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Sonntag, 24. Februar 2019

Informationstechnik

Mensch und KI arbeiten Hand in Hand

Von Andreas Weber | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Xerox will mit künstlicher Intelligenz die Erstellung von Dokumenten automatisieren.

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Foto: Xerox

Der Hightechkonzern Xerox geht bei künstlicher Intelligenz (KI) mit seiner Denkfabrik und Entwicklungsschmiede Parc im kalifornischen Palo Alto neue Wege. Schon im nächsten Jahr soll eine KI-Softwarearchitektur marktreif sein, mit der Unternehmen automatisch Angebote und zukünftig auch Dokumente aller Art erstellen können. Das Ganze ist so brandaktuell, dass es noch keinen offiziellen Produktnamen dafür gibt.

Künstliche Intelligenz (KI)

„Derzeit sind wir in der Beta-Phase und setzen unsere neue KI-Lösung auch innerhalb des eigenen Konzerns in den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich ein“, erläuterte Elisabeth Rochman, Director of Innovation, Strategy and Communication bei Xerox in London.

Im Fokus: Wissensarbeiter. Zielpersonen zur automatischen Dokumentenerstellung mit KI sind für Xerox primär Wissensarbeiter in allen Bereichen von Industrieunternehmen, Regierungsstellen und Organisationen. „Wir gehen nunmehr über das Scannen und Weiterleiten von Dokumenten und über andere Funktionalitäten der Xerox Workplace Assistants weit hinaus, — die Basis zum Erfolg bietet sich durch modernste Deep-Learning-Technologien“, erläutert Rochman weiter.

Entscheidend sei es, Wissensarbeiter maximal produktiv werden zu lassen, damit diese ihre wichtigen Aufgaben in komplexen Umgebungen bestmöglich bewerkstelligen können. Kritisch für solche Mitarbeiter sei vor allem, über den Tellerrand blicken zu können und in komplexen und großen Organisationen zusätzliche Informationen identifizieren zu können, die für die eigene Arbeit wichtig sein können.

Foto: Xerox

Elisabeth Rochman, Director of Innovation, Strategy and Communication bei Xerox.

Bei dieser Mammutaufgabe kann sich Xerox auf eine 30-jährige Expertise von Parc in natürlicher Sprachverarbeitung stützen und ist bestrebt, eine Vorreiterrolle bei „Natural Language Generation“ zu übernehmen. Xerox beherrscht bereits automatische Übersetzungen und Spracheingabesysteme für Wissensarbeiter sowie zukünftig auch Dialogsysteme z. B. für Außendienstarbeiter beim Reparatureinsatz. „Das Besondere und Neue bei KI – wir nennen das ‚The Big Shift‘ – ist, dass wir keine Bereichsexperten mehr brauchen, um die Regeln zu schreiben. Stattdessen brauchen wir viele Datenpunkte und Machine-Learning-Algorithmen, die selbst die Regeln aus den Datensätzen ableiten“, sagt Rochman. Kreativität, Intuition und instinktmäßig richtiges Handeln in Kombination mit Deep-Learning seien wichtig, wenn es um die Akzeptanz und Interaktion von Maschinen und Menschen geht. Zur Nutzung der Xerox-KI-Lösung bedarf es laut Rochman keines besonderen Lernaufwands mehr: „Nutzer haben jederzeit die volle Kontrolle und Oberhoheit.“ Die KI-Softwarearchitektur ist so ausgelegt, dass individuell definiert werden könne, mit welcher Intensität die Software dem Menschen hilft.

KI ist für Rochmann der wohl wichtigste Zweig der modernen und künftigen Informatik. Vier Kernfelder werden dabei adressiert: die Lösung komplexer Aufgaben, Lernfähigkeit, Emotionalisierung und soziale Interaktion. So sollen intelligente Mensch-Maschine-Schnittstellen entstehen.

Die Xerox- bzw. Parc-Sichtweise lautet dabei: Künstliche Intelligenz kann lernen, Annahmen zu treffen, sich anzupassen und auf unvorhersehbares Verhalten der Benutzer zu reagieren und somit mit dem Anwender gemeinsam jeweils die beste Entscheidung zu treffen. Und dies quasi in Echtzeit. Dabei werden Emotionen des Nutzers wahrgenommen und in der Interaktion berücksichtigt. In diesem Sinne versteht sich die Xerox-KI-Architektur als ein glaubhafter Interaktionspartner, um mit den Menschen zu kommunizieren und so voneinander zu lernen.

Alle Entwicklungen im Parc folgen seit dem Jahr 2002 dem Prinzip der sogenannten „Open Innovation“. Hinsichtlich der Herangehensweise an KI bedeutet das laut Rochmann, die Mensch-Maschine-Kollaboration bestmöglich durch einzelne Services zu gestalten, die sich am menschlichen Nutzer orientieren. Deshalb darf laut Rochman eine KI-Lösung bei Xerox keinesfalls als undurchsichtige Blackbox gesehen werden. Vielmehr beteiligt sich Parc gemeinsam mit Institutionen wie Darpa, einer Forschungsbehörde des amerikanischen Verteidigungsministeriums, an der Forschung zu „Explainable AI“, der „erklärbaren KI“, um größtmögliches Vertrauen beim Nutzer aufzubauen und nachhaltig aufrechtzuerhalten. Idealerweise kann dies z. B. dadurch geschehen, dass Algorithmen sich selbst erklären.

„Mit traditioneller KI, bei der alles nach vorbestimmten, festen Regeln erfolgen muss, hat unsere Entwicklung weniger zu tun. Daher ist KI bei Xerox nicht als Produkt, sondern als Service zu verstehen“, stellt Rochman klar. Und ergänzt: „Unsere KI-Architektur vermag dem Menschen, seinen Gewohnheiten und seinem Denken zu folgen, um als qualifizierter Lösungs- und Servicepartner zu dienen.“

Der Treibstoff für KI sind relevante, hochwertige Daten und deren Vernetzung. Wesentlich sind daher auch die Flexibilität und Simplizität bei den Schnittstellen. Für Rochmann ist jedenfalls klar: Mit der neuen KI-Lösung habe Xerox die Chance, sich selbst neu zu erfinden und Wissensarbeit auf ein neues Level zu heben.