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Samstag, 20. Januar 2018

Automobil

Pfiffige Ideen aus der Nische

Von Peter Kellerhoff | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Universalfahrzeuge und modulare Produktion – abseits des Mainstreams entstehen vielfältige Elektromobil-Konzepte.

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Foto: TUM

Das Allzweckfahrzeug für die Sahara: Das geländegängige aCar der TU München lässt sich durch Module dem Einsatzzweck anpassen.

Die TU München (TUM) stellte kürzlich auf der IAA in Frankfurt mit dem aCar ein elektrisches Nutzfahrzeug vor, das für Aufgaben in der Subsahara entwickelt wurde. Vier Jahre lang haben die Wissenschaftler am Projekt „aCar mobility – Ländliche Mobilität in Entwicklungsländern“ gearbeitet. Das Ergebnis ist ein lastenfähiges, geländegängiges Fahrzeug. Es ist 3,7 m lang, 1,5 m breit und 2,1 m hoch und soll bei einem Leergewicht von 800 kg noch weitere 1000 kg zuladen können.

Das Fahrzeug verfügt über E- und Allradantrieb, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 60 km/h, was für die überwiegend nicht asphaltierten Straßen in der Subsahara ausreicht. Die Batteriekapazität von 20 kWh erlaubt laut den Entwicklern eine Reichweite von 80 km, wobei der Akku an einer normalen Haushaltssteckdose mit 220 V innerhalb von 7 h vollständig geladen werden könne. Überdies versorgten Solarmodule auf dem Dach das Fahrzeug mit zusätzlicher Energie.

Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass das Modell auch für den europäischen Automobilmarkt interessant sein könnte. Der Preis soll langfristig unter 10 000 € liegen. Markus Lienkamp, Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TUM, weist darauf hin, dass „der modulare Aufbau verschiedene Nutzungen erlaubt.“ Module gibt es z. B. für die medizinische Versorgung, die Trinkwasser- und Energieversorgung sowie Bildungsmaßnahmen. Die Batterie dient dabei als Energiequelle. An sie können auch Verbraucher wie etwa eine Seilwinde angeschlossen werden. Mit weiteren Modulen könnte das Fahrzeug auch in eine mobile Arztpraxis oder Wasseraufbereitungsstation verwandelt werden.

Modularer Aufbau, Konzept und Produktion des aCar sind mittlerweile typisch sind für viele E-Fahrzeuge der neuen Generation. Rainer Müller vom Lehrstuhl für Montagetechnik an der RWTH Aachen ist überzeugt: „Wenn man das Ganze vom Ende her denkt, glaube ich, dass sich intelligente Produktarchitekturen und aufbauend darauf auch sehr effiziente Produktionsstrukturen realisieren lassen.“

Darauf setzt auch BMW beim neuen elektrischen 3er-BMW, der Teslas Model 3 Konkurrenz machen soll. Dafür wurde unter der Bezeichnung Cluster Architecture (CLAR) ein modularer Baukasten für Verbrenner wie für E-Antriebe gleichermaßen konzipiert. Er besteht aus einem Materialmix aus konventionellem Stahl und leichten kohlefaserverstärkten Kunststoffen.

Auch in das Fahrzeug verbaute Solarmodule finden zunehmend Verbreitung. Das Münchner Start-up Sono Motors stellte einen Prototyp namens Sion vor, der 330 Solarzellen auf dem Dach, den Türen und der Motorhaube unterbringt. Damit soll das Elektrofahrzeug zusätzliche 30 km Reichweite zu seiner normalen Reichweite von 250 km bekommen können. Das 80-kW-Fahrzeug soll eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen.

Bei diesem Modell kann der Fahrer der Batterie Strom entnehmen und über eine Smartphoneapp anderen Fahrern anbieten. Ohne Batterie soll das E-Auto 16 000 € kosten, die Batterie soll zur Miete oder zum Kauf für rund 4000 € angeboten werden. Ab 2019 könnte Sion in Serie gehen, falls bis dahin 5000 Vorbestellungen vorliegen.

Mercedes-Benz hingegen zeigte auf der IAA ein Vorserienmodell seines Brennstoffzellenfahrzeugs GLC F-Cell, das Brennstoffzellen- mit Batterietechnik kombiniert. Der Plug-in-Hybrid emittiert ausschließlich Wasserdampf und steht kurz vor der Serienfertigung. Die Reichweite des GLC F-Cell soll 500 km betragen, der Auftankvorgang soll binnen drei Minuten erledigt sein.

Den Entwicklern gelang es, den Bauraum gegenüber früheren Modellen um 30 % zu reduzieren und die Systemleistung um 40 % zu steigern. Als Energiespeicher für den E-Motor dient eine 9-kWh-Lithiumionenbatterie. Sie erlaubt es dem Fahrzeug, beim Bremsen Energie zurückzugewinnen. Bislang gibt es in Deutschland allerdings erst 34 Wasserstofftankstellen.

Volkswagen hingegen präsentierte ein Paketzustellungskonzept, das die Wolfsburger mit der DHL entwickelt haben: Mit dem Dienst „We by Volkswagen Deliver“ können sich Kunden Pakete direkt in den Kofferraum liefern lassen – etwa auf dem Büroparkplatz. Bei der Bestellung in ausgesuchten Onlineshops, darunter auch Amazon und Outfittery, können sie sich ein zweistündiges Wunschzeitfenster auswählen, in dem ihr Fahrzeug für den Zusteller zugänglich geparkt sein muss.

Gefunden wird das Fahrzeug anhand der GPS-Daten, der Paketzusteller erhält einen einmaligen Zugang zum Kofferraum. Auch Retouren oder frankierte Pakete kann er gleich mitnehmen. Das Projekt soll zunächst in Berlin ab September sieben Monate lang laufen.

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