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Donnerstag, 21. März 2019

Kommentar

Kleingeister

Von Stephan W. Eder | 21. Februar 2019 | Ausgabe 08

Die Niederländer gingen voran letzte Woche: Der Strom-Übertragungsnetzbetreiber Tennet Holding B. V. die Mutter der deutschen Tennet TSO GmbH, und der Gas-Übertragungsnetzbetreiber Gasunie, auch mit deutscher Tochter, wollen europaweit eine stärkere Verzahnung von Planung und Betrieb der Strom- und Gasnetze bis 2050.

Foto: VDIn/Zillmann

Energieredakteur Stephan Eder sieht Power-to-X als strategisch wichtige Zukunftstechnik für den Industriestandort Deutschland.

„Infrastructure Outlook 2050“ heißt die Studie, die beide vorstellten. Hauptfazit: Erst eine umfassende Sektorkopplung macht das Energiesystem flexibel genug und stellt genügend Transportkapazitäten bereit – ohne überteuerten Stromtrassenausbau.

Dazu braucht es Power-to-X-Technologien: Überschüssiger Ökostrom wird umgewandelt. Grundlage dabei ist Wasserstoff, der sich aus Strom direkt per Elektrolyse erzeugen lässt; daraus per Methanisierung zum Beispiel Gas, „grünes“ Gas, weil auf Basis von Ökostrom erzeugt. Und vieles mehr.

Es wäre der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft. Und Europa hätte die Nase vorn. Anders als bei der Batterietechnologie. Noch, denn die Olympischen Spiele 2020 in Japan stehen ganz im Zeichen des Wasserstoffs. Doch statt Chancen zu ergreifen, herrscht bei Bundesregierung und Bundesnetzagentur die Haltung, hier habe sich die falsche Partei zum richtigen Thema gemeldet. Die Netzbetreiber. Das sei gar nicht deren Aufgabe, sich darum zu kümmern. Ohnehin habe man Zeit, vor 2030 sei das kein Thema.

Oh, Ihr Kleingeister!

Ob Tennet und Gasunie oder viele andere Unternehmen und Institute, sie erforschen derzeit aktiv Power-to-X. Ein Geschäftsmodell? Gibt es nicht wirklich. Dennoch herrscht allenthalben in der deutschen und europäischen Energiewirtschaft und Industrie die Meinung: Das ist es! Mit Power-to-X bekommen wir die Dekarbonisierung gestemmt!

Man mag dem Regulierer, der Bundesnetzagentur, nachsehen, dass er in seinen vorgegebenen Bahnen denkt. Von der Bundesregierung ist es zu erwarten, dass sie im Sinne einer zukunftsorientierten Industriestrategie den Fehler bei der Batterietechnik heilt und die Chance ergreift. Jetzt!

Helfen würde es, käme aus Brüssel ein entsprechendes Signal. Nicht nur Gigafabs für Batterien, sondern auch Großanlagen für Power-to-X. Das wär‘ doch was!