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Montag, 22. Januar 2018

Emo 2017

Metallbearbeiter wollen Standard setzen

Von Martin Ciupek | 28. September 2017 | Ausgabe 39

Werkzeugmaschinenbranche bringt Wettbewerber für Industrie 4.0 zusammen.

Selbst bestimmen, wo es bei der Steuerung und Kommunikation zwischen Werkzeugmaschinen hin gehen soll – das wollen deutsche Unternehmen unter dem Dach der Branchenvereinigung VDW. Für den Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken erklärte der Vorsitzende Heinz-Jürgen Prokop vorige Woche auf der Messe EMO: „Ziel ist es, einen Standard für die Anbindung unterschiedlichster Maschinensteuerungen an eine gemeinsame Schnittstelle zu entwickeln und softwaretechnisch zu implementieren.“

Erste Details dazu wurden in Hannover bekannt gegeben. Demnach haben sich mehrere in der Metallbearbeitung tätige Unternehmen auf eine einheitliche Basis verständigt, mit der Daten aus unterschiedlichen Quellen ausgetauscht werden können. Die Daten sollen dann in einem Fertigungsleitsystem oder einer Cloud für Optimierungsaufgaben genutzt werden. „Dies ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von Industrie 4.0, gerade auch im Mittelstand“, stellt Prokop fest.

Prokop weiß allerdings , dass das noch nicht selbstverständlich ist: „Leider zeigen die auf der Messe vorgestellten Entwicklungen, dass insbesondere bei Steuerungen der Trend zu proprietären Ökosystemen anhält.“ Das solle sich nun ändern.

In der ersten Projektphase hatten sich bereits die Maschinenhersteller DMG Mori, Grob, Heller Liebherr-Verzahnungstechnik sowie United Grinding und Trumpf darauf verständigt, Personal und Geld für das gemeinsame Projekt aufzubringen. Inzwischen haben sich auch die Steuerungshersteller Beckhoff, Bosch Rexroth, Heidenhein und Siemens angeschlossen.

So begrüßt beispielsweise Heidenhein die Initative, weil ein einheitlicher Standard bei der Umsetzung von Industrie-4.0-Strategien einiges einfacher machen würde. Ähnlich äußert sich auch Hansjörg Sannwald, CNC-Steuerungsspezialist von Bosch Rexroth: „Industrie 4.0 erfordert eine neue Automatisierungsstruktur. Die tragenden Pfeiler sind verteilte Intelligenz bis in die Feldebene hinein und herstellerübergreifende Konnektivität.“ Sensoren und Aktoren würden sich im Netz eindeutig identifizieren und Zustandsdaten austauschen. Dazu könnten die in Steuerungen abgelegten Programme durch Cloud-basierte Funktionen ergänzt werden.

Konsens herrscht darüber, dass der einheitliche Datentransfer auf Basis des weltweiten Kommunikationsstandards OPC UA (Open Plattform Communications Unified Architecture) erfolgen soll. Dieser umfasst bereits allgemeine Anforderungen wie den sicheren Zugriff auf Komponenten, die Authentifizierung und den bidirektionalen Datenverkehr. Für Prokop ist die Ausgangslage damit klar: „OPC UA legt fest wie kommuniziert wird. Mit der VDW-Initiative soll nun festgelegt werden was kommuniziert wird.“

Der VDW hat es sich zum Ziel gesetzt, im ersten Quartal 2018 einen Grunddatensatz zu präsentieren. Im Rahmen der Standardisierungsprozeduren kann das Dokument anschließend kommentiert werden. Prokop macht aber auch deutlich: „Konsensbildung erfordert Zeit.“ Es gebe viele Bedürfnisse und heterogene Kundengruppen. Deshalb wurde das Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen an der Universität Stuttgart zur externen Moderation der Prozesse ins Boot geholt.

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