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Dienstag, 23. Januar 2018

IAA 2017

KI drängt ins Automobil

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Künstliche Intelligenz soll vor allem autonome Fahrzeuge unterstützen. Das zeigt sich dieser Tage auf der Messe, aber auch in Form von verschiedenen Firmenallianzen.

BU KI Auto
Foto: imago/allover/Karl Thomas

Lernende Systeme werden Automobile künftig bei ihren Entscheidungen unterstützen.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz, kurz KI, im Automobilbereich schlägt auf der diesjährigen IAA (14. bis 24. September) Wellen. Automobilhersteller wie Zulieferer werben damit, dass ihre Systeme auf irgendeine Weise „intelligente“ Entscheidungen treffen können. Denn das automatisierte Fahren setzt selbstständige Entscheidungen des Fahrzeugsystems voraus, wobei die Umgebung sich ständig verändern kann.

KI gilt daher als Schlüsseltechnologie, die Daten von Kamera-, Sensor- und Radarsystemen selbstlernend auswerten soll. Die auf einer Karte aufgezeichneten Daten etwa können mit den realen Umständen nicht übereinstimmen, wenn beispielsweise kurzfristig eine Baustelle oder Umleitung eingerichtet wurde. Auch Rad- und Fußgänger können jederzeit für überraschende Situationen sorgen.

Jürgen Schmidhuber, Co-Direktor des Schweizer Instituts für Künstliche Intelligenz (Idsia), zeigte sich optimistisch: In Deutschland kämen aktuell im Schnitt neun Menschen pro Tag durch Verkehrsunfälle ums Leben. Aber es könne künftig nur noch ein Toter pro Tag sein, glaubt er. Der Gesetzgeber könnte dann möglicherweise den Menschen nur noch in Ausnahmefällen erlauben, selbst zu fahren, und das autonome Fahren zur Pflicht machen.

„Lernende“ Systeme sind für die Automobilindustrie das Schlagwort – auch für Zulieferer Continental, der zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Oxford in einer zunächst auf drei Jahre angelegten Kooperation an der Entwicklung von KI-Algorithmen forscht. Deep-Learning-Algorithmen sollen insbesondere die optische Objekterkennung sowie den Dialog zwischen Fahrer und Fahrzeug optimieren.

Dabei geht es darum, dass das System lernt, ihm unbekannte Objekte zu erkennen und zu identifizieren. Ziel ist es, dass das Auto die erlernten Muster verwendet, um ähnliche Situationen zu lösen. Michael Fausten, Projektleiter bei Bosch, vergleicht diese Muster mit der menschlichen Intuition. Die daraus resultierenden intelligenten Warnsysteme sollen Unfälle reduzieren.

Mit den KI-Forschern aus Oxford kooperiert nicht nur Continental, sondern auch der Zulieferer ZF, der gemeinsam mit Nvidia Automotive am autonomen Fahren arbeitet. Der US-Chiphersteller arbeitet derweil seit 2005 eng mit Audi zusammen. Die Ingolstädter stellen jetzt auf der IAA einen Konzeptwagen namens Audi AI vor, bei dem der Fahrer die Hand vom Steuer nehmen kann, wenn das Fahrsystem die Steuerung übernimmt. Das AI steht für „Artificial Intelligence“ – künstliche Intelligenz. Der Audi AI verfügt über eine Software, die auf dem Konzept neuronaler Netze aufsetzt, die Audi und Nvidia auf das Erkennen dynamischer Verkehrsregelungshinweise trainiert haben.

Ähnliche Projekte unterhält Nvidia auch mit Volvo, Tesla und Toyota. Bei Toyota kommt Nvidias KI-Plattform Drive PX für autonomes Fahren zum Einsatz, die ebenfalls auf der Methode des Deep Learning basiert und damit dem vernetzten menschlichen Lernen nachempfunden ist. Dabei soll das Geschehen rund um das Fahrzeug in Echtzeit erkannt und der Fahrweg geplant werden. Daten von zwölf Kameras, Lidar (light detection and ranging), Radar und Ultraschallsensoren wertet das System dafür aus.

Toyota ist aber noch anderweitig in Sachen KI unterwegs. Der japanische Autobauer investierte vor wenigen Wochen 95 Mio. $ in das KI-Start-up Preferred Networks, um die gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten voranzutreiben. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der Objekterkennung und der Analyse von Fahrzeugdaten.

Mit seiner Konzeptstudie Concept-i will Toyota nicht nur das autonome Fahren ermöglichen, sondern auch die Insassen unterhalten. Im Innenraum beispielsweise wechselt die Beleuchtungsfarbe, wenn der Fahrer von Automatik zu manuellem Fahren wechselt. Ein digitaler Assistent namens Yui soll eine „Beziehung“ zu Fahrer und Insassen aufbauen und ähnlich wie Apples iPhone-Assistent Siri sowohl mit den Personen im Fahrzeug wie auch mit der Umgebung kommunizieren.

Volkswagen wiederum kooperiert mit dem IT-Riesen IBM. In interdisziplinären „Garagen-Teams“ entwickeln sie neue Ideen und Prototypen für personalisierte Mobilitätsdienste. Die digitalen Dienste sollen auf der IBM-Cloud sowie der Watson zugrunde liegenden Cognitive-Computing-Technologie basieren.

Zur ersten Entwicklung zählt „We Commerce“: Der Dienst gibt dem Fahrer Handlungsempfehlungen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Watson-Technik soll dafür sorgen, dass das System aus den Gewohnheiten und Vorlieben des Fahrers lernt, um individuelle Vorschläge zu Tankstellen, Hotels oder Restaurants geben zu können. Über die Volkswagen-eigene Cloud sowie eine Cloud von IBM sollen die Dienste betrieben werden.

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