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Freitag, 22. Februar 2019

Forschung

Mondgeheul

Von Wolfgang Heumer, Iestyn Hartbrich | 11. Oktober 2018 | Ausgabe 41

Die Pläne der Raumfahrtagenturen für eine Rückkehr zum Mond werden konkret.

BU Gateway
Foto: Nathan Koga for NasaSpaceflight.com

Im Mondorbit: Eine solche Station könnte als Basis für Mondlandungen und bemannte Flüge in den interplanetaren Raum dienen.

Sie könnte wie ein Knochen aussehen und über die Jahre mehrfach ihren Orbit wechseln: Die Mondstation „Gateway“ beschäftigt derzeit die Raumfahrtagenturen wie kein zweites Projekt. Über politische Grenzen hinweg wollen sie – ähnlich wie bei der ISS – gemeinsam den Trabanten erkunden.

Nach einer ersten bemannten Umrundung in fünf Jahren soll das US-amerikanische Raumschiff „Orion“ voraussichtlich 2028 erste Astronauten auf den Mond bringen. „Wir werden nicht nur zum Mond fliegen, sondern auch dort bleiben“, kündigte der neue Nasa-Administrator Jim Bridenstine auf dem International Astronautical Congress (IAC) in Bremen an.

Geplant ist, dass das „Gateway“ den Mond auf einer elliptischen Bahn über die Pole umkreist. ESA-Chef Jan Wörner bezeichnet die aus Modulen zusammengesetzte Infrastruktur als „eine Art Bushaltestelle im All“. Von dort aus sollen autonome, unbemannte Transportvehikel oder bemannte Fahrzeuge zur Mondoberfläche und zurück fliegen. Einwegfähren wie zur Apollo-Zeit soll es nicht mehr geben. „Die Monderkundung der Zukunft wird unter Aspekten der Nachhaltigkeit geplant und durchgeführt“, versprach Bridenstine.

Anders als bei der ISS könnten am Mond auch die Chinesen dabei sein. Derzeit ist der Nasa eine Zusammenarbeit mit der Volksrepublik aus politischen Gründen per Gesetz verwehrt; der Republikaner und frühere Kongressabgeordnete Bridenstine schloss aber nicht aus, dass die Beschränkungen aufgehoben werden könnten. Die Chinesen planen eine eigene Mission, um auf der Rückseite des Mondes zu landen.

Die europäische Raumfahrtindustrie und namentlich deren in Deutschland ansässige Unternehmen können sich Hoffnungen auf eine maßgebliche Beteiligung an der künftigen Erkundung des Mondes machen. Am Rande des IAC traf sich Bridenstine zu Gesprächen unter anderem mit dem Chef des deutschen Standortes von Airbus Defence and Space, Oliver Juckenhövel, sowie mit dem OHB-Vorstandsvorsitzenden Marco Fuchs.

Die Bremer OHB-Ingenieure gelten unter anderem als Experten für Lander und für Erkundungsfahrzeuge – sogenannte Rover – für den Einsatz auf weit entfernten Himmelskörpern. Kurz vor dem IAC war OHB außerdem von dem französischen Raumfahrtkonzern Thalès-Alenia mit einer Studie über die Treibstoffversorgung des Gateway beauftragt worden. Über das Luxemburger Start-up Blue Horizon entwickelt OHB Lebenserhaltungssysteme für den Mond, für Raumfahrzeuge und später auch für den Mars. Insbesondere geht es um den Anbau von Pflanzen. „Die Entdeckung von hunderten Mio. t Wassereis auf dem Mond haben unsere Möglichkeiten dort für Langzeitmissionen deutlich vergrößert“, betonte Bridenstine in Bremen.

Die Airbus-Raumfahrtsparte hat von der ESA den Auftrag erhalten, für zwei potenzielle Module des „Gateway“ Studien zu erstellen, darunter ein Habitat, ähnlich dem europäischen ISS-Labor Columbus, in dem Astronauten leben können. Das zweite Modul, „Esprit“, könnte die Schnittstelle zum von der Nasa bereitgestellten Antriebsmodul der Mondstation sein und eine Schleuse sowie Tankinfrastruktur beinhalten. Die Studien sind auf 15 Monate ausgelegt. „Wir gehen davon aus, dass die Ministerratskonferenz 2019 die Entscheidung über die Implementierung bringt“, sagte Oliver Juckenhöfel auf dem IAC.

Bereits heute bauen die Bremer das Versorgungsmodul für die bemannte Orion-Kapsel. Diese, so die Vorstellung des Unternehmens, könnte genutzt werden, um das „Gateway“ in andere Orbits anzuheben oder abzusenken. „Orion wäre ein temporäres, starkes Antriebsmodul“, sagte Juckenhöfel.

Aber die Airbus-Pläne gehen weiter. „Es wäre wünschenswert, dass wir in Europa wieder ein eigenständiges Transportfahrzeug haben. Seit dem Auslaufen des ATV-Programms können wir in Europa unsere eigene Nutzlast nicht mehr ohne fremde Hilfe in den Weltraum bringen“, sagte Juckenhöfel. Den Aufwand, das auf ATV basierende Orion-Service-Modul in ein eigenständiges Fahrzeug weiterzuentwickeln, bezeichnete er als „relativ gering“. Dieses könne dann als „eine Art Explorations-ATV“ zum Beispiel Mondlauncher wiederbetanken, die zwischen Mond und „Gateway“ hin- und hershutteln.