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Samstag, 16. Februar 2019

Drucktechnik

Kunstdruck für Fotobücher

Von Stephan W. Eder | 11. Oktober 2018 | Ausgabe 41

Weiche, moiréfreie Drucke mit einer guten Detaildarstellung – das erwarten anspruchsvolle Kunden auch von digitalen Fotodruckverfahren. HP zeigte auf der Photokina in Köln dazu eine modifizierte Rastertechnologie.

w - Photokina BU
Foto: HP

Rasterverfahren beim Druck: Links liegt ein regelmäßiges Druckraster zugrunde (amplitudenmoduliertes Verfahren), rechts ein unregelmäßiges (frequenzmoduliertes Verfahren).

Leitmesse des Imaging, so nennt sich die Messe Photokina. Da geht es ums Bild – nicht nur um Kameras (s. Seite 40). Und auf keiner Messe dürfte es so viele exquisit gedruckte Fotos geben wie auf der Branchenschau in Köln.

Die Drucker, die die tollen Bilder erzeugen, stehen hingegen kaum im Vordergrund. Die Gerätegattung des Fotodruckers pflegen gerade noch mal Canon und Epson. Diese Tintenstrahler stellt sich bisher vor allem der Profifotograf oder der ambitionierte Amateur ins Studio. Technologisch sind diese Geräte fast ausgereizt. Neue Geräte? Fehlanzeige.

Doch Anna und Otto Normalverbraucher lassen heute drucken, und zwar beim Fotodienstleister. Dieser Klientel stellte HP in Köln mit seiner Digitaldruckmaschine Indigo 12 000 eine technologische Aufrüstung namens HDFM vor, die es im Frühjahr 2019 kommerziell freigeben will.

HDFM heißt das Kürzel: HD steht für „High Definition“ und FM steht für „Frequency Modulation“. Es handelt sich um ein hochauflösendes Druckverfahren, das vor allem für den Druck von fotorealistischen Bildern und Halbtonschriften gedacht ist – für Kunden wie die französische Druckerei Picture Perfect. „Wir haben in eine HP Indigo 12 000 HD investiert, weil die Technologie der Maschine die Anforderungen der Märkte erfüllt, die wir bedienen: Profifotografie und Luxusmarken“, sagt CEO Maurice Bensimon.

Nur: Was machen die hochauflösenden Druckverfahren der High-End-Tintenstrahldrucker anders? Hintergrund sind die unterschiedlichen Rasterverfahren. Ein Bild, das gedruckt wird, ist eine Komposition aus Druckpunkten, keine kontinuierlich eingefärbte Fläche. Um zu planen, wie ein Druck ein Bild nachahmen kann, wird die Vorlage in zu druckende Segmente aufgeteilt – die Rasterpunkte. Bei der amplitudenmodulierten (AM) Rasterung liegt ein gleichmäßiges Raster vor: Die Rasterpunkte der Farben werden in festen Winkeln zueinander angeordnet, Farbton und Helligkeit lassen sich über die Größe (Amplitude) des Rasterpunkts steuern.

Genauso arbeitet die von HP Indigo entwickelte ElektroInk-Technik. Problem: Es können sichtbare Artefakte entstehen (s. Bild links). Mit am gefürchtetsten ist der Moiré-Effekt: Der Druck scheint grob gerastert, ist es aber nicht, jedoch überlagern sich die Druckpunkte im regelmäßigen, feineren Raster entsprechend.

Da beginnt die Schwierigkeit, vor allem bei der Fotografie. Detail- und halbtonreiche Abbildungen bereiten daher Probleme. Das ist für die neuen Foto-Tintenstrahldrucker kein Problem: Sie arbeiten in der Regel mit Tintentröpfchen der gleichen Größe, die per Zufallsprinzip unregelmäßig auf dem Papier verteilt werden. Frequenzmoduliert heißt das Verfahren, weil die Rasterabstände (deren Frequenz) variieren. Es gibt dadurch keine sichtbaren Druckstrukturen. Die Anzahl der Druckpunkte bestimmt die Helligkeit. Die Druckpunkte berühren sich bei zunehmender Flächendeckung und wachsen zusammen.

Mit der neuen Indigo 12 000 führt HP jetzt einen neuen HD-Druckkopf ein, der die physikalische Auflösung von 800 dpi auf 1600 dpi steigert. Schon dies führt beim AM-Verfahren dazu, dass Rosetten verkleinert werden und Moiré-Effekte seltener auftreten. Wahlweise kann aber zusätzlich zur höheren Auflösung eine frequenzmodulierte Rasterung genutzt werden.

Damit dürften Kunden wie Picture Perfect in erster Linie aber nicht das Fotobuch für Hinz und Kunz drucken. Für hochwertige Kataloge der Automobilindustrie zum Beispiel ist diese Qualität jedoch gefragt.