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Mittwoch, 20. Februar 2019

Informationstechnik

Rechner kommt zum Strom

Von Ariane Rüdiger | 27. September 2018 | Ausgabe 39

Ein Rechenzentrum im Fuß einer Windenergieanlage, wo der nötige Strom direkt von oben kommt? Eine Testanlage im Windpark Asseln zeigt Chancen für strukturschwache, aber windreiche Regionen auf.

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Foto: WestfalenWIND IT

Das Eckige im Runden: Die vier Schränke für die IT fügen sich in den Fuß der Enercon-115-Windkraftanlage ein, deren dicke Wände guten Schutz bieten.

Was liegt näher, als zu versuchen, Energieverbraucher dorthin zu bringen, wo die Energie entsteht. Denn nur, wenn der Verbrauch nahe beim Erzeuger anfällt, lässt sich der Bedarf an neuen, teuren Leitungen reduzieren, die immer wieder für politische Diskussionen sorgen.

Doch welche Energieverbraucher passen zu einer schönen Landschaft und zu einer Energieform, die nicht vorhersehbar und kontinuierlich zur Verfügung steht? Zum Beispiel Rechenzentren mit Batterie-Back-up. Dieses Konzept vertritt schon seit 2011 Gunnar Schomaker, der heute am Software Innovation Campus Paderborn der Universität Paderborn tätig ist. Doch bis diese Idee umgesetzt werden konnte, dauerte es einige Jahre. Hier kommt der Windenergieerzeuger Westfalenwind mit seinem Tochterunternehmen Westfalenwind IT ins Spiel. Eine der Anlagen des Windparks Asseln ist nun Versuchsobjekt: In der Enercon-115-Windturbine mit 3 MW Leistung und einem unteren Durchmesser des Turms von 13 m befindet sich das erste Kollokationsrechenzentrum, das seinen Strom direkt aus dem darüber befindlichen Windrad bezieht. Und das auch bei Schwachwindphasen. Patrick Georg, Projektleiter Bau Windparks bei Westfalenwind erklärt: „Der Strom reicht auch bei Schwachwind zu 90 % aus, um die Anlage zu powern.“ Fördermittel beantragte Westfalenwind IT nicht, das Projekt wurde vollständig aus Eigenmitteln finanziert.

An der Qualität des Rechenzentrums wurden wegen des ungewöhnlichen Standorts keine Abstriche gemacht: Es entspricht in allen Belangen den Anforderungen der sogenannten Tier-III-Zertifizierung und geht teilweise darüber hinaus. Als Kollokationsrechenzentrum dient es den Kunden von Westfalenwind IT als sicherer Standort für ihre eigenen und in Eigenregie betriebenen IT-Systeme – die Infrastruktur einschließlich der Schränke stellt Westfalenwind IT. Die Systeme stecken in tresorähnlichen Schränken des Herstellers ProRZ, die Blei-Gel-Akkumulatoren können 20 min bis zu einem geordneten Abschaltvorgang überbrücken.

Inzwischen denkt Westfalenwind IT darüber nach, RZ-Prototypen für weitere Windenergie-Anlagentypen zu entwickeln, die sich deren Platzangebot anpassen.

Das ist in der Enercon 115 besonders großzügig: Die Kühlung passt bis auf einen draußen angebrachten Rückkühler zusätzlich zu den derzeit vier IT-Schränken mit je 15 MW Anschlussleistung ebenfalls noch in den vorhandenen Raum. Und das ist noch nicht alles, es steht ein Ausbau auf 40 bis 50 konventionelle Racks an. Denn das RZ kann bei Bedarf die gesamten 3 MW, die das Windrad erzeugt, für sich nutzen.

Die Energieeffizienz schätzt Fiete Dubberke, Geschäftsführer von Westfalenwind IT auf recht gute 1,2. Das heißt: Die Kühlung verbraucht bei diesem Fall nur 20 % mehr Strom als die IT an sich. Dubberke betont aber, dass sich belastbare Aussagen erst nach einer längeren Betriebsdauer machen lassen.

Angebunden ist das RZ über eine 1-Gbit/s-Glasfaser der Deutschen Telekom vom Provider Innofactory, dazu kommt eine Richtfunkverbindung. Stromtechnisch gibt es zwei separate 110-kV-Anbindungen an Westnetz und Avacon.