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Donnerstag, 21. März 2019

Maschinenbau

Taiwan sucht neue Exportmärkte

Von Ken Fouhy | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Immer mehr taiwanesische Maschinenhersteller drängen auf internationale Märkte. Solide Konstruktionen, gute Qualität und günstige Preise sind ihre Verkaufsargumente.

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Foto: Ken Fouhy

Bei der Eröffnung der Messe Timtos unterstrich Präsidentin Tsai Ing-wen die Wichtigkeit des Maschinenbaus für Taiwans Wohlstand.

Taiwan ist seit Jahren als führender Produktionsstandort für Elektronikkomponenten und -produkte bekannt. Auch als Einkaufsquelle für Komponenten für den Maschinenbau genießt die Insel mit ihren 24 Mio. Einwohnern einen guten Ruf. Komplette Maschinen aus Taiwan waren hingegen bis vor wenigen Jahren kaum außerhalb Asiens bekannt.

Wie in der vergangenen Woche auf der Werkzeugmaschinenmesse Timtos in Taipei zu beobachten war, wachsen die internationalen Ansprüche an Maschinenhersteller aus Taiwan rapide. Im vergangenen Jahr erreichten die Exportumsätze von Werkzeugmaschinen 3,66 Mrd. $. Somit belegt Taiwan Platz vier in der Rangfolge der erfolgreichsten Exportländer hinter Deutschland, Japan und Italien. Lange galt China als Hauptabsatzmarkt für taiwanesische Maschinen. Seit der Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums Chinas suchen die Taiwanesen neue Märkte.

Wie erfolgreich man von der Insel aus im Werkzeugmaschinenmarkt sein kann, zeigen die Unternehmen YCM und Soco. Als einer der ältesten Werkzeugmaschinenhersteller Asiens ist YCM (Gründungsjahr 1954) bei Hochgeschwindigkeitsbearbeitung und Schwerzerspanung mit seinen Maschinen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Für sein neues flexibles Produktionssystem NFX800B hat die Firma gleich zwei Preise für das beste Bearbeitungszentrum und für die beste Intelligente Maschinenlösung vom Messeausrichter in Taipei erhalten.

Rohrbearbeitungsspezialist Soco hat seinen internationalen Anspruch auf der Messe deutlich gemacht – seine Ausstellungsfläche hat er im Vergleich zur Vorveranstaltung verdoppelt. Gegründet 1979, bezeichnet sich das Unternehmen als international führender Rohrbiege- und -verarbeitungsspezialist. Heute erwirtschaftet das Unternehmen mit 520 Angestellten aus Taichung mehr als 90 % seiner etwa 100 Mio. $ Umsatz mit ausländischen Kunden. Produktionsstandorten unterhält Soco in Taiwan, China und Schweden.

Aber auch kleinere Marktteilnehmer aus Taiwan sehen Chancen im Exportmarkt. Werkzeugmaschinenhersteller Ken Ichi Machine Company hat sein Produktangebot in den vergangenen zehn Jahren komplett überholt und auf Hightech-Anwendungen mit 5-Achs-Bearbeitung ausgerichtet. Um international mit den weltbesten Herstellern aus Japan, Deutschland, Italien oder der Schweiz konkurrieren zu können, arbeitet das Unternehmen aus Taichung bei qualitätskritischen Komponenten mit internationalen Zulieferern zusammen. Für die Direct-Drive-Fräsköpfe ist Ken Ichi eine langfristige Kooperation mit einem italienischen Hersteller eingegangen. Statt auf konventionelle Kugelgewindeantriebe setzt er in den meisten Maschinen Linearmotoren von einem deutschen Hersteller ein. Und für die Steuerungen greift er auf den Traunreuter Spezialist für 5-Achs-Maschinensteuerung Heidenhain zurück. Im vergangenen Jahr hat der taiwanesische Hersteller erstmalig mehr als 70 Maschinen verkauft, darunter einige nach Europa. Für nächstes Jahr lautet das Produktionsziel 100 Maschinen, sagt Marketingleiter Josh Cheng.