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Montag, 22. Januar 2018

Automation

Produkte und Daten effizient verarbeiten

Von Simone Fasse | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Um Fertigungsprozesse effizienter zu gestalten gilt es für Unternehmen Daten in Echtzeit zu analysieren. Ansätze zeigte ein Produktivitätskongress in München.

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Foto: MPS

Zugriff auf Echtzeitdaten: Gut aufbereitete Informationen helfen den Mitarbeitern in der Produktion Veränderungen in den Prozessen zu bewerten.

Mit einer deutlichen Warnung eröffnete Franz Gruber, Geschäftsführer von Forcam, einem Anbieter von Lösungen für die Fertigungssteuerung und -optimierung, den Produktivitätskongress FIT in München: „Ich komme gerade aus China und den USA. Dort legt man bei Intelligent Manufacturing ein unglaubliches Tempo vor.“ Grubers Appell lautete deshalb: „Wir müssen deren Tempo mithalten!“

Viele Unternehmen in Deutschland, so beobachtet der Manager, sehen Digitalisierung, Industrie 4.0 und Smart Factories noch immer skeptisch. Doch aus seiner Sicht gibt es keine Alternative zu einer intelligenten Vernetzung des Shopfloors. „Die smarte, digital gesteuerte Fabrik ist keine Modeerscheinung, sondern ein Megatrend. Wer ihn nicht mitgeht, wird vom Markt verschwinden“, ist Gruber überzeugt.

Nicht nur aus seiner Sicht führen ein klarer Fahrplan sowie Industrie-4.0-Technologien zu deutlichen Produktivitätssteigerungen. Sein Unternehmen löst das beispielsweise mit der Forcam Force Plattform, einer Plattform für das industrielle Internet der Dinge. Damit werden Daten in Echtzeit ausgewertet und – wie es Gruber ausdrückt – „aus Big Data Smart Data gemacht“. Damit könnten Fabriken grenzüberschreitend in Echtzeit gesteuert werden, die gesammelten Kennzahlen werden visualisiert und damit für die verantwortlichen Mitarbeiter besser nutzbar gemacht. Forcam fungiere dabei als Integrator mit einer Cloud-fähigen Technologie.

Microsoft, Anbieter der Cloud-Plattform Azure, arbeite mit Forcam zusammen, um mittelständischen Kunden und Großunternehmen gleichermaßen durchgängige Lösungen anzubieten und Geschäftsabläufe zu optimieren.

Der Wettbewerb wird härter. Durch die Internationalisierung in der Fertigungsindustrie steigt nicht nur der Preisdruck, auch die Konkurrenz wächst durch neue digitale Geschäftsmodelle. Auswertungen von Detaildaten aus der Fertigung sind deshalb für viele Produktionsexperten inzwischen ein Muss – nicht nur, um die Produktivität zu steigern, sondern auch um Ansätze für weitere Prozessverbesserungen auf strategischer Ebene zu identifizieren.

„Global agierende Unternehmen können über Azure werksübergreifende Auswertungen fahren“, erläuterte Robert Nahm, Industry Manager Automotive Sector bei Microsoft Deutschland. Aber auch kleine und mittlere Unternehmen könnten damit den Einstieg in die Industrie 4.0 schaffen. Dabei helfe unter anderem die Skalierbarkeit der Plattform.

Der Einwand aus dem Publikum ließ nicht lange auf sich warten: Man habe Azure bei einigen Maschinen eingesetzt, sei aber von den dann angefallenen hohen monatlichen Kosten überrascht worden, erklärte ein Teilnehmer des Kongresses. Nahm hielt dagegen, dass er es für sinnvoll halte, immer zunächst klein anzufangen und die betreffenden Szenarios zu prüfen, um eine passende Lösung zu entwickeln. Edge Devices, also Geräte die schon vor Ort Auswertungen durchführen können, würden dafür immer wichtiger. Denn wenn die Daten erst von der Maschine in die Wolke geschickt und dort zentral verarbeitet würden, ginge wertvolle Zeit verloren und Ressourcen würden verschwendet.

Das hat auch Einfluss auf die Arbeitsplätze, sie werden mobiler. „Es geht hin zur Intelligent Cloud und Intelligent Edge Devices, die vor Ort rechnen können und lokale Algorithmen haben“, erklärte Nahm. Damit verändern sich auch die Aufgaben der Cloud immer weiter.

Am Beispiel eines Projekts mit der Telematikplattform Openmatics von ZF zeigte Nahm, dass in enger Zusammenarbeit und Vorbereitungen mit dem Anwender und dessen Entwicklern bereits in wenigen Stunden und Tagen erste Ergebnisse sichtbar werden können. Unterstützt wurde das vor Ort durch Workshops. Dazu wurde klein gestartet und dann hochskaliert.

Wie eine Effizienzsteigerung mithilfe gut strukturierter Daten in Presswerken gelingt, skizzierte Uwe Schwellinger von Daimler. Über die erfassten Betriebsdaten können etwa die Anlagenverfügbarkeit und die Ausbringung gesteigert werden, außerdem haben sich die Informationen zur Anlagenwartung und Instandhaltung deutlich verbessert, so Schwellinger.

Die Karosseriepressen und ihre Betriebszustände würden dazu vollständig sensorisch überwacht. Voraussetzung sei, dass die Erfassung automatisch erfolge, die Daten direkt an der jeweiligen Maschine bereitgestellt würden und es offene Schnittstellen zur Anbindung weiterer Teile im Maschinenpark gebe. „Wir müssen alle Systeme auf den Wandel einstellen. Dieser Wandel wird immer schneller und führt zu einer kontinuierlichen Verfeinerung und Verbesserung“, sagte Schwellinger.

Auch aus der Controllingperspektive, die der dafür zuständige Vice President Josef Trettenbach für den Zulieferer Grammer einbrachte, lohne sich die Erfassung und Auswertung von Echtzeitdaten. Nur so entstehe die nötige Transparenz als Basis für schnelle Entscheidungen auf allen Ebenen. Dabei lag speziell bei Grammer die Herausforderung in der Vernetzung der komplexen ERP- und Produktionssysteme und weniger im Controlling. Doch die Ergebnisse sprechen laut Trettenbach für sich, denn nur die Verbesserungen an Produkten und Prozessen bringen tatsächlich auch höhere Erträge. Ein weiterer Effekt: Weil Controller und Maschinenbediener auf dieselbe Datenbasis zugreifen, verstehen sie sich besser.  

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