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Samstag, 20. Januar 2018

Kommentar

Schlappes Drehbuch

Von Regine Bönsch | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Die Russen sind an allem Schuld. So einfach ließe sich aktuell eine internationale IT-Sicherheitsstory zusammenfassen, die, definitiv in Schwarz-Weiß gedreht, im Berlin der 1950er-, 1960er-Jahre spielen könnte – gespickt mit breiten Schlapphüten ... wäre da nicht neueste IT-Technik im Spiel.

Regine Bönsch, Ressortleiterin, fordert mehr Belege im heißen Cyberkrieg um Kaspersky.

Sie macht aus dem stetig anwachsenden kalten Cyberkrieg einen ziemlich heißen – zumindest für den russischen Virenschutzexperten Kaspersky. Worum geht es? Laut New York Times sollen israelische Spione russische Spione beim Ausspionieren von amerikanischen Spionen erwischt haben. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht – zumindest nicht für die Amerikaner. Dem Geheimdienst NSA seien damals – im Jahr 2015 – diverse, hochbrisante Werkzeuge abhanden gekommen. Das (vermeintliche) Tatwerkzeug: Antivirensoftware von Kaspersky, die Computer von US-Behörden nach sensiblen Informationen und Codenamen für Programme von US-Geheimdiensten durchsucht haben soll.

Offizielle Belege dafür gibt nicht; so wachsen die Spekulationen gen Himmel. Da mutmaßt der eine, dass Eugene Kaspersky, der beim KGB gelernt hat, mit der russischen Regierung unter einer Decke stecke, während andere verkünden, der IT-Sicherheitsspezialist könne selbst Opfer eines Hacks geworden sein.

Das Resultat: Allen US-Behörden wurde die Nutzung von Kaspersky-Produkten untersagt. Die Wettbewerber – übrigens mehrheitlich aus den USA und Israel – verzeichnen schon jetzt verstärkte Nachfragen nach ihren Produkten.

Kaspersky wiederum wähnt sich in geopolitischen Mühlen und hat angeboten, seinen Quellcode offenzulegen, was der Öffnung eines seiner größten Betriebsgeheimnisse gleichkommt. Doch, so verriet letzte Woche ein Forscher den VDI nachrichten auf der Messe IT-SA: Den wollte bislang noch niemand haben. Also doch alles nur Fake News – frei nach Trump & Konsorten?

In diesem aufgeheizten Spionagefilm wirken die Reaktionen der Hackerszene erfrischend nüchtern. Der Ball sei jetzt bei den Amerikanern, die erst mal unter Beweis stellen müssten, dass an den israelischen Entdeckungen etwas dran sei, schreibt beispielsweise Hacker Mohit Kumar in einem Kommentar. Wir alle ahnen: Dieser Thriller hat noch weitere Folgen.

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