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Samstag, 23. Februar 2019

Industrie

Starke Politik für grüne Energien

Von Stephan W. Eder | 28. Juni 2018 | Ausgabe 26

EU-Vizepräsident Maros Sefcovic will die Branche der erneuerbaren Energien nach vorne treiben. Erstes Pilotprojekt ist die EU-Batteriefertigung.

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Foto: European Commission/Günther Schiffmann

Maros Sefcovic: Der EU-Vize- kommissar für die Energieunion will eine starke Industriepolitik.

Während der Messe „The smarter E“ forderte Maros Sefcovic am Donnerstag letzter Woche in München die Unternehmer der Branche auf, das im Februar gegründete Clean Energy Industrial Forum zu unterstützen. Das Forum soll helfen, in der EU eine konkurrenzfähige Solarindustrie zu erhalten und aufzubauen, so der EU-Kommissar für die Energieunion.

Die Rahmenbedingungen für die Solarbranche seien gut. Zum Ersten habe man den Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien bis 2030 in der EU auf 32,5 % beschlossen, betonte Sefcovic in München im Gespräch mit den VDI nachrichten. Das ergebe langfristige, verlässliche Rahmenbedingungen, auf die auch die Solarbranche bauen könne. Zudem übersteige das Budget für Forschung & Entwicklung für diesen Sektor erstmals die 100-Mio.-€-Grenze. Und drittens würde in der kommenden mittelfristigen EU-Finanzplanung erstmals jeder vierte Euro für klimabezogene Ausgaben eingeplant.

Aus der Solarbranche kommen seit Jahren Rufe, für Solarzellen eine eigene, international konkurrenzfähige Produktion (Fab) aufzubauen, um das Know-how zu erhalten. Auf Nachfrage verwies der EU-Kommissar auf die guten Rahmenbedingungen für die gesamte Branche (s. o.).

Bei der Batteriefertigung durchschreite man hingegen heute denselben Prozess wie in den 1960er-Jahren beim Aufbau des Airbus-Konsortiums, so Sefcovic: „Natürlich sieht das anders aus. Wir haben die europäische Batterieallianz aufgesetzt. Da haben wir klargestellt, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette und alle Stadien der Batterieherstellung abdecken wollen.“ Das beginne beim Rohmaterial, „für das wir sicherstellen wollen, dass wir nachhaltige und zuverlässige Quellen nutzen“, so der EU-Vizepräsident. 13 Länder seien gute Quellen für jene Metalle, die man für die Batterieherstellung brauche.

Sefcovic will vor allem, dass die in den Fabs in der EU hergestellten Batterien nachhaltig sind – auch als Differenzierungsmerkmal auf dem Weltmarkt. „Die weltweit saubersten Batterien müssen aus Europa kommen. Wir möchten, dass sich die Batteriedesigner schon zu Beginn fragen, wie sie die Batterie recyceln – also wie sie sie auseinandernehmen können – und was sie nach dem Ende der Lebensdauer der Batterie mit all den Materialien tun wollen, die da drin stecken.“

„Wir sind wirklich die Stärksten weltweit, wenn es um die Digitalisierung von Elektronik und erneuerbaren Energien geht. Ich möchte das nutzen, um hochqualitative Software für die Batterien zu entwickeln, so dass sie nicht nur das Auto antreiben, sondern uns auch als Flexibilitätstool für unsere Stromnetze dienen.“

Derzeit entstehen mehrere Konsortien für die Batterieherstellung in der EU. Die Northvolt-Gigawatt-Batterie-Fab in Schweden ist am weitesten. „Ich hoffe, dass wir auch bald arbeitende Konsortien haben werden um das Projekt Terra E in Deutschland und eines in Frankreich, geführt vom Batteriehersteller Saft. Und wir haben ermutigende Signale und Stimmen aus der Automobilindustrie.“ Dafür braucht es eine Menge an Forschung und Entwicklung. Für die kommenden zwei Jahre stellt die EU 200 Mio. € nur für die Batterieforschung zur Verfügung. Hinzu kämen, so Sefcovic, 2,7 Mrd. € vom European Innovation Council für Projekte der Batterieallianz.

„Wir möchten in Europa zehn bis 20 Gigafactories haben“, erklärt Sefcovic das Ziel. Der EU-Markt werde 2025 bei 200 GWh liegen, der Weltmarkt bei 900 GWh: „Ich glaube, wir sollten als Europäer unser Äußerstes versuchen, damit wir diesen europäischen Markt erobern, denn ich denke, als Automobilindustrie sind wir Global Player und das sollten wir auch bleiben.“

Sefcovic, der sich Anfang des Monats als Nachfolger von EU-Präsident Jean-Claude Juncker positioniert hat, will generell bei der Industrie- und Handelspolitik eine stärkere EU. „Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir eine noch stärkere Industriepolitik brauchen“, sagt der Slowake mit Verweis auf China und die USA. „Wir müssen uns auf ein raueres Umfeld im internationalen Handel einstellen.“ Das, was die EU derzeit auf dem Batteriesektor unternehme, müsse auf andere Energiebereiche ausgedehnt werden.