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Samstag, 23. Februar 2019

Innovation

Kooperation belebt das Geschäft

Von Bettina Reckter | 20. Dezember 2018 | Ausgabe 51

Mit Start-up-Initiativen hat AkzoNobel gute Erfahrungen gemacht. Jetzt sucht der Konzern Ideen für seine Sparte Farben und Lacke.

BU AkzoNobel
Foto: Shutterstock ID 69636171

Speziallacke für extreme Anwendungsfelder will AkzoNobel mit innovationsfreudigen Start-ups entwickeln.

Wer zuhause anfallende Schönheitsreparaturen selbst übernimmt und ab und zu die Wände neu anstreicht, erinnert sich bestimmt an die frühen 1990er-Jahre. Da kam Dulux mit fester Farbe auf den Markt. Feste Farbe? Für Do-it-yourself-Päpste war das der Hit. Nie mehr kleckern, endlich landete die Wandfarbe genau dort, wo sie hingehört – und nicht daneben. Mit Marken wie Dulux und Xyladecor beherrscht AkzoNobel seither die Welt der Farben.

„Unsere Leidenschaft für Farbe und Innovation ist die Basis unserer Begeisterung für die Zukunft“, beschreibt Thierry Vanlancker, Vorstandsvorsitzender von AkzoNobel, die firmeneigene Motivation. Gemessen am Umsatz, der im Jahr 2017 bei rund 14,5 Mrd. € lag, ist das Unternehmen mit Stammsitz in Amsterdam Weltmarktführer. Längst wurde das Portfolio um Produkte erweitert, die sehr viel mehr können, als nur Gegenständen eine neue Farbnuance zu verleihen.

Moderne Lacke halten extremer Hitze stand, haben gar einen eingebauten Flammschutz, können Schadstoffe aus der Luft binden und den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Mehr als 1,8 Mrd. € hat AkzoNobel in den letzten fünf Jahren allein in Forschung und Entwicklung gesteckt. „Unsere Wissenschaftler finden ständig neue clevere Lösungen“, sagt Klaas Kruithof, Chief Technology Officer im Unternehmen. „Dennoch bleibt die Herausforderung, das Ganze technologisch umzusetzen.“ Kleinere Firmen, die eine klassische Marktnische bedienen, seien da mitunter beweglicher.

Deshalb besann sich der Konzern auf die Initiative „Imagine Chemisty“, mit der er bereits vor zwei Jahren externe Ideen aktiv eingeworben hatte – damals in der Sparte Spezialchemie, die heute unter dem Namen Nouryon firmiert.

Mit der Kampagne „Paint the future“ will man nun im Bereich Farben & Lacke Start-ups aus der ganzen Welt einladen. Kooperation statt Konkurrenz könnte so das Geschäft beleben. Technikchef Kruithof weiß, dass kleine Unternehmen oft pfiffige Technologien entwickeln, die für die eigene Produktpalette durchaus interessant wären.

Im Gegenzug bietet AkzoNobel Laborzeit, Expertenrat, Unterstützung bei Studien und schließlich die Umsetzung der Idee bis zur Marktreife an. „Als technologiegetriebener Hersteller verfügen wir über Wissen und Ressourcen, die wir gerne weitergeben“, sagt Kruithof. Wenn das fertige Produkt schließlich über die eigenen Kanäle weltweit vertrieben werden könne, käme das einer Innovationsbeschleunigung gleich.

Damit die Aktion mit Blick auf Know-how-Schutz und Urheberrechte juristisch sauber über die Bühne geht, hat der Konzern die Beratungsgesellschaft KPMG ins Boot geholt. „Wir haben aus der vorherigen Kampagne gelernt“, sagt der Technikchef. Der gesamte Prozess solle transparent aufgesetzt sein. Damals habe es rund 200 Bewerbungen gegeben, von denen etwa zehn Vorschläge ausgewählt wurden. Letztlich übrig geblieben seien zwei Unternehmen, deren Ideen erst jetzt gezielt unterstützt würden.

Die Nachhaltigkeit der Produkte ist dem Weltmarktführer zunehmend wichtig. „Jedes Jahr gehen in Europa rund 400 Mio. l Lack als Sprühverluste verloren oder trocknen in angebrochenen Dosen langsam ein“, sagt Kruithof. Diese gewaltige Menge entspricht ungefähr der Jahresproduktion von AkzoNobel.

In zwei Richtungen gehen deshalb die Überlegungen. Zum einen sollen intelligente Applikationstechnologien entwickelt werden, zum anderen sollen nicht verwendete Farb- und Lackreste einem werkstofflichen Recycling zugeführt werden. Helfen könnte zum Beispiel ein kleines Logo, wie es bereits bei Kunststoffherstellern zur Kennzeichnung der Produkte bereits üblich ist. Auch hier sucht AkzoNobel nach Synergien mit anderen Branchen (s. Interview li.).