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Mittwoch, 20. Februar 2019

PC-Markt

Keine Spielverderber

Von Jens D. Billerbeck | 18. Oktober 2018 | Ausgabe 42

Gaming-PCs und Hochleistungssysteme sorgen für höhere Durchschnittspreise und bremsen den Umsatzrückgang. Neue Prozessoren sollen den Markt anheizen.

Bild gamerin
Foto: Intel Corporation

Die Profi-Spielerin: Stephanie Harvey spielt und streamt an einem Rechner mit dem neuen Core-i9-Chip während der Produktvorstellung in New York.

Rechenleistung ist das, was der ernsthafte Computerspieler von seinem PC erwartet. Und dafür ist er bereit, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Da darf es dann ein moderner Hochleistungsprozessor sein, viel Arbeitsspeicher, schnelle Festplatten oder SSDs (deren Flash-basiertes Pendant) und natürlich mindestens eine Hochleistungsgrafikkarte. Kommt dann noch ein möglichst aufwendig gestaltetes Gehäuse – gerne auch mit viel LED-Schnickschnack – hinzu, ist der Gaming-PC perfekt.

Solche Rechenboliden sind derzeit die Hoffnung der Branche. „Der Wunsch der Verbraucher nach Leistung spielt eine wesentliche Rolle in der Stabilisierung und aktuellen Umsatzentwicklung bei PCs“, sagt Pavlin Lazarov, IT-Experte beim Marktforschungsunternehmen GfK. Denn dass die Erlöse der Hersteller nicht so stark zurückgehen wie die verkauften Stückzahlen, hat seinen Grund darin, dass Verbraucher bereit sind, für Leistung mehr zu bezahlen.

In Zahlen drückt sich das so aus: Weltweit gingen die verkauften Stückzahlen von Desktop-PCs im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um 14 % zurück, der Umsatz aber nur um 5 % auf 2 Mrd. €. Bei den Notebooks sanken die Stückzahlen um 9 %, der Umsatz aber nur um 4 % auf 13,3 Mrd. €. In Deutschland wurden mit Desktop-PCs nur noch 180 Mio. € umgesetzt (-4 %), die Notebooks ließen besonders Federn, ihr Absatz sank in Stückzahlen um 13 %, der Umsatz dagegen nur um 8 % auf knapp über 1 Mrd. €.

Neue Prozessoren für höchste Leistung: Im Rennen um die leistungsfähigsten Rechenchips zwischen dem langjährigen Chip-Weltmarktführer Intel mit seinen Core-Chips und dem Dauerrivalen AMD mit der Ryzen-Familie reklamiert seit wenigen Tagen Intel wieder die Poleposition: Anand Srivatsa bezeichnete den neuen Core-i9-9900K, den ersten Chip der neunten Generation der Core-Familie, schlicht als „den besten Gaming-Prozessor der Welt. Punkt.“ Der General Manager für Desktop-Systeme bei Intel präsentierte Anfang Oktober in New York einen ganzen Strauss neuer Desktop-Chips. Und das nur sechs Wochen, nachdem in Berlin neue Mobilprozessoren der Core-Familie samt der darauf basierenden Hochleistungs-Notebooks diverser Hersteller präsentiert wurden.

Zielgruppe der neuen Rechenriesen sind laut Srivatsa ganz klar: „Gamer, Creators und Experten, die leistungshungrige Workstation-Applikationen benötigen.“ Damit ist also nicht nur der spielfreudige PC-Nutzer adressiert, sondern auch „Creators“, Spieleentwickler oder Filmemacher, die aufwendige Bild- und Videoverarbeitungswerkzeuge nutzen. Am Beispiel der Tangent Studios wurde gezeigt, wie Trickeffekte der neuen Netflix-Serie Next Gen mithilfe des neuen 28-Kern-Prozessors Xeon W-3175X signifikant schneller und vor allem vorhersagbarer gerendert werden können. Schwankten die Zeiten für ein einziges Filmbild vorher zwischen 4 h und 30 h, wobei die längeren Zeiten überwogen, sanken sie mithilfe des neuen Chips und der entsprechenden Software auf Zeiten zwischen 4 h und maximal 10 h.

Foto: Intel Corporation

Mehrfacher Milliardär, zumindest, was die Zahl der Transistoren angeht: ein Core-Chip der neunten Generation. Es ist laut Intel der erste Prozessor für den Massenmarkt mit acht Kernen und 5 GHz Taktfrequenz.

Die Leistungsfähigkeit des Spielechampions Core-i9-9900K stellte eine Demo unter Beweise, bei der auf einem Prozessor zwei Hochleistungsspiele gleichzeitig abliefen und auch gleichzeitig ins Netz gestreamt wurden. Srivatsa musste zugeben, dass das kein Standardanwendungsfall sei, aber es zeige, welche Reserven der Chip habe. Auch die professionelle E-Sportlerin Stephanie Harvey lobte die Eigenschaften des neuen Chips vor den Journalisten.

Neue Systeme mit dem Core-i9-Chip sollen laut Srivatsa ab dem heutigen Freitag präsentiert werden. Mit dabei sind all die „üblichen Verdächtigen“ (in alphabetischer Reihenfolge): Acer mit seinen Predator-Gaming-PCs, Asus mit der Republic-of-Gamers-Reihe, Dell mit der Gaming-Marke Alienware, HP mit neuen Omen-Rechnern und last, but not least Lenovo mit der Legion-Familie.

Neben den Hochleistungsprozessoren gehört auch die entsprechende Ausstattung mit Arbeits- und Massenspeicher dazu. Hier haben die Auguren der GfK den deutschen Markt als „technologischen Vorreiter“ identifiziert: Im ersten Halbjahr lag der Anteil an Desktop-PCs mit den bis dahin verfügbaren Hochleistungsprozessoren bei 75 %, Arbeitsspeicher von 8 GByte und mehr fanden sich in 80 % der Geräte.

Übrigens: Beim Umsatz mit Geräten für die virtuelle Realität (VR) ist Deutschland im ersten Halbjahr mit über 6,5 Mio. € laut GfK der größte Markt in Europa. Allerdings hat das einen Schönheitsfehler. Das im übrigen Europa zu beobachtende Wachstum im VR-Segment schwächelt in Deutschland. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um knapp 7 % zurück. Trotzdem ist VR in den Augen vieler Experten eine der Möglichkeiten, wegbrechende Umsätze im PC-Markt auszugleichen.