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Sonntag, 24. Februar 2019

Management

So klappt es mit der Rettung

Von Sabine Philipp | 8. März 2018 | Ausgabe 10

Bei Turnarounds übernehmen Beteiligungsgesellschaften Anteile von Unternehmen, die in Not geraten sind, um sie wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

BU_Turnarounds
Foto: mauritius images/Aleksandr Khakimullin/Alamy

Insolvent? Beteiligungsgesellschaften helfen, das Unternehmen wieder in die Spur zu setzen.

Manchmal trifft es auch Firmen, die gut aufgestellt sind. Sei es, weil ein Kunde wegbricht, ein Mitbewerber ein vergleichbares Produkt viel günstiger anbietet. Oder weil eine größere Zahlung eines Kunden ausbleibt.

Genau das war bei der Isog GmbH passiert. Dazu kam, dass ein großes Kundenprojekt verschoben wurde. So musste der alteingesessene Schleifmaschinenhersteller aus dem bayerischen Weilheim Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Das Verfahren wurde 2012 im Rahmen des neuen Insolvenzrechtes „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ (ESUG) eingeführt. Der Gesetzgeber wollte damit die Sanierungschancen von notleidenden Unternehmen verbessern.

„Im Unterschied zu einer Regelinsolvenz kann der Unternehmer sein Unternehmen mit einem Sachverwalter an der Seite fortführen. Dazu muss er einen Insolvenzplan erstellen. Dieser sieht unter anderem vor, wie die Gläubiger im Rahmen der Insolvenz entschädigt werden. Ihm liegt auch ein Restrukturierungskonzept des Unternehmens zugrunde“, erklärt Thomas Bucksteeg, Bereichsleiter „Turnaround“ bei der Bayerischen Beteiligungsgesellschafts mbH (BayBG). Gemeinsam mit der Endurance Capital AG hatte die BayBG bei der Isog bereits wenige Wochen nach dem Insolvenzantrag ein potenzielles Übernahmekonzept entwickelt. Etwa ein halbes Jahr nach Anmeldung der Insolvenz war das Verfahren erfolgreich abgeschlossen. Die beiden Investoren übernahmen im Rahmen eines sogenannten Share Deals die Mehrheit der Unternehmensanteile zusammen mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Martin Sackmann.

Grundsätzlich unterscheidet Bucksteeg zwischen Turnarounds aus der Insolvenz und aus einem vorinsolvenzlichen Stadium. „Bei Turnarounds aus Insolvenzen übernehmen die Investoren in der Regel die Mehrheit der Geschäftsanteile. Das bedeutet auch, dass der Investor auf das Geschäft der Firma Einfluss nimmt“, so der Betriebswirt. Bei Turnarounds im vorinsolvenzlichen Stadium setzen einige wenige Geldgeber wie die BayBG mitunter auch auf stille Beteiligungen. Im Einzelfall auch in Kombination mit einer offenen Minderheitsbeteiligung. Bei einer stillen Beteiligung haben die Investoren nur bei außergewöhnlichen Geschäftsvorfällen ein Mitspracherecht. Etwa wenn größere Investitionen anstehen, oder der Verkauf von Geschäftsanteilen geplant ist.

In beiden Turnaround-Fällen jedoch steigen die Investoren als Gesellschafter ein. Der Zeitpunkt eines späteren Verkaufs der von Investoren gehaltenen Firmenanteile hängt von zahlreichen Faktoren ab, unter anderem von dem Interesse der Mitgesellschafter und der Wertentwicklung des Unternehmens. Die Haltedauer beträgt bei der BayBG im Sinne eines mittel- bis langfristigen Investmentansatzes in der Regel sieben bis zehn Jahre. Sie arbeitet mit Unternehmen in Notlagen zusammen, wenn sie vom Geschäftsmodell überzeugt ist und gute Chancen für einen tragfähigen und nachhaltigen Turnaround sieht. Vor allem das Management muss überzeugen. „Die Krisenursachen müssen bekannt sein und das Management muss über den Willen und über die nötige Qualifikation verfügen, entsprechende Restrukturierungsmaßnahmen umzusetzen“, erklärt Bucksteeg.

Bei der Isog wurden im Rahmen der Restrukturierung die Mannschaft verschlankt, die Kosten reduziert und der Vertrieb fokussierter aufgestellt. „Dazu profitiert das Unternehmen von einer neuen Maschine, die fast punktgenau mit der Umsetzung des Insolvenzplans auf den Markt kam. Dort wurde sie sehr positiv angenommen“, so der Wirtschaftsexperte. Auch wenn die BayBG gemeinsam mit der Endurance Capital AG die Mehrheitsbeteiligung hält, so betont er, dass man sich aus dem operativen Geschäft weitgehend heraushält. Chef blieb von Anfang an der bisherige geschäftsführende Gesellschafter Martin Sackmann.

Wie aber findet ein Unternehmen einen seriösen Investor? „Gute Ansprechpartner sind zum Beispiel Banken, Wirtschaftsprüfer oder versierte Berater“, so Bucksteeg. Er rät, sich den so genannten Track Record, sprich die Historie, des potenziellen Partners gut anzusehen. „Das heißt: Wie viele Deals hat er bislang erfolgreich umgesetzt? Mit welchen Firmen? Hat er die Anteile längerfristig gehalten, oder nur über eine sehr kurze Zeit hinweg? Welche Erfahrungen bringt er mit? Was ist seine Zielvorstellung und wie ist die Investmentphilosophie?“ Zum Schluss empfiehlt er, sich direkt mit Unternehmen auszutauschen, die von dem Investor begleitet wurden, um sich ein genaues Bild zu machen.  cb