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Samstag, 20. Januar 2018

Parkettnotizen

Peso als Wahlbarometer

Von Stefan Wolff | 27. Oktober 2016 | Ausgabe 43

Auch nach der letzten TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten hat sich an den Devisenmärkten ein Trend bestätigt: Wenn Donald Trump schwächelt, dann stärkt das den mexikanischen Peso. Beim politischen Schlagabtausch über drei Runden haben die Devisenhändler Hillary Clinton als Punktsiegerin ausgemacht.

 Schon zuvor hatten Trumps verbale Ausrutscher für Schwung beim Peso gesorgt.

Für die mexikanische Wirtschaft wäre ein US-Präsident namens Donald Trump der personifizierte Albtraum. Das Land ist eng mit den USA verbunden und bildet mit Kanada als Drittem im Bunde das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. So genießt Mexiko im Handel mit den USA und Kanada weitgehende Zollfreiheit. Außerdem sind durch das Abkommen einige Arbeitsrechte geregelt. Diese Vorteile stehen auf dem Spiel. Denn Donald Trump hat erneut angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs sämtliche Handelsabkommen aufzukündigen. Außerdem will er eine Mauer an der Grenze zu Mexiko ziehen. Mit der Idee von freiem Handel wäre das nicht vereinbar. Mexiko könnte buchstäblich der Zugang zum amerikanischen Markt verbaut werden. Kein Wunder also, das immer dann, wenn Trump in den Umfragen Oberwasser hatte, beim Peso landunter war.

Die Reaktionen auf das politische Klima waren selten so stark wie vor dieser Wahl. Besonders die politisch motivierten Devisenschwankungen machen deutlich, wie viel auf dem Spiel steht. Wahlkampf als Handelsratgeber. Der Peso fungiert als Wahlbarometer.

Auch wenn aktuell vieles für eine Siegerin der Präsidentenwahl spricht, sind die Unsicherheiten natürlich noch lange nicht beseitigt. Nicht nur für Mexiko steht viel auf dem Spiel. Abschottung und Protektionismus auf-seiten der USA können den gesamten Handel mit Lateinamerika gefährden. Auch die europäisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen könnten unter einer Trumpschen Politik leiden. Schließlich regeln viele Länder jetzt schon ihre Handelsbeziehungen über bilaterale Abkommen. Konsequenterweise müssten die USA nämlich auch aus der Welthandelsorganisation WTO austreten. Unter diesem Dach wurden zahlreiche Zollbeschränkungen abgeschafft und gemeinsame Standards beschlossen. Zudem gibt es Streitschlichtungsverfahren.

An den Börsen wird zunehmend die Statistik bemüht, um Wahlargumente gegen Trump zu finden. In Jahren demokratischer Präsidentschaft hat die Börse stets deutlich stärker zugelegt, als in Zeiten, in denen Republikaner das Weiße Haus bewohnten. Außerdem setzt die Börse stets auf das Bewährte. Gewinnt die amtsführende Partei erneut, dann steigen regelmäßig die Kurse. Bei einem Wechsel geben sich die Aktienmärkte erst einmal ernüchtert. Die Kurse fallen.

An den Finanzmärkten und in Mexiko dürften also die meisten Beobachter Hillary Clinton die Daumen drücken. An den wenigen verbleibenden Wahlkampftagen wird es weiter turbulent zugehen.  cb

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