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Freitag, 22. Februar 2019

Windenergy

Raus aus der Kuschelzone

Von Stephan W. Eder | 27. September 2018 | Ausgabe 39

Die weltgrößte Messe der Branche öffnete am Dienstag in Hamburg ihre Pforten. „Wir werden erwachsen“, ist die Botschaft.

w - Windenergy BU
Foto: imago/Chris Emil Janßen

Steife Brise: Zum Start der Messe Windenergy in Hamburg, der größten Branchenveranstaltung weltweit in diesem Jahr, ging es auch um die Sektorenkopplung mit Gas, Wärme und Elektromobilität. 

Thorsten Herdan, Abteilungsleiter für den Bereich Energiepolitik – Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium, forderte am Dienstag in Hamburg zum Auftakt der Messe Windenergy die Industrie auf, zwei wichtige positive Botschaften zu senden. Die erste sei, dass die Branche die Technologieentwicklung vorantreibt, um die Kosten zu senken. Das habe sie inzwischen weltweit gezeigt.

Die zweite sei, dass die Windkraft mit den Flexibilitätsanforderungen der Energiewende kompatibel sei. „Weltweit glaubt eine Menge Politiker nicht, dass das gelingen kann“, sagte Herdan. Diese wollten alte Grundlast mit neuer Grundlast ersetzen. Das aber, so macht Herdan deutlich, funktioniere bei der geplanten Energiewende nicht. „Windkraft und Energienetze müssen zusammengehen.“ Damit meinte er nicht die Stromnetze, sondern die Sektorenkopplung, also Windenergie zusammen mit Gasnetzen, Wärmenetzen und der Ladesäuleninfrastruktur für die Elektromobilität.

„Die Windindustrie ist dabei, aus der Subventionsecke zu kommen“, sagte Andreas Schröter, Geschäftsführer der deutschen Energiesparte von DNV GL mit Sitz in Hamburg. „Weltweit ist die Windkraft inzwischen bei Kostenparität angekommen. Vielleicht muss das die Branche auch einfach nur besser verkaufen.“

Das war der Tenor auch anderer Redner. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, erklärte, Wind erzeuge derzeit 5 % des gesamten Stroms weltweit, doch das Potenzial sei höher. „Bei weiter sinkenden Kosten und entsprechenden politischen Weichenstellungen könnte Wind in den nächsten Jahrzehnten zur wichtigsten Energiequelle der Welt werden.“

Ein Beispiel, wie die Windkraftbranche beginnt, sich mit den anderen Energiesektoren zu koppeln, zeigt der Auricher Anlagenhersteller Enercon. Seit zwei Jahren entwickelt er eine eigene Infrastruktur für die Elektromobilität mit Ladesäulen, Schnellladefähigkeit und entsprechender Kopplung an das Stromnetz. „Die Netzkomponenten dazu entstammen aus unseren Windkraftanlagen“, sagte Enercon-Sprecher Felix Rehwald. Pilotanlage und erste Projekte gibt es.

Die Norddeutschen engagieren ebenso bei Lösungen zur Kopplung mit dem Gassektor – Power-to-Gas – und bei Power-to-Heat im Bereich von Nahwärmenetzen. Der Anlagenhersteller versucht sich so vom Wettbewerb zu differenzieren. Bei der aktuellen Debatte um die Anpassung der Produktionskapazitäten hilft das noch nicht, droht doch der deutsche Markt für Neuinstallationen von 5 GW im Jahr 2017 auf 2 GW oder weniger einzubrechen.

Der rückläufige deutsche Markt ist hausgemacht, zeigt ein Blick auf die globale Entwicklung. „Der Zug zu den erneuerbaren Energien rollt und ist nicht mehr zu stoppen“, sagte Schröter. Schon 2027 werde jedes zweite in Europa neu zugelassene Auto ein Elektromobil sein, Windkraft ist diejenige Form erneuerbarer Energien, die in Zukunft die Hauptlast weltweit tragen soll. 10 % pro Jahr würden die Neuinstallationen weltweit wachsen, so Schröter. Das bedeute alle sieben Jahre eine Verdoppelung .