesen auch mit der Führungsposition dieser Firmen im Internet der Dinge (IoT – Internet of Things) zusammen, dort lägen sie „weit vor den USA und China“. Was hier in Europa fehle, seien Wagniskapital und eine Kultur des „Entrepeneurship“, die Gründerkultur.

Pragmatisch der Ansatz der europäischen CEOs auf dem Panel. Infineon-Chef Reinhard Ploss sieht KI vor allem als Werkzeug. Aber er weiß: „Ein Schraubenzieher hilft nicht immer.“ Es gehe darum, die richtige Balance zwischen regelbasierten Steuerungen und solchen mit KI-Methoden zu finden. Insofern werde KI wohl in allen Industrien einziehen, aber dort Bestehendes nicht generell ersetzen, sondern auch ergänzen.

Für Kurt Sievers, President beim Chiphersteller NXP, ist KI derzeit „etwas overhyped“. Zwar sei sie einer der wichtigsten Bausteine für IoT. Doch dafür brauche es vor allem eine funktionierende Kommunikationsinfrastruktur, damit Sensoren in den Fabriken ihre mit KI ausgewerteten Daten auch in die Cloud senden können. Da sieht er in Deutschland noch klare Defizite. Und mehr noch: „Auf der anderen Seite werden sich Verbraucher nur auf KI einlassen, wenn sie an das Thema mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens herangehen können.“ Einig waren sich die Diskutanten allerdings, dass gerade beim Thema Datenschutz und Datensicherheit Europa die Nase vorne habe.

Die Akzeptanz von KI in der Bevölkerung ist auch einer der Kernpunkte der KI-Strategie der Bundesregierung. Dort heißt es als eines von drei Zielen: „KI im Rahmen eines breiten gesellschaftlichen Dialogs und einer aktiven politischen Gestaltung ethisch, rechtlich, kulturell und institutionell in die Gesellschaft einzubetten.“ Primär soll die Strategie Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI machen und so die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern und eine „gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von KI sicherstellen“.

„Wir wollen Unternehmen vor allem bei der Nutzung von KI unterstützen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Dazu sollen unter anderem KI-Trainer in den Kompetenzzentren Mittelstand 4.0 beitragen und eine Agentur für Sprunginnovationen. Altmaier hatte den Vorschlag zur KI-Strategie gemeinsam mit seinen Kollegen Anja Karliczek (Bildung und Forschung) sowie Hubertus Heil (Arbeit) eingebracht.

Für Bitkom-Präsident Achim Berg geht die Strategie in die richtige Richtung. Doch er rechnet vor: „Die geplanten 3 Mrd. € bis 2025 entsprechen 500 Mio. € pro Jahr und damit bei Weitem nicht der erkannten und formulierten Bedeutung von KI für Wachstum und Wohlstand.“ In der Ausbildung sieht er durch die geplanten 100 neuen KI-Professuren ein starkes Signal, doch müsse durch entsprechende Maßnahmen seitens der Politik sichergestellt werden, dass Absolventen auch im Lande bleiben. Zusätzlich mahnt er einen regulatorischen Rahmen an, der neben KI-Forschung auch die Anwendung erlaubt: „Niemandem ist geholfen, wenn wir vorne Milliarden in die Grundlagenforschung pumpen und dann verbieten, die neuen Technologien auch in der Praxis einzusetzen.“ Ohne regulatorische Flankierung bestehe die Gefahr, dass Investitionen wirkungslos verpuffen. Berg: „An dieser Stelle bleibt die KI-Strategie noch zu viele Antworten schuldig.“