Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. Februar 2019

Messe IFA 2018

Neue mobile PCs suchen nach Kunden

Von Jens D. Billerbeck | 6. September 2018 | Ausgabe 36

Für PC-Hersteller ist das Leben in Zeiten von Smartphones schwer. Intel will mit neuen Chips Argumente für einen PC-Neukauf liefern.

BU Intel
Foto: Intel Corporation

Einen ganzen Wafer mit den neuen Prozessoren präsentiert Intels Marketingmanager Ran Itzhak Senderovitz.

Schon immer steht die Messe IFA für große, brillante und bunte Fernsehbildschirme, für brillante Klänge, für Innovationen bei Kühlschrank, Waschmaschine, Herd und Co. Doch seit etlichen Jahren steht sie auch für Fortschritte bei mobilen Computern, Tablets und Smartphones.

So war es natürlich kein Zufall, dass kurz vor offiziellem Messebeginn Prozessorprimus Intel geladen hatte: Es galt in der PanAm-Lounge hoch über den Dächern Berlins zwei neue Prozessorfamilien zu präsentieren, die vor allem für den Einsatz in mobilen und schlanken Rechnern entwickelt wurden. Und die rund um den Funkturm mittlerweile sehr präsenten Hersteller dieser Rechner zeigten in den Folgetagen die ersten Produkte rund um die neuen Chips.

Doch der Reihe nach: Josh Newman, General Manager für das Geschäft mit mobilen Computern bei Intel, ordnete den Prozessorfamilienzuwachs ein. Es handelt sich um zwei neue Spielarten der bereits seit gut einem Jahr im Markt befindlichen achten Generation der sogenannten Core-Prozessoren. Intern wurden sie bisher mit den Namen Whiskey Lake und Amber Lake gehandelt, künftig werden sie durch den Zusatz U bzw. Y zur vierstelligen Typnummer charakterisiert. Ein von manchen erwarteter erneuter Generationssprung (auf die dann neunte Generation) fand also mit dieser Ankündigung nicht statt. Hauptfokus bei der Entwicklung waren laut Newman vier Faktoren: Die Rechenleistung, die Kommunikationsfähigkeiten, die Batterielaufzeit und schlanke, elegante Formfaktoren der PCs, in denen die neuen Prozessoren eingesetzt werden.

Was aber können die neuen Chips? Ran Itzhak Senderovitz, Marketingchef für Intels Mobilprodukte, präsentierte die Eckdaten. Die neue U-Familie besteht aus einem Zwei-Kern- und zwei Vier-Kern-Chips, die alle für maximal 15 W Verlustleistung ausgelegt sind. Sie beherrschen Gigabit-WLAN und beinhalten digitale Signalprozessoren für die immer beliebter werdende Sprachsteuerung. Die drei Mitglieder der Y-Familie haben allesamt Zwei-Kern-Chips mit nochmals reduzierter Leistungsaufnahme (5 W) und eingebauter schneller WLAN- bzw. LTE-Kommunikation. Ihr Zielmarkt sind besonders dünne und leichte Laptops und 2-in-1-Rechner mit langer Batterielaufzeit.

Foto: Dell

Vielgestaltig: Auch Dell präsentierte mit dem Inspiron 7000 auf der IFA ein 2-in-1-Notebook mit den neuen Intel-Chips.

In verschiedenen Anwendungsszenarien lieferte Senderovitz Vergleiche, wie viel mal schneller Systeme mit den neuen Chips sind verglichen mit fünf Jahre alten PCs. Im Kleingedruckten fand sich stets der Hinweis, dass die entsprechenden Tests Anfang August stattgefunden hätten und möglicherweise nicht alle öffentlich verfügbaren Sicherheitsupdates berücksichtigen. Ein dezenter Hinweis darauf, dass die Behebung von neu auftretenden Sicherheitsproblemen – wie sie z. B. im Januar unter den Namen Meltdown und Spectre bekannt wurden waren – Leistung kosten kann.

Dennoch: Bis zu zwölfmal schnellerer Download, bis zu 16 h Batterielaufzeit, bis zu zehnmal schnelleres Videorendering oder doppelte Spieleperformance sind zumindest Hausnummern, die eine Orientierung geben sollen und sicher in den nächsten Wochen durch konkrete unabhängige Tests präzisiert werden.

PC-Hersteller und Intel als einer ihrer wichtigster Zulieferer haben es nicht leicht. Immerhin hat das Marktforschungsunternehmen Gartner für das zweite Quartal 2018 ein leichtes Wachstum der weltweiten PC-Absätze um 1,4 % gegenüber dem Vorjahr auf 62,1 Mio. Stück festgestellt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Das war das erste Wachstum seit 2012. In Deutschland ist die Lage nicht besser: 2,1 Mio. PCs wurden im zweiten Quartal abgesetzt, 2,6 % weniger als im Vorjahr. Hier ist das Geschäft mit dem privaten Kunden besonders gebeutelt, es ging um 17,5 % zurück, während Firmenkunden 7,3 % mehr PCs orderten als im Vorjahr.

Mikako Kitagawa, Principal Analyst bei Gartner: „Die Verbraucher nutzen ihre Smartphones für immer mehr alltägliche Aufgaben, wie Social Media, Kalender, Bankgeschäfte und Einkäufe. Dadurch reduziert sich die Nachfrage und der Bedarf an PCs.“ Zudem werden PCs im Haushalt immer länger genutzt, seit der Übergang auf neue Systeme wie Windows 10 auch auf älteren Systemen möglich ist.

Also brauchen die PC-Hersteller Argumente, um ihre Geräte an den Kunden zu bringen. Acer-Chef Jason Chen: „Wir nutzen alle die gleichen Komponenten, also müssen wir uns durch eigene Entwicklungen differenzieren.“ Im Falle Acers ist das z. B. ein ausgetüfteltes Design der Prozessorkühlung und die Nutzung neuer Materialien wie Lithium und Magnesium für das Gehäuse. Das führt im Falle des neuen Swift 5 zu einem Gewicht von unter 1 kg – bei 14“ bzw. 15“ Bildschirmgröße. Natürlich nutzt dieses laut Chen „leichteste 14-Zoll-Notebook der Welt“ die neuen Intel-Chips.

Bei Lenovo stecken sie u. a. im Yoga C930. Das kompakte 2-in-1-Gerät wirbt mit einer komplexen Mechanik, die dafür sorgt, dass die Lautsprecher der eingebauten Dolby-Atmos-Audiotechnologie stets optimal auf den Nutzer ausgerichtet sind, egal, wie Bildschirm und Tastatur geklappt werden.

Foto: Lenovo

Pfiffige Mechanik: Egal wie das Yoga C930 betrieben wird, die Soundbar richtet den Klang immer exakt auf den Nutzer aus.

Weitere PCs mit den neuen Intel-Prozessoren zeigten auf der IFA auch Dell und Asus. Und von Microsoft kam die Nachricht, dass es im Oktober das nächste große Update für Windows 10 geben werde.