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Mittwoch, 17. Januar 2018

Energiespeicherung

„Raus aus der Stromdenke“

Von Heinz Wraneschitz | 3. November 2016 | Ausgabe 44

Die Energiewende muss auf den drei Sektoren Elektrizität, Wärme und Verkehr koordiniert stattfinden. Speicher sind die Koppelelemente dafür.

w - Speicher BU
Foto: LAVA Laboratory for Visionary Architecture Berlin GmbH

„Energie- und Zukunftsspeicher“, so nennen die Stadtwerke Heidelberg den großen Tank, der künftig überschüssigen Ökostrom in Form von Wärme speichern soll. Im Bild der Entwurf des Berliner Büros LAVA, nach dem die Anlage gebaut werden soll.

Sogar mit Uniper sind wir komischerweise einer Meinung. Und bei ‚Zukunft Erdgas‘ sieht man das genauso: Bis 2030 müssen wir aus der Kohle raus“, sagt Marcel Keiffenheim, Politik-Leiter von Greenpeace Energy. Warum der Eon-Ableger und die Initiative der deutschen Gaswirtschaft inzwischen mit dem Ökoenergieanbieter Gemeinsamkeiten hat, glaubt er zu wissen: „Wenn man das Pariser Klimaschutzabkommen ernst nimmt, ist eine vollständige Dekarbonisierung bis 2040 notwendig.“

Das bedeutet für Deutschland: Öl und Gas müssen durch erneuerbare Energiequellen abgelöst werden. Das aber, so machte Greenpeace-Manager Keiffenheim letzte Woche in Würzburg auf der VDI-Fachkonferenz „Wirtschaftliche Energiespeicher für Wärme, Strom und Mobilität“ deutlich, gelinge nur dann auch schnell genug, wenn die Sektoren gekoppelt werden. Und dazu brauche es Energiespeicher – nicht nur Batterien.

Greenpeace Energy sieht den Masseneinsatz von Elektrolyseuren als einen ganz wichtigen Schritt: Sie wandeln überschüssigen Ökostrom, vor allem aus Windkraft, in Wasserstoff um. Der lässt sich – über eine Mitverbrennung in Gaskraftwerken – wieder rückverstromen, oder aber auch für die Wärmeerzeugung nutzen.

Power-to-Gas (P2G) nennen sich diese Verfahren. Damit der Ausbau dieses von Greenpeace „WindGas“ genannten Speicherprodukts vorankommt, hat der Ökostromanbieter vor wenigen Tagen gemeinsam mit den Stadtwerken Hassfurt in Unterfranken einen Elektrolyseur in Betrieb genommen.

Dass man „viel mehr die bestehenden Erdgasspeicher nutzen“ müsse, fordert Konferenzleiter Michael Sterner von der Technischen Hochschule Regensburg schon lange. Jetzt ist das wohl auch bei der Energiewirtschaft angekommen. Beispiel: Uniper Energy Storage. Die Firma hieß früher Eon Gas Storage und betreibt inzwischen mehrere P2G-Anlagen. Das Produkt der Windstromelektrolyseure nennt Uniper ebenso wie Greenpeace „WindGas“. Die dafür notwendigen Speicher seien eben jene für Erdgas; 500 000 km an Gasleitungen lägen bereits quer durch Deutschland.

Noch fehle „das wirtschaftliche Argument“, sagt René Schoof, CEO von Uniper Energy Storage. Er sieht den Markt reif für das WindGas, wenn man mit Ethanol konkurrieren könne: Statt die Beimischung für Kraftstoffe in Bioqualität aus Südamerika zu importieren, könnte WindGas in Raffinerien zugesetzt werden, so Schoof. Hierfür aber müssten Bundesregierung und EU den gesetzlichen Rahmen ändern, denn derzeit macht nach seinen Angaben allein die EEG-Umlage rund ein Drittel der Stromkosten für eine Power-to-Gas-Anlage aus.

Schoof forderte – ebenso wie Keiffenheim – in Würzburg: „Wir müssen raus aus der Stromdenke!“ Das will auch Michael Teigeler, Energie-Geschäftsführer der Stadtwerke Heidelberg, beispielhaft mit dem gerade entstehenden „Energie- und Zukunftsspeicher“ umsetzen.

In dem 45 m hohen Tank wird zunächst nur das Wasser von Holz- oder Gaskraftwerken erhitzt. Die werden dadurch flexibler laufen können. Geplant ist aber auch „Power-to-Heat“ (P2H): ein Elektrodenkessel, der kostengünstigen Überschuss-Wind- oder Solarstrom in Wärme umwandeln kann. Laut Teigeler kommt auf das Dach des Speichers ein Bistro mit Dachterrasse und außenrum eine Hula-Hoop-artige Verkleidung, die immer in Bewegung sei.

Der Verkehrssektor ist ebenso in Bewegung, wurde auf der VDI-Tagung deutlich, so mit der Idee, mit selbst erzeugtem Ökostrom Pkw oder Lastwagen zu betreiben. Für dieses Konzept bekommt zum Beispiel Franz-Josef Feilmeier, Chef des niederbayerischen Ingenieurdienstleisters Fenecon, viel Zuspruch. Die Spedition Gress+Zapp aus Dessau hat angefangen, die Vorstellung umzusetzen, mittelfristig mit eigenerzeugtem Strom eine Fahrzeugflotte zu betreiben.

Marco Schmidt, Planer bei Pfenning Elektroanlagen aus Ochsenfurt: „Gress+Zapp erwartet eine CO2-Flottenbegrenzung, zum Beispiel für Fahrten in Innenstädte. Und die Spedition sucht ein Versorgungskonzept für die Zukunft.“

Inzwischen stehen in Dessau bereits Lithium-Ionen-Stromspeicher mit 500 kW Leistung und 500 kWh Energieinhalt in zwei Containern auf dem Gelände, Solarstromanlagen mit mehreren 100 kW auf den Dächern und auf Nachführgestellen. 52 % des im Betrieb verbrauchten Stroms werden so bereits selbst erzeugt, so Schmidt. Genutzt werde der Solarstrom auch von mehreren Lkw und Kleintransportern mit Elektroantrieb. Außerdem sei die Spedition dabei, die Heizung auf ökostrombetriebene Wärmepumpen umzustellen.swe

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