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Donnerstag, 21. März 2019

Parkettnotizen

Schöne neue Indexwelt

Von Stefan Wolff | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Wenn am kommenden Montag die ersten Kurse auf den Monitoren erscheinen, dann ist die Commerzbank nicht mehr erste Liga. Das „Gründungsmitglied“ ist dann aus dem Deutschen Leitindex Dax in den M-Dax, dem Index der wichtigsten Nebenwerte, abgestiegen.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Eine Zäsur – nicht nur für die Commerzbank, sondern für die gesamte Finanzwelt. Denn mit nur noch der Deutschen Bank, kann der Dax sicher nicht mehr als „overbanked“ bezeichnet werden.

Die Neuordnung im Dax ist sicherlich die augenscheinlichste Veränderung, doch die Indexwelt der Börse präsentiert sich runderneuert. Die Trennung zwischen Hightech und „Old Economy“ war gestern. Bisher war es für ein Technologieunternehmen außerhalb vom Tec-Dax nur möglich, bei entsprechender Größe in den Dax aufzusteigen. Der M-Dax und der S-Dax war den Firmen verwehrt. Von Montag an werden unter anderem die United Internet AG und das Biotechnologieunternehmen Morphosys Eingang in den M-Dax finden. Außerdem werden der M-Dax und der S-Dax vergrößert. Der M-Dax wird von 60 statt 50 Unternehmen gebildet; der S-Dax wächst von 50 auf 70 Firmen an.

Auch neu ist: Unternehmen können künftig in mehreren Indizes vertreten sein. Das führt dazu, dass die Telekom, Infineon, SAP und Wirecard ebenfalls im Tec-Dax geführt werden. Aus dem M-Dax stoßen unter anderem United Internet und Siemens Healthineers hinzu. Der Tec-Dax galt bislang als risikobehaftet. Viele Anleger nehmen ihn als Nachfolger des Neue-Markt-Index Nemax wahr, der mit dem Hightech-Crash in die Binsen gegangen war. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Risiken bleiben. Denn der Blick auf die Kurse zeigt, dass Technologieunternehmen zum Teil deutlich höher bewertet werden als andere. Dax-Firmen könnten also zum einen höheren Schwankungen ausgesetzt werden. Zum anderen könnten die neuen Schwergewichte die Dynamik des Tec-Dax deutlich bremsen. Die vier Dax-Größen tragen zu 40 % zur Kursfindung bei.

Auch können Technologiewerte im M-Dax ganz anders wahrgenommen werden. Sie werden als Unternehmen in dem fälschlicherweise gern als „Mittelstandsindex“ bezeichneten Börsenbarometer eine Art Ritterschlag erfahren. Bei Anlegern hat sich der M-Dax zuletzt wachsender Beliebtheit erfreut.

Die Mitgliedschaft in einem Index bringt Unternehmen Aufmerksamkeit und Imagegewinn. Ein Technologieunternehmen, das den Aufstieg in den Nebenwerteindex M-Dax schafft, dürfte also mehr Wahrnehmung erfahren. Allein schon indexorientierte Fonds müssen auf Änderungen reagieren und ihre Depots anpassen.

Es war überfällig, dass die Börse auf die veränderten Zeiten reagiert. In der „echten“ Wirtschaft sind die Trennungslinien so gut wie verschwunden. Unternehmen, wie Apple, Amazon oder Google beherrschen längst die Wirtschaft. Die fünf größten Konzerne der Welt sind US-Technologiefirmen. Smartphones und Onlineshopping sind in der realen Welt angekommen und damit selbst schon fast „Old Economy“.