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Montag, 22. Januar 2018

Dienstleistung

Kein Paket mehr verpassen

Von Patrick Schroeder | 27. Oktober 2016 | Ausgabe 43

Unternehmen wie Amazon, DHL und die Telekom arbeiten an Lösungen, die Paketempfängern das Leben erleichtern sollen.

BU Smart
Foto: DHL

Kofferraum als Paketbox: DHL und Smart testen dieses Konzept gerade in Stuttgart. Der Bote findet das Fahrzeug per App und öffnet es per PIN.

Fast jeder kennt das: Man wartet ungeduldig auf ein Paket, bleibt den ganzen Nachmittag zuhause und dreht sogar die Musik leise – bloß nicht den Boten verpassen! Doch es bleibt still. Beim nächsten Blick in den Briefkasten dann der Schreck: ein Zettel, mit dem der Zusteller in die Abholstation einlädt.

Immer mehr Adressaten klagen über dieses nervige Spielchen, das überforderte Paketboten mit ihnen treiben. Doch jetzt naht Hilfe.

Amazon etwa will sich von Paketdiensten unabhängiger machen und experimentiert schon seit längerem in Deutschland mit eigenen Zustelldiensten. Neuester Ansatz ist eine Zusammenarbeit mit Shell. Seit Juli testen die beiden Konzerne an zehn Münchener Tankstellen den sogenannten Amazon-Locker. Das ist ein Paketautomat, an den Empfänger ihre Bestellungen umleiten können, falls sie tagsüber nicht zuhause sind. Geöffnet wird er mit einem Code, den der Versandriese auf das Smartphone des Empfängers schickt. Klingt praktisch.

Doch sonderlich innovativ ist das nicht. Schließlich bietet DHL, einer der größten Auslieferer für Amazon, Paketstationen schon lange an. „DHL ist im Bereich des individualisierten Paketempfangs First Mover und hat das eigene Packstationsnetzwerk bereits seit mehr als zehn Jahren in Deutschland etabliert“, so Dunja Kuhlmann, Pressesprecherin Deutsche Post DHL Group. „Aktuell betreiben wir bundesweit 3000 Packstationen mit mehr als 300 000 Fächern. Für diesen Service haben sich mehr als 8 Mio. Menschen registriert – Tendenz weiter steigend.“

An einer besonderen Packstation arbeitet DHL gerade in Kooperation mit Smart. Das Ziel: Fahrer des Kleinwagens werden ihrem Paketboten via App eine TAN zur Verfügung stellen, mit der dieser den Kofferraum öffnen kann, um Pakete abzulegen oder zu entnehmen. Zuvor muss das Auto aber mit einer Connectivity Box ausgerüstet werden. Das bezahlt der Fahrzeughersteller – zumindest während der aktuellen Testphase in Stuttgart, für die sich noch Freiwillige anmelden können. Außerdem muss der Empfänger den Paketinhalt bei einem Partnershop bestellt haben. Dazu zählen u.a. Amazon, Music Store und der Online-Supermarkt Allyouneed Fresh.

Wem der eigene Kofferraum dann doch zu privat ist, hat Alternativen: Etwa fest angebrachte Paketboxen für die eigene Wohnungstür. Auch hier hat DHL seine Finger im Spiel und bietet ab 99 € ein Set für die Wandmontage an. Damit kann man Pakete so problemlos empfangen wie Briefe. Geöffnet wird er per Schlüsselchip oder App.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Lockbox. Das Berliner Unternehmen hat eine Box entwickelt, die sich per Stahlseil an der Wohnungstür befestigen lässt. Handwerkliches Geschick ist dazu nicht nötig. Zum Einsatz kommt nämlich ein U-förmiger Metall-Anker, der vom Unternehmen an die jeweilige Tür angepasst wird. Dieser muss nur unter das Türblatt geschoben werden. Gibt der Kunde nun bei einem der angeschlossenen Partnerbetriebe eine Bestellung auf, kümmern sich Lockbox-Paketboten am selben Tag um den Transport zur Wohnungstür. Erfreulich: Anmeldung und Anker sind gratis, eine Auslieferung schlägt lediglich mit den im jeweiligen Shop angegebenen Versandkosten zu Buche. Erhältlich ist der Service mittlerweile nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, Hannover und München. Der Haken: Noch gibt es lediglich drei Partnershops: zwei Biomärkte und ein Getränkelieferant.

Foto: Feldsechs Service GmbH

Der PaketButler wird mit breitem Gurt an der Wohnungstür befestigt und lässt sich per PIN öffnen. Entfaltet bietet er auch XL-Paketen Platz.

Deutlich universeller ist der „PaketButler“, den die Hamburger Feldsechs Service GmbH gemeinsam mit der Telekom entwickelt hat. Hier kann fast jedes Paket von fast jedem Zusteller abgeliefert werden. Kern der Lösung ist eine 5 kg schwere, faltbare Box. Voll entfaltet bietet sie ein Innenmaß von 30 cm x 50 cm x 70 cm. Sie besteht aus einer festen Ober und Unterschale, die mit schnittfestem Textilgewebe verbunden sind. An ihr ist ein breiter, mit Metallfäden durchzogener Gurt befestigt. An dessen Ende – das im Wohnbereich liegt – ist ein Knebel angebracht, der das Herausziehen bei geschlossener Tür verhindert. Zum Öffnen der Box muss über das integrierte Bedienfeld eine PIN eingegeben werden.

Zum PaketButler gehört die App „ButlerConnect“. Sie informiert u. a. darüber, wann ein Paket abgegeben wurde. Seit Mai steht die Lösung zur Verfügung – bisher allerdings nur in Köln, Bonn, München und Hamburg. Ende des Jahres soll sie bundesweit eingeführt werden. Kooperationspartner sind DHL und Nox Nachtexpress. Andere Zusteller können die Box aber auch nutzen. Bei ihnen muss der Kunde aber einmalig einen schriftlichen Ablageauftrag einreichen.

Boten aller Dienstleister öffnen die Box mittels PIN. Diese erhalten sie fallweise auf ihr Handheld. Mitarbeiter der beiden kooperierenden Logistiker können überdies via App beauftragt werden, Pakete aus der Box abzuholen.

Ganz billig ist der Service nicht: Die Box lässt sich für monatlich 7,99 € mieten oder für 249 € kaufen. Dazu kommt eine Monatsgebühr von 1,49 € für die App. Eine Paketabholung schlägt mit 3 € zu Buche. Weiterer Wermutstropfen: Der PaketButler ist wasserscheu, darf also nur in Hausfluren stehen.  

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