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Mittwoch, 20. Februar 2019

Aktien

Stürmisches Börsenjahr voraus

Von Dieter W. Heumann | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Die Konjunktur schwächelt, der Brexit steht bevor und die Handelsstreitigkeiten schwelen weiter. Für Anleger wird 2019 ein schwieriges Jahr.

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Foto: Foto [M]: panthermedia.net/ridofranz/VDIn

Anleger mussten vergangenes Jahr einiges aushalten. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Das deutsche Börsenbarometer hat im vergangenen Jahr von seinem Höchststand im Februar gut 20 % eingebüßt. Nach fast zehn Jahren im Trend aufwärtsstrebender Kurse fand die Party auf dem Frankfurter Börsenparkett ihr vorläufiges Ende. Die wirtschaftlichen Gründe: Die Weltkonjunktur schwächte sich ab. Gleiches galt für die Konjunktur im Euroland. Das traf die Exportnation Deutschland schmerzlich. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumserwartungen zurückgeschraubt. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum normalisiere sich, so ihre derzeitigen Prognosen. Eine Rezession sei aber nicht in Sicht. Das klingt beruhigend. Doch die Stimmung ist schlechter als die wirtschaftliche Lage. Denn schon Anfang 2018 deutete der Dax-Verlauf auf einen Einbruch in der zweiten Jahreshälfte hin, während die Konjunkturexperten noch optimistisch in die Zukunft blickten.

Obwohl nach einer Börsenweisheit politische Börsen nur „kurze Beine“ haben, war es vor allem die Politik, die die Stimmung und damit das Börsengeschehen im gesamten vergangenen Jahr belastete. Der Populismus und damit die Ungewissheit sind in Form national ausgerichteter und unberechenbarer Politiker zurückgekehrt. So versetzte US-Präsident Donald Trump die Börsianer mit seinem Handelsstreit immer wieder in Angst und Schrecken. Zwar beruhigt sich die Lage im Zollkonflikt derzeit, doch Skepsis bleibt.

Mit den Europäern hat Trump allenfalls einen vorübergehenden Burgfrieden geschlossen. Besonders die deutsche Autoindustrie bleibt in seinem Visier. Aber auch ein politisch unruhiges Europa brachte den Dax unter Druck: So zogen die Italiener die Anleger in ihren Bann. In Rom weigerte sich die neue Regierung zunächst beharrlich, einen Haushalt aufzustellen, der das Land einem Abbau seiner hohen Verschuldung näherbringen sollte. Die römische Regierung bestand darauf, ihre teuren sozialen Wahlversprechen zu erfüllen. Zum Jahresende kam es mit Brüssel aber doch zu einer Einigung. Dagegen bleibt der Brexit auf der Tagesordnung. London trifft sogar Vorkehrungen für einen harten Brexit. Ende März ist der Termin.

Auch sich umwälzende Technologien verunsichern Börsianer. Die Digitalisierung bemächtigt sich vieler Stellschrauben der Wirtschaft. In diesem Umfeld dürfte es für die Unternehmen besonders schwierig werden, die Zukunft auszuloten. Das zeigten bereits jüngste Unternehmensausblicke: Sie waren auffällig häufig von Konjunktursorgen und Gewinnwarnungen geprägt. Das Misstrauen der Börsianer wurde verstärkt: Die heiß erhoffte Jahresendrallye blieb aus. Wie die Handelsblattumfrage „Dax-Sentiment“ zeigt, haben die aktuelle Stimmung und die Verunsicherung der Anleger die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung in 2014 erreicht. So weist der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments derzeit einen negativen Extremwert auf. Er war stets ein treffsicheres Signal für eine Trendwende.

Die Zinssteigerungen in den USA und die Liquiditätseinschränkungen der amerikanischen Notenbank Fed sowie der EZB verunsichern zusätzlich. Noch nie in der Geschichte habe man 600 Mrd. $ an Liquidität aus den Märkten genommen, so Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG in München. Doch traut der Börsenexperte der Fed die notwendige geldpolitische Flexibilität zu, sollte eine starke Schädigung der Konjunktur und Aktienmärkte drohen. Im Streit zwischen den USA und China setzt Ehrhardt letztlich auf eine Einigung. In der Tat, Trump hat bereits seine Wiederwahl fest im Auge und braucht Erfolge. Aber auch China scheint an einer Deeskalation interessiert zu sein: Die Abwertung des Yuan ist gestoppt und chinesische Unternehmen, die sich des Diebstahls geistigen Eigentums schuldig gemacht haben, werden bestraft. Verbleiben neben dem Brexit und konjunkturellen Fragezeichen die Schuldenprobleme südlicher Euroländer, die mit zunehmender Konjunkturschmelze wieder akut werden könnten. Andererseits fehlt es hierzulande weiterhin an Anlagealternativen: Steigende Zinsen bleiben zunächst ein Wunsch und die Preise für Betongold haben in bevorzugten Regionen bereits sehr hohe Niveaus erreicht.

Das Börsenjahr 2018 dürfte kein Ausrutscher gewesen sein, der sich rasch wieder wettmachen lässt. 2019 scheint angesichts der vielen Unwägbarkeiten ein äußerst volatiles Börsenjahr zu werden. Doch Anlegern mit langem Atem sollten sich – nach den kräftigen Kursstürzen – im Jahresverlauf 2019 auch Chancen bieten. Dabei raten Börsenprofis als Risikopuffer zu Substanzwerten, aber auch Wachstumswerte nicht aus dem Blick zu verlieren.